Worpswede. Christina Müller, Geschäftsführerin der Bremer Agentur "text + pr", hat die Situation ähnlich erlebt wie Jäger. "Wir hatten ja ein konkretes Projekt vor uns: das Vogeler-Jahr", sagt sie. "Uns war klar: Wir brauchen Werbemittel, und da muss was draufstehen."
Jetzt sind die Plakate gedruckt. Dreieinhalb Monate bleiben bis Pfingsten. Dann wird im Künstlerdorf die Gemeinschaftsausstellung eröffnet: "Heinrich Vogeler: Künstler, Träumer, Visionär." Vier Museen präsentieren sein Leben, die Entwicklung vom schöngeistigen Jugendstil-Künstler zum Sozialisten, der in die Sowjetunion emigrierte.
"Alles aus einem Guss"
Alle Plakate zeigen das neue Logo, ebenso die Wegweiser und die Informationstafeln vor den Sehenswürdigkeiten. Alles im neuen Design, so dass es auffällt und Besucher die Grundelemente wiederfinden."Alles aus einem Guss", sagt Jäger.
Viel Zeit hatte der neu etablierte Museumsverbund von Anfang an nicht. Im Mai 2010 bewilligten das Kulturministerium und das Wirtschaftsministerium in Hannover die Millionensummen für den Masterplan des Landes. Über 14 Millionen Euro hatte Jäger als Sanierungs- und Modernisierungsbedarf für die Museen angemeldet, bewilligt wurden neun Millionen Euro. 900000 Euro schießt der Landkreis zu, genauso viel muss die finanziell klamme Gemeinde aufbringen. Den Löwenanteil finanziert Niedersachsen aus EU-Mitteln. Die Landesregierung hatte dem Künstlerort den Masterplan verordnet, weil die Ministerien es leid waren, unkoordiniert Förderanträge der Häuser für Projekte und Ausstellungen auf den Tisch zu bekommen.
Der Masterplan soll Worpswedes Image aufpolieren und den Ort als "kulturtouristische Premiummarke" profilieren. Der Plan verpflichtet die Museen zur dauerhaften Kooperation. Im Verbund müssen sie gemeinsam Programme, Profile und Ausstellungsprojekte entwickeln und sie gemeinsam vermarkten. Die Häuser treten damit einen Teil ihrer Entscheidungs- und Gestaltungsfreiheit an den koordinierenden Museumsverbund ab. Erst 15 Jahre nach Projektende, erklärt Jäger, ende die "Zweckbindungsfrist".
Zum Verbund gehören der Barkenhoff, die Große Kunstschau, die Kunsthalle Netzel, das Haus im Schluh und der Diedrichshof. Sie firmieren jetzt unter dem knalligen gelbgrünen Logo: "worps'wede - die Museen". Das stößt im Dorf auf Kritik. Schließlich gibt es noch mehr Museen: die Käseglocke und das Modersohn-Haus. Ihre Vertreter hätten sich nicht so langfristig binden wollen, sagt Jäger.
Im Mai 2010 bewilligte das Land die Masterplan-Mittel; im Juni suchte der Museumsverbund per Ausschreibung Agenturen, die ein Besucherleitsystem aus einem Guss entwickeln sollten. Wegweiser und Infotafeln, Werbeplakate und das Besucherzentrum im Philine-Vogeler-Haus sollten sich im gleichen Design präsentieren. 14 Agenturen bewarben sich, am Ende entschied sich der Verbund für ein renommiertes Großstadt-Büro.
Neubeginn im Sommer
Fachlich sei dessen Arbeit überzeugend, gewesen, betonen Müller und Jäger. Doch seien die Experten es nicht gewohnt gewesen, "in Beteiligungsprozessen zu arbeiten". Sie sahen ihre Aufgabe darin, Vorschläge zu entwickeln und sie den Auftraggebern zur Entscheidung vorzulegen. "Das funktioniert aufgrund der speziellen Situation in Worpswede nicht", sagt Christina Müller. Im Künstlerdorf reden viele mit, und viele wollen gefragt werden. "Wenn es am Ende alle gut finden sollen, muss ich alle von Anfang an mitnehmen", erklärt Jäger. Dazu ist der Dialog mit Museen, Touristikern und anderen Interessengruppen nötig. Im Sommer 2011 trennte sich der Museumsverbund von der Agentur. "Wir mussten nochmal neu anfangen", sagt Jäger. "Zum Glück hatte die GfG Kapazitäten frei". Die Bremer Agentur entwickelte in nur vier Monaten ein Besucherleitsystem. Das war ein Parforce-Ritt mit drei Workshops und einer Bürgerbeteiligung im November. Dann sorgte das Logo für neuen Wirbel:
"wo'w" als Abkürzung für Worpswede mit einem Dreieck als Apostroph - es sollte den Weyerberg symbolisieren. Einige fanden das Logo vielversprechend, andere brandmarkten es als niveaulos. Dazu kamen Plagiatsvorwürfe: Weltweit verwenden Dutzende von Unternehmen und anderen Institutionen die Buchstabenkombination. Ein Fachanwalt für Patentrecht prüfte die Materie, half dem Museumsverbund aber nicht viel weiter. "Niemand hat uns gesagt: ,Das könnt ihr nicht machen'", erklärt Jäger. "Es hat aber auch niemand gesagt: ,Das könnt ihr machen." So nahm der Museumsverbund Abstand vom "wo'w". Das sei "nur 'ne Art Joker", sagt Jäger - etwa als Stempelaufdruck.
Eilig entwickelten die Marketing-Profis der GfG die Alternative: "worps'wede" - wahlweise mit den Untertiteln: "die Museen", "das Künstlerdorf" oder "die Gemeinde". Das einheitliche Erscheinungsbild sei "ein Novum", sagt Christina Müller. "Normal ist es so: Die Museen haben ein Logo, die Touristik hat eines, und die Gemeinde hat noch ein anderes."
Die Gemeinde zahlt am Ende drauf und muss andere Geldquellen anzapfen. Das liegt nach Jägers Worten daran, dass das Land nur die kleine Lösung, das Leitsystem für die vier Museen, bezahlt. Dafür hatte der Museumsverbund Kosten in Höhe von 90000 Euro angemeldet. Doch dann wurde das Leitsystem auf den ganzen Ort und seine Sehenswürdigkeiten ausgeweitet. Damit rücken auch die Kirche und die Künstlergräber, die Käseglocke und das Modersohn-Haus in den Fokus. So werden mehr als zwei Dutzend Stelen als Wegweiser aufgestellt. Die große Lösung kostet 193000 Euro - mehr als das Doppelte.


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