Bereits zum siebten Mal fanden am Wochenende die "Scharmbecker Orgeltage" statt. "Die Königin der Instrumente", wie Kirchenmusikerin Caroline Schneider-Kuhn die wertvolle Orgel nennt, war der Star aller sechs Konzerte, die diesmal auf dem Programm standen.
Erbaut wurde das Instrument 1731 bis 1734 von dem Stader Orgelbauer Erasmus Bielfeldt. Die Orgel der St. Willehadi-Kirche gehört zu den wichtigsten historischen Orgeln in Deutschland aus Zeiten Johann Sebastian Bachs.
Nicht nur Orgelkenner und Musikliebhaber sollten auch in diesem Jahr durch das klangvolle Spektakel angesprochen werden, es gab auch wieder ein "Orgelkonzert für Kinder". So saßen am Sonnabendvormittag zahlreiche kleine Zuhörer sprichwörtlich "wie die Orgelpfeifen" in den Kirchenbänken und ließen sich von der Ballettmusik Peter Tschaikowskis, auf der Orgel umgesetzt von Caroline Schneider-Kuhn, zum bekannten Märchen "Dornröschen" verzaubern. Pastor Lueder Möring übernahm eindrucksvoll den Part des Märchenerzählers und verlieh jeder Figur in "Dornröschen" eine eigene Stimme.
"Bei Märchen bietet sich das Orgelspiel an. Man kann den Figuren durch die vielen Möglichkeiten an Tönen unverwechselbare Charaktere und Stimmungen einhauchen", erklärte Schneider-Kuhn.
Die Kirchenmusikerin und Kirchenkreiskantorin begann ihre musikalische Laufbahn bereits im Alter von sechs Jahren am Klavier. Mit 14 stieg sie um auf Orgel. Sie studierte später Kirchenmusik und absolvierte einen Aufbaustudiengang im Fach Orgel. "Der Unterschied zum Klavier ist, dass ich mit den Füßen sogar zwei Oktaven an Tönen spielen kann. Das erweitert das Klangfeld und verleiht der Musik dieses festliche, schöne Gefühl, das ich immer schon bei Kirchenmusik mochte. Nicht umsonst ist sie die Königin, sie kann viele Instrumente nachahmen, ob Glöckchen, Trompeten oder Streichinstrumente, man ist praktisch ein Ein-Mann-Orchester."
Am Ende des märchenhaften Konzertes wartete etwas nicht Alltägliches auf die Kinder. Sie konnten mit der Scharmbecker Orgel auf Tuch- beziehungsweise Tastenfühlung gehen. Jeder durfte ein paar Töne spielen, und Caroline-Schneider-Kuhn zeigte ganz genau, wie die Musik entsteht. "Mit der Orgel kann man sogar zaubern", sagte die Musikerin, während sie eine Tastenreihe verschob - und sich die Tasten wie von Zauberhand ganz allein bewegten.
"Mir liegt viel daran, den Kleinen das Instrument näher zu bringen. Sie finden es spannend und fragen und probieren mit viel Interesse", betonte Schneider-Kuhn.
Interessiert bewunderten nicht nur die Kinder die Orgel, auch Besucherin Helga Wiegmann war begeistert. "Ich habe vor 43 Jahren hier gewohnt und bin extra zu den Orgeltagen in die Stadt zurück gekommen", berichtete Wiegmann. "Das Kinder-Orgelkonzert und alle anderen Konzerte in diesem Rahmen sind etwas Besonderes für ganz Osterholz-Scharmbeck."


Regenwahrscheinlichkeit: