Rotenburg. Kein Getriebe, keine Geräusche. Torsten Lühring war überrascht, als er den cremeweißen Elektrowagen das erste Mal startete und ihn einige Meter über einen Parkplatz lenkte. Das war in der vergangenen Woche in Hamburg. Kurz zuvor hatte Rotenburgs Erster Kreisrat den Schlüssel für das superleise Automatik-Fahrzeug in Empfang genommen. Und gleich gesehen: Im Inneren des Wagens ist ein Knopf für City-Fahrten und Landpartien und ein ungewohntes Display, das neben Tempo auch den Akkustand anzeigt. Draußen auf dem Auto prangt das Logo der Metropolregion Hamburg.
Reichweite nur 100 Kilometer
In 14 Kommunen des Verbundes sind 16 Elektroautos unterwegs - im Rahmen der Modellregion Elektromobilität Hamburg. "Wir als öffentliche Behörde sind in der Pflicht, neue Technologien auszuprobieren", begründet Lühring die Teilnahme des Landkreises Rotenburg an dem Feldversuch. Eines war Lühring allerdings schnell klar: Da das Auto allenfalls nur etwa 100 Kilometer zurücklegen könne, bis es wieder Strom tanken muss, sei es als Dienstfahrzeug für den Flächenlandkreis Rotenburg nicht ausreichend.
Lührings Kollege Joachim Knüppel, Energiemanager bei der Rotenburger Kreisbehörde, konnte den Wagen in den letzten Tagen in Rotenburgs Innenstadt, auf Landstraßen wie auf Bundesstraßen testen. Sein erstes Fazit: "Er ist absolut alltagstauglich." Ihm mache es Spaß, in der Stadt damit zu fahren. Allerdings, und das sieht auch er als großes Manko: die ungenügende Reichweite. Der Wagen schaffe nicht mal 100 Kilometer, sondern eher gut 60 Kilometer, dann sei der Akku leer. Vor allem dann, wenn ungeübte Elektroautofahrer am Steuer säßen, die nicht auf Sparsamkeit getrimmt seien. "Man muss das Fahren mit dem Elektrowagen lernen", sagt Behördenmitarbeiter Joachim Knüppel. Das heißt, den moderaten Umgang mit dem "Gas"-Pedal und das perfekte Ausrollen des Fahrzeugs.
Im "Citymodus" erreicht das Auto eine Geschwindigkeit von maximal 70 Stundenkilometern, im "Normal-Modus" maximal 95 bis 100 Stundenkilometer. Zum Aufladen reicht eine haushaltsübliche Steckdose. Die Ladezeit dauert sechs bis sieben Stunden, ein Zwischenladen von ein bis zwei Stunden sei aber möglich, erklärt Knüppel.
Jetzt will der Kreis Rotenburg Erfahrungen sammeln mit dem Elektromobil. Allerdings sei die Behörde weit entfernt davon, ihren ganzen Fuhrpark auf E-Autos umzustellen, sagt Lühring. Dafür sei die Technik noch nicht soweit. Der Landkreis wolle dazu beitragen, dass sie weiter ausreife. Eine nicht unwichtige Frage ist für Lühring, woher der Strom kommt. Elektromobile machten nur Sinn, so der Kreisrat, wenn ihr Strom aus regenerativen Energien stamme. "Da sind wir im Landkreis Rotenburg weit vorangeschritten, ein Großteil des Stroms kommt aus regenerativen Energien." Bei dem Auto handelt es sich um einen "new500E", den die Hamburger Firma Karabag entwickelte. Das Unternehmen bringt seit rund drei Jahren Elektrofahrzeuge auf die Straße. Alle 16 Elektroautos des Feldversuchs der Metropolregion Hamburg sind geleast. Der Anschaffungspreis sei doppelt so hoch wie bei einem serienmäßigen Fiat 500, so der Verbund. Jedoch verbrauche das Elektroauto im Stadtverkehr 13,2 Kilowattstunden pro 100
Kilometern. Ein Elektroauto fahre deshalb wesentlich günstiger als ein Benziner.



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