Ob sie jedoch begreifen, wovon da die Rede ist, darf bezweifelt werden. Diese Damen sind auf vier Beinen unterwegs, und dass sie eine gute Figur machen, das wollen vor allem diejenigen hören, die sie hier präsentieren. Rund 60 Stuten drehen nacheinander auf dem Vorführplatz der Tarmstedter Ausstellung ihre Runden. Für die Züchterinnen und Züchter im Pferdezuchtverband Zeven ist die Landwirtschaftsmesse eine willkommene Gelegenheit zu zeigen, was sie Vielversprechendes im Stall haben. Das gilt schon für die ganz jungen Pferdedamen.
Die Zweijährigen sind die ersten, die sich den taxierenden Herrenblicken stellen. Werner Schade, Zuchtleiter des Verbandes Hannoverscher Warmblutzüchter aus Verden, Hans-Henning von der Decken, Vorsitzender des Bezirksverbandes Stade, und Hans-Heinrich Brüning, Vorsitzendes des Bezirksverbandes Hannover, wissen genau, worauf es bei einer guten Zuchtstute ankommt.
Neben dem gelungenen Körperbau sollte ein solches Tier geschmeidige Bewegungen mitbringen. Alle 60 Stuten sollen also im Trab und Schritt zeigen, dass sie "leichtfüßig und ausdrucksstark", wie es im abschließenden Kommentar heißt, ihre Runden drehen können.
Schwungvoll ziehen sie an Publikum und Jury vorbei. Meistens jedenfalls. Hin und wieder zeigen die Damen auch bockig ihren Unwillen. Aber das sei in dem Alter noch erlaubt, sagt Burkhard Schröder milde, der durch das Programm führt. Er ist Experte, er muss es wissen. Die Zweijährigen lassen sich im Tarmstedter Ausstellungsrummel eben noch von flatternden Fahnen, bunten Luftballons und lauter Musik ein wenig aus dem Tritt bringen. Doch den guten Gesamteindruck trübt das nicht, loben die Richter, die in dieser ersten Gruppe schon viel versprechendes Zuchtmaterial wittern.
Danach gehen die Dreijährigen an den Start, gefolgt von den vier- bis sechsjährigen Stuten und den Pferdefamilien. Manche der Dreijährigen haben schon eine Stutenprüfung abgelegt, erklärt Stefan Blanken, Vorsitzender des Zevener Pferdezuchtvereins im Verband Hannoverscher Warmblutzüchter, der rund 200 Mitglieder zählt. Bei dieser Prüfung mussten die Stuten eine gute Figur im Freispringen und unter dem Sattel machen. Es zählt nicht nur der gute Körperbau. Wer erfolgreich züchten will, sollte sein Augenmerk auch auf Rittigkeit legen. Gehen diese dreijährigen Stuten in Tarmstedt mit einer 1a-Note aus dem Ring, ist ihnen die Anwartschaft auf eine Staatsprämie sicher. Die Pferde selbst lässt das vermutlich kalt. Ihre Besitzer wird es jedoch freuen. "Die Staatsprämie", sagt Blanken, "ist für die Vermarktung lukrativ."


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