Osterholz-Scharmbeck. Hinter der Abkürzung LINES verbirgt sich ein Titel mit zungenbrecherischem Charakter: "Lokales Inklusionsnetzwerk zur Werte- und Normenbildung im Elementar-, Primar- und Sekundarbereich". Inklusion, das heißt so viel wie Einbeziehung. Hier ist die Umsetzung eines gemeinsamen Lernens nicht nur behinderter und nichtbehinderter Kinder gemeint, sondern auch von Mädchen und Jungen, die einen Migrationshintergrund haben oder aus sogenannten bildungsbenachteiligten Familien stammen.
Kingergärten und Schulen in der Stadt sind zunehmend "mit Vielfalt konfrontiert", wie es die Verwaltung in der Sitzungsvorlage für den Ausschuss nennt. Und ab dem Schuljahr 2013/14 wird der gemeinsame Unterricht zudem verpflichtend. Vor diesem Hintergrund komme dem LINES-Projekt mit seinen Fortbildungen sowie Angeboten zur Beratung und Koordination eine große Bedeutung zu.
Deshalb möchte die Stadt jetzt Zuschüsse für eine dritte LINES-Laufzeit vom 1. September 2012 bis zum 31. August 2014 beantragen. Zuständige Behörde ist das Kultusministerium in Hannover, dass LINES bislang aus Mitteln des ESF-Programms "Inklusion durch Enkulturation" gefördert hat.
LINES III soll ein Gesamtvolumen von 660000 Euro haben, der städtische Eigenanteil lieg bei 165000 Euro. 20000 Euro davon werden durch Stellenanteile von bereits fest bei der Stadt beschäftigtem Personal erbracht, ist der Vorlage für die Sitzung des Fachausschusses zu entnehmen.
Ziel von LINES ist es, die Lern- und Ausbildungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen mit "Migrationshintergrund oder anderen sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen zu erhöhen und deren "soziale und kulturelle Teilhabe" zu verbessern. In der dritten Runde des Projektes sollen weitere Kindergärten und Schulen einbezogen werden. Die Beethovenschule sowie wie Schule im Sekundarbereich sollen zu inklusiven Modellschulen weiterentwickelt werden. Diese Schulen könnten dann als Referenzschulen dienen, so die Verwaltung.
Zwei neue Krippen geplant
Außerdem ist die Einrichtung einer Bildungsberatung für jugendliche Migranten und junge Schüler aus "bildungsbenachteiligten Familien" geplant. Generationsübergreifende Lerngruppen sind ein weiterer Bestandteil von LINES III - aufbauend auf dem "Alt+Jung"-Projekt von Seniorenbeirat und Oberschule.
Der Ratsausschuss für Bildung und Erziehung befasst sich in seiner öffentlichen Sitzung am Dienstag zudem mit den Gebühren der Kreis- und Stadtbibliothek, die in das neue Medienhaus auf dem Campus einziehen wird. Eine neue Nutzungsordnung sieht unter anderem eine Erhöhung des Jahresentgeltes um zwei Euro beziehungsweise ermäßigt um ein Euro vor. Das Internet soll in der Bibliothek künftig kostenlos genutzt werden können.
Die Lebenshilfe GmbH möchte zum 1. September in ihrem Kindergarten Moorblick eine Krippengruppe mit zehn Plätzen eröffnen. Ebenfalls eine zehn Plätze umfassende Krippengruppe soll dann im Kindergarten der evangelischen St.-Marien-Kirchengemeinde an den Start gehen. Beide Träger wollen dafür bestehende Regelgruppen umwandeln. Im Fachausschuss werden dazu Einzelheiten erläutert.
Aktuell werden in der Stadt Osterholz-Scharmbeck für rund zwölf Prozent der Kinder unter drei Jahren solche Betreuungsplätze angeboten - zurzeit gibt es sechs Krippengruppen mit jeweils zehn Plätzen.
Bis 2013 wird in der Kreisstadt eine Versorgungsquote von mindestens 16 Prozent angestrebt. Bund, Länder und Kommunen haben zwar eine Quote von bundesweit durchschnittlich 35 Prozent vereinbart.
Im Landkreis Osterholz werde aber davon ausgegangen, dass eine Quote von 14 bis 20 Prozent im institutionellen Bereich ausreichend ist, wird in der Sitzungsvorlage ausgeführt.
Auf der Tagesordnung stehen schließlich auch die im Haushalt 2012 vorgesehenen Erträge und Aufwendungen für Kindertageseinrichtungen, Schulen sowie das Medienhaus, dessen Fertigstellung sich wie berichtet aufgrund fehlerhafter Deckenarbeiten verzögert.
Die Sitzungsvorlage kann im Internet über das Ratsinformationssystem der Stadtverwaltung heruntergeladen werden (www.osterholz-scharmbeck, Link "Verwaltung & Politik").


Regenwahrscheinlichkeit: