Die Summe von 460000 Euro ließ aufhorchen. Sie sollte im Rahmen der Etatberatungen im für das Feuerwehrwesen zuständigen Sozialausschuss nachträglich in die mittelfristige Finanzplanung für 2014 in den Haushalt aufgenommen werden. Die volle Aufmerksamkeit des Ausschusses hatte Verwaltungsmitarbeiter Andreas Cordes, als er erläuterte, diese Summe tauche bisher im Finanzplan noch nicht auf und sei für die mögliche Anschaffung eines Rüstwagens vorgesehen. Cordes erwähnte in diesem Zusammenhang die Linie 4, denn wenn die Straßenbahn kommt, müsse man zumindest theoretisch auch auf einen Unfall vorbereitet sein.
Vier Tage später setzte der Bürger Alfred Werner in der Fragestunde des Finanzausschusses nach und wollte wissen, ob die Anschaffung eines solchen Fahrzeugs nicht zu den Betriebskosten der Linie 4 gerechnet werden müsste und ob nicht gar die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) für die Bereitstellung zu sorgen habe. So weit ist man derzeit in der Verwaltung aber noch gar nicht, denn noch geht es um Planungen, von Kauf ist noch nicht die Rede. Andererseits - so lange ist es bis 2014 auch nicht mehr hin.
Nur ein Punkt unter vielen
Dass die in absehbarer Zeit in Lilienthal fahrende Straßenbahn zwar ein wichtiger, aber eben nur ein Punkt unter vielen ist, die bei den Verantwortlichen entsprechende Überlegungen in Gang gesetzt haben, erfuhren wir jetzt auf Nachfrage bei Ortsbrandmeister Andreas Hensel. Mit dem aktuellen Fahrzeugpark könne man Hilfeleistungen bis zu normalen Verkehrsunfällen problemlos bewältigen, bei allem, was darüber hinaus gehe, müsste man sich zum Teil jetzt schon "mehr schlecht als recht" behelfen. Das gehe los bei Sturmeinsätzen, betreffe den drohenden Einsturz von Häusern nach Bränden oder selbst Verkehrsunfälle, bei denen Fahrzeuge auf der Seite lägen und stabilisiert werden müssten. "Wir haben beispielsweise nur ein einziges hydraulisches Rettungsgerät, die so genannte Rettungsschere." Mit einem umfassend ausgestatteten Rüstwagen sei man dagegen auf alle Eventualitäten vorbereitet, und sogar für Verschüttungen gebe es entsprechendes Material. Auch sei daran zu erinnern,
dass Lilienthal mit der zunehmenden Gewerbeansiedlung auch immer mehr Schwerlastverkehr anziehe.
Was die Straßenbahn betrifft, so würden die Lilienthaler Helfer etwa bei einer Entgleisung oder einer unter der Bahn eingeklemmten Person mit ihrer derzeitigen Ausrüstung und angesichts eines Gesamtgewichts eines Straßenbahnzuges zwischen 40 und 60 Tonnen eher hilflos dastehen. Allein die Zusatzausrüstung, die man für solche Einsätze benötige, wiege an die zweieinhalb Tonnen. "Das kriegt man auf keinem normalen Feuerwehrfahrzeug unter", weiß Hensel. Zudem würde bei den derzeitigen improvisierten Behelfsmöglichkeiten unnötig viel Personal gebunden - "das ist bei ehrenamtlich Tätigen immer ein großes Problem".
Der nächste Rüstwagen für den Landkreis Osterholz stehe in Pennigbüttel, der der Bremer Feuerwehr in der Feuerwache am Wandrahm. Von dem einen wie vom anderen Standort vergingen von der Alarmierung bis zum Eintreffen an einem möglichen Einsatzort in Lilienthal zirka 30 Minuten - im Notfall zu lange, etwa wenn eine Person unter einer Bahn eingeklemmt sein sollte. Hätte das Bremer Fahrzeug gleichzeitig einen Einsatz auf der Autobahn oder im Hafen, käme von dort gar keine Hilfe. Zudem sei zu bedenken, dass es sich bei Bremen um ein anderes Bundesland handele. Soll heißen: Es ist nicht nur die Landesgrenze, sondern möglicherweise im Vorfeld die eine oder andere bürokratische Hürde zu überwinden. Nicht auszuschließen sei, so Hensel, dass dafür sogar extra ein Staatsvertrag geschlossen werden müsste. "Aber letztlich muss ich auch an die eigene Daseinsvorsorge erinnern", sagt der Ortsbrandmeister.
Ob die Gemeinde Lilienthal selbst einen Rüstwagen anschafft, ob es möglich sei mit dem Landkreis oder Bremen zu kooperieren und wenn ja, zu welchen Konditionen, all dies seien Fragen, die demnächst erst noch geklärt werden müssten, unterstrich auf Anfrage Bürgermeister Willy Hollatz, der daran erinnerte, dass Lilienthal auch Schwerpunktwehr sei. "Wichtig für uns war zu diesem Zeitpunkt, dass wir der Politik rechtzeitig eine Botschaft geben, und das ist mit der Aufnahme des Postens in die mittelfristige Finanzplanung geschehen."


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