Worpswede. Öffnet sich die Tür im Kinderhaus, so schauen nicht nur die drei Erzieher oder die Kinder, wer gekommen ist. Auch die braune Labrador-Hündin Kaya erkundet sofort, wer gerade den Kindergarten Kinderhaus Worpswede betritt. Freudig wedelt sie mit dem Schwanz und begrüßt den Neuankömmling schnuppernd. Schon als Welpe ist die Hundedame ein Teil des Kindergartenlebens geworden: Seit 2005 ist sie immer dabei. Für Manuela Förster, Leiterin des Kindergartens, sind gerade der Umgang und das Leben mit Tieren wichtig für den gegenseitigen Respekt untereinander. "Es schafft den Blick für ein Miteinander", meint die Pädagogin, und das ist für sie von großer Bedeutung.
Die Erzieherin hat eine berufsbegleitende Ausbildung in tiergestützter Pädagogik absolviert und ist dabei auf den Hund gekommen. Kaya hat ihr Körbchen in einer Ecke des Gruppenraumes. Alle der 18 hier betreuten Kinder wissen, wenn Kaya dort liegt, will sie nicht gestört werden. Doch das kommt selten vor. "Kaya möchte eigentlich immer dabei sein", meint Förster, und so legt sich die ruhige Hündin gerne zu den Kindern, lässt sich streicheln und kraulen. Auch die Mädchen und Jungen im Alter zwischen drei und sechs Jahren suchen Kayas Nähe. Kaya habe ein besonderes Feeling für Kinder mit Beeinträchtigungen, meint Förster. Wenn sie gestreichelt werden möchte, kommt sie, aber es steht ihr ebenso frei sich zurückzuziehen.
Die Kinder im Kinderhaus, das auch vier Integrationsplätze anbietet, werden von drei Fachkräften betreut. Die gute personelle Besetzung hat mit dem Integrationsangebot zu tun. Dabei ergänzen sich die Pädagoginnen. Während Manuela Förster neben der tiergestützten Pädagogik für Bewegungsangebote verantwortlich ist, ist Marion Wiebusch als Erzieherin und Heilpädagogin für musische Bereiche und Weben zuständig. Der Kunsttherapeut Gero Balk-Fano übernimmt das kreative Gestalten im kleinen Werkraum, der den Kindern viele Möglichkeiten eröffnet. Außer dem Werkraum und dem Gruppenraum mit Puppen- und Bauecke, in dem auch die gemeinsamen Mahlzeiten eingenommen werden, gibt es einen Ruheraum mit einem kleinen Sofa und die "Halle", wie sie von den Kindern genannt wird. Die Halle ist ein Anbau, der als Bewegungsraum mit einer Hochebene die Möglichkeit zum Toben und Klettern bietet und eine Alternative zum Außengelände mit seinen unterschiedlichen Klettermöglichkeiten darstellt.
Die Kinder können alle Bereiche jederzeit nutzen, nur der Morgenkreis und die Mahlzeiten sind bindend. "Sie haben ganz viele Freiräume, wenn sie sich an die Regeln halten", meint Förster. Sie schätzt besonders die familiäre Atmosphäre des kleinen Kindergartens und den Austausch mit den Eltern. Das sei wie eine "große Familie", meint sie.
Eine Elterninitiative hatte den Kindergarten 1971 gegründet und ist seitdem Träger. Die 18 Kinder werden hier montags bis freitags in der Kernzeit von 7.30 bis 12 Uhr betreut, zudem besteht die Möglichkeit einer Betreuung bis 14 Uhr mit Mittagessen, das reihum von den Eltern zubereitet wird. "Die Mitarbeit der engagierten Eltern ist toll", schwärmt Förster. Die Pflege des Außengeländes, aber auch kleine Reparaturarbeiten werden ebenfalls von den Eltern organisiert, während die pädagogische Arbeit den Fachleuten vorbehalten bleibt.
Kern dieser Arbeit ist das Miteinander. Die Kinder sollen ein Gruppengefühl entwickeln und den Blick füreinander bekommen. "Jeder hat hier mit seinem Charakter Platz", meint Förster, und das gilt eben auch für Hündin Kaya. Die hat allerdings wie alle anderen Regeln einzuhalten. Das wissen Simon, Charlotta und Vincent ganz genau. "Kaya darf nicht in die Küche oder ins Bad", meint Vincent, während die fünfjährige Charlotta erklärt: "Man darf Kaya nicht kneifen und nicht am Schwanz ziehen."
Sich nicht gegenseitig weh zu tun - diese Prämisse ist auch im Miteinander der Kinder untereinander wichtig. So wird über den Kontakt zu Kaya so ganz nebenbei ein Bewusstsein dafür geschaffen, wie die Kinder miteinander umgehen.
Kinderhaus Worpswede e.V., Findorffstraße 16 in Worpswede; Leiterin Manuela Förster, Telefon 04792/2278.


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