Eine Kultur- und Filmbiennale gibt es bisher in ganz Deutschland nicht. Sie soll das Künstlerdorf ebenso voranbringen wie das Vorhaben mit dem Titel "Neue Landschaften Worpswede", das die zeitgenössische Kunst in den Mittelpunkt stellt. Beide Projekte kosten Geld, das die Gemeinde nicht hat. Die Kulturausschussmitglieder sprachen sich dennoch einstimmig dafür aus, im Gemeindehaushalt je 10.000 Euro als Anschubfinanzierung einzuplanen.
Bürgermeister Stefan Schwenke betonte, dass es sich um rentierliche Investitionen handele, die für die kleine Kommune Worpswede "als kultureller Leuchtturm Niedersachsens weitere Leuchtstrahler darstellen". Er sehe darin eine gute Möglichkeit, durch die Fokussierung auf die zeitgenössische Kunst ebenso wie auf das Medium Film speziell junge Menschen als neue Besuchergruppe zu gewinnen.
Wie das Gemeindeoberhaupt waren die Vertreter aller Ratsparteien vom Vorschlag, ein Filmfestival nach Worpswede zu holen, und vom Projekt "Neue Landschaften" begeistert. Zwar äußerten die beiden CDU-Männer Willi Seidel und Karl-Friedrich Schröder anfangs Bedenken, dass man sich die Projekte finanziell nicht leisten könne. Aber die beiden Skeptiker wurden in der anschließenden Aussprache von der Euphorie ihrer Ausschusskolleginnen und -kollegen mitgerissen und stimmten schließlich auch mit Ja.
Festival in Deutschland einzigartig Schwenke zufolge waren die Ideengeber für die Kulturprojekte zum einen der Berliner Hochschullehrer Professor Jürgen Haase vom Wilhelm-Fraeger-Filminstitut und der Worpsweder Hans v. Helldorff, der Mitglied im CDU-Wirtschaftsrat ist, sowie die niedersächsische Kulturministerin Johanna Wanka. Der Gedanke, die bildende Kunst mit dem Medium Film zu verknüpfen, kam nach seinen Ausführungen während eines Worpswede-Besuchs des polnischen Botschafters auf, den der Filmexperte Haase und v. Helldorff begleiteten. Deren Überlegungen zufolge bietet Worpswede mit seiner kulturhistorischen Geschichte einen idealen Rahmen für ein derartiges Festival, das einzigartig in Deutschland wäre. Die Veranstaltung soll drei bis vier Tage dauern und "biennal" - alle zwei Jahre - stattfinden.
Haase und v. Helldorff hätten zugesagt, sich um das Gesamtkonzept inklusive Finanzplan zu kümmern und Kooperationspartner aus Politik und Wirtschaft ins Boot zu holene, erklärte Schwenke. Als Schirmherr des offenen Publikumsfestivals denke man an Bernd Neumann, den Kulturstaatsminister. Der Filmemacher Wim Wenders habe bereits sein Interesse an einer Jurymitgliedschaft bekundet, ergänzte v. Helldorff, der die Diskussion im Kulturausschuss als Zuhörer mitverfolgte.
Zum Projekt "Neue Landschaften Worpswede" erklärte der Bürgermeister, dass die Ministerin Wanka ihm und Landrat Jörg Mielke Anfang 2011 diesen Vorschlag quasi als Ersatz für die Streichung der Stipendiatenförderung unterbreitet habe. Gedacht sei daran, Meisterschüler von Kunsthochschulen und Akademien für zirka zwei Wochen einzuladen und sie mit Vertretern der örtlichen Kunst- und Kulturszene in einen Dialog treten zu lassen.
Wie Schwenke waren die Politiker im Ausschuss der Meinung, dass es wichtig sei, kompetente Vertreter aus Worpswede an den Vorbereitungen beider Projekte zu beteiligen. Dieter Kück (SPD) sah in den Kunst- und Filmtagen - mit dem Begriff "Biennale" mochte er sich nicht anfreunden - für Worpswede gute Möglichkeiten, eine Nische zu füllen. Der CDU-Mann Willi Seidel fand, man dürfe sich neuen Ideen nicht verschließen, "nachdem die Stipendiaten verloren gegangen sind". Der Ausschussvorsitzende Hans Ganten, Mitglied der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) schlug vor, als Veranstaltungsorte neben dem Kunstzentrum Alte Molkerei, der Ratsdiele, den Künstlerateliers und der Music Hall zusätzlich noch die Bötjersche Scheune in Erwägung zu ziehen.
Auch die UWG-Vertreterin Susanne Weichberger, die Sozialdemokratin Marion Werner und die Christdemokratin Anette Faouzi sprachen sich ohne Wenn und Aber für beide Projekte aus. Übereinstimmend betonten sie, dass Worpswede e damit einen weiteren Schritt nach vorn gebracht werde. Im Vergleich zu den aktuellen Vorhaben wie Masterplan und Umbau der Bergstraße bezeichnete Weichberger die Ausgaben von je 10 000 Euro als "Peanuts". Faouzi interessierte darüber hinaus, wer beim geplanten Künstler-Dialog die Trägerschaft übernehme. Schwenke erklärte, dass die Gemeinde zunächst administrative Hilfe leisten wolle. Später sollten die Künstlerhäuser die Verantwortung übernehmen.
Initiator Hans v. Helldorff versprach den Politikern, bei den anstehenden Gesprächen mit namhaften Industriekonzernen und Förderstellen alles zu unternehmen, damit bei der Umsetzung der Kunst- und Filmbiennale, die für ihn eine Herzensangelegenheit sei, für die Gemeinde Worpswede so gut wie keine Kosten entstünden.


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