Worpswede. "Meine Frau und ich sind angekommen", sagt Pastor Kurt Liedtke lächelnd. Die Menschen vor ihm applaudieren spontan, beim Neujahrsempfang der Worpsweder Kirchengemeinde in der Zionskirche. Es ist Liedtkes zweiter Empfang. Vor einem Jahr war er noch fast neu, sagt er. Diesmal steht er mittendrin im Gemeindeleben und stimmt seine Zuhörer auf ein ereignisreiches Jahr ein, mit Kirchenvorstandswahl und neuer Orgel.
Bevor Liedtke sich das Mikrofon nahm und seine Neujahrsansprache hielt, hatten die Menschen in der Kirche schon einen festlichen Gottesdienst gefeiert. Ohne Orgel, dafür mit 15 Musikern vom Bläserkreis des Kirchenkreises Osterholz und Gastmusikern aus Bremen - unter Leitung des Landesposaunenwartes der Landeskirche Hannover, Reinhard Gramm.
Im polierten Glanz von Posaunen, Trompeten und Tuba spiegelte sich die Morgensonne, die golden durch die Kirchenfenster hereinschien. In den Vasen kündeten Tulpen, Zaubernuss und Forsythienblüten von dem neuen Jahr, das von den evangelischen Landeskirchen als Jahr der Kirchenmusik begangen wird. "Gottesklang" ist das Motto. Der ertönt gemäß Liedtke gleichermaßen in alter und neuer Kirchenmusik oder mit der Orgel.
Landeskirche nennt Orgel Königin
Die Landeskirche Hannover kündigte diese auf ihrer Internetseite jüngst als "neue Königin für Worpswede" an, erzählte Liedtke in seiner Predigt und fügte mit heiterem Unterton hinzu: "Das war natürlich so geplant" - eigentlich sollte die neue Orgel schon im Dezember stehen.
Mit der Orgel beginnt nach zehn Jahren Vorarbeit aus Liedtkes Sicht etwas, das für 250 Jahre Dauer haben soll. Kurzfristiger geht es bei den Kirchenvorstandswahlen zu. Noch bis Freitag können gemäß Liedtke die Gemeindeglieder im Gemeindebüro die Wahllisten einsehen, ob sie tatsächlich erfasst sind. Bis zum Monatsende können zudem noch Kandidatenvorschläge im Gemeindebüro, bei Liedtke oder den Kirchenvorstehern abgegeben werden. Der Pastor warb: "Wir können durchaus noch Leute gebrauchen.
"Das nächste halbe Jahr ist voll von Aufbrüchen", sagt Liedtke dann beim Empfang mit Sekt und Häppchen und wirbt zugleich für ein weiteres Projekt: die Lektoren-Ausbildung. Dort können Ehrenamtliche sich ab Ende Januar schulen lassen, "die danach in der Lage sind, selbständig Gottesdienste zu leiten". Im Februar sollen die Ehrenamtlichen der Kirchengemeinde als Dank zu einem Empfang geladen werden. Durch deren Tun ertönt, manchmal ganz ohne Worte, ebenfalls Gottesklang - das hatte Liedtke zuvor schon in der Predigt gesagt und auch auf die Helferbörse hingewiesen, die von Inge Grotheer nun unter dem Dach der Kirche organisiert wird. Eine neue Diakonin bringt der Februar ebenfalls.
"Auch da ist Bewegung, auch das geht weiter", bemerkt Liedtke zum Jugendzentrum Scheune. Ab 1. März begleitet eine neue sozialpädagogische Kraft die Jugendlichen - genaueres will er noch nicht preis geben. Umso ausgiebiger freut er sich hingegen, dass nun die Baugenehmigung des Landkreises für die Krippengruppe vorliegt. Im März soll diese eröffnet werden.
"Dann ist die große Tanzfläche auf der Empore wieder zu", kündigt Liedtke für den 4. März an - an dem Tag spielt Professor Harald Vogel beim Einweihungskonzert der neuen Orgel. Danach ertönt in der Zionskirche eine Woche lang Orgelmusik. Eines der Konzerte steht unter dem Motto "Versöhnung". Sagts und lächelt feinsinnig. Am 17. Juni soll der neue Kirchenvorstand eingeführt werden.
Bürgermeister Stefan Schwenke lobt in seinem Grußwort von Rat und Verwaltung die gute Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde und hat trotz Demokratie auch kein Problem mit der neuen Worpsweder Königin: "Gut, es ist eine Orgel."


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