Lilienthal. Wegen des letzten verregneten Sommers, dem bereits ein fast ebenso schlechter vorausgegangen war, hatte die Vorsitzende der Bühne, Ulla Hark-Sommer, einen Zuschuss in Höhe von 5000 Euro beantragt. Die Verwaltung hatte die Zahlung von 4000 Euro empfohlen, herausgekommen sind letztlich 2000 Euro. Doch es hätte noch schlimmer für die Bühne kommen können, denn auch eine Nullnummer war nach dem Diskussionsverlauf durchaus drin - und das, obwohl alle Fraktionen unisono die Bedeutung der Bühne anerkannten und unterstrichen. Aber sie hatten eben auch den defizitären Haushalt im Hinterkopf.
Die Freilichtbühne bereichert seit nunmehr 27 Jahren mit jährlich zwei Theaterproduktionen und zahlreichen Sonderveranstaltungen das kulturelle Leben der Wümmegemeinde. 120 ausschließlich ehrenamtlich aktive Mitglieder - das jüngste ist acht, das älteste 75 Jahre alt - leisten damit nach Einschätzung der Bühnen-Vorsitzenden Hark-Sommer nicht nur einen Beitrag zu einer sinnvollen generationenübergreifenden Freizeitgestaltung, sondern sie "tragen auch zur Steigerung der Lebensqualität in unserer Gemeinde bei und haben diese weit über ihre Grenzen hinaus bekannt gemacht". Zudem erweckte die Bühne in drei großen lokalhistorischen Produktionen wichtige Abschnitte Lilienthaler Geschichte wieder zum Leben und trug so zur Identifikation der Bürger mit ihrer Gemeinde bei. Und auch für das soziale Leben engagiere sich die Freilichtbühne: Sie habe Menschen mit Behinderungen ebenso integriert wie solche mit Migrationshintergrund und stelle Schulen Freikarten für Kinder aus sozial schwachen
Familien zur Verfügung. Neben dem persönlichen Engagement wurden Investitionen etwa für ein mittlerweile fast abbezahltes Betriebsgebäude oder einen dringend erneuerungsbedürftigen Bühnenboden getätigt, für den demnächst zirka 10000 Euro aufgebracht werden müssen.
All dies scheint bei den Ausschussmitgliedern auch so angekommen zu sein, denn alle würdigten in ihren Redebeiträgen die Verdienste der Bühne. Aber die Lorbeeren sind das Eine, das fehlende Geld ist das Andere. Dabei fehlt es genau genommen nicht einmal, denn die 4000 Euro, die die Gemeinde in ihrer Empfehlung stehen hatte, sind sozusagen übrig gebliebene Mittel aus Einnahmen der Tour der Partner, die aus dem Budget Kulturelle Zuschüsse nicht abgerufen wurden.
Die Bühne sei mit dem vergangenen Sommer wirklich gestraft gewesen, eröffnete die Ausschussvorsitzende Monica Röhr (CDU) die Debatte, doch womit sie sich schwer tue, sei der Umstand, dass die Bühne bereits 2010 nach einem verregneten Sommer einen damals als "einmalig" bezeichneten Zuschuss bekommen habe. "Machen wir an dieser Stelle nicht auch ein Fass für weitere Begehrlichkeiten auf", fragte die Grüne Erika Simon in die gleiche Richtung. Lilienthal habe einen hochdefizitären Haushalt, und so könne man hier nicht Geld ausgeben, nur weil etwas noch nicht vollständig ausgeschöpft wurde, kündigte sie ein Nein an.
Änderungsantrag: 2000 Euro
Er wolle nicht wie auf einem türkischen Basar feilschen, sagte der Sozialdemokrat Kurt Klepsch, und stellte den Änderungsantrag, die Summe von 4000 auf 2000 Euro zu reduzieren. Der "Lilienthaler" Ingo Wendelken pflichtete Erika Simon bei und unterstrich, dass man nicht mit aller Gewalt das Kulturbudget ausreizen müsse. Die Freilichtbühne würde sicherlich nicht gleich dicht machen, wenn sie den Zuschuss nicht bekäme, beantwortete Fachbereichsleiterin Christine Beulshausen Wendelkens Frage, was denn passiere, wenn man den Zuschuss nicht gewähre. Auf der anderen Seite sei es gerade die Freilichtbühne, die überregional bekannt sei und von weit her Zuschauer nach Lilienthal ziehe. "Ich fände es schade, ihr nichts zu geben, denn wenn wir ihr etwas geben, ist das auch ein Symbol, eine Geste, eine Anerkennung", so Beulshausen.
Sie würde den Antrag entweder ablehnen oder den 4000 Euro zustimmen, meldete sich noch einmal Erika Simon zu Wort und fand gleich darauf abermals Unterstützung durch den "Lilienthaler" Ingo Wendelken, der ebenfalls nichts von einem Kompromiss hielt. Auch er wollte das Budget entweder ausschöpfen oder gar nichts geben. "Es ist eine rein monetäre Entscheidung, die wir hier fällen müssen", deutete Wendelken den Zwiespalt an, den anschließend auch SPD-Mann Werner Pfingsten für sich formulierte. Er fühle sich auf der einen Seite dem Theater verbunden, andererseits habe die Gemeinde nichts zu verschenken. "Ich kämpfe mit mir."
Das innere Ringen hatte mit der Abstimmung ein Ende - und die brachte der Freilichtbühne gemäß Abänderungsantrag von Kurt Klepsch, für den auch Christdemokrat Rainer Sekunde zwischenzeitlich Zustimmung signalisiert hatte, zwar keine 5000, auch keine 4000, aber immerhin noch 2000 Euro. Je zwei Ja-Stimmen gab es dabei von CDU und SPD, ein Nein vom "Lilienthaler" Wendelken und den beiden Grünen Simon und Ruwenstroth.


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