Tarmstedt. Was Florian, Simon und Jesko da vorführen, sieht ganz einfach aus: Der Roboter fährt geradeaus und soll am Ende erkennen, ob der Ball hell oder dunkel ist. Ist er hell, soll er den Ball vom Podest schubsen. Der Roboter fährt los - und beim ersten Anlauf am Podest vorbei. Im dritten Versuch klappt es, und die drei Siebtklässler sind glücklich. Fast den ganzen Nachmittag haben sie damit verbracht, den Roboter auf die Farberkennung zu programmieren und aus Legosteinen die erforderlichen Elemente zusammenzustecken. "Man muss eben probieren", erklärt Boris Heithecker. "In 19 von 20 Fällen funktioniert es eben nicht, und dann muss man etwas umprogrammieren und den nächsten Anlauf unternehmen."
Übergabe an die Jüngeren
Heithecker leitet die Arbeitsgemeinschaft "Mindstorm". Einmal in der Woche treffen sich etwa zwölf Jungen und Mädchen, um gemeinsam Roboter zu programmieren und zu konstruieren. Gerade hat ein Wechsel stattgefunden, die Zehntklässler übergeben ihre Konstruktionen, Schüler aus den Jahrgängen sechs bis acht übernehmen. Grund dafür ist der Regionalentscheid der First Lego League im November, denn für den gibt es eine Altersbeschränkung. Gestern Nachmittag haben die AG-Teilnehmer ihr Können vorgeführt, zu Gast waren Mine Erkurt und Mirko Peters von der Bremer Firma Ferchau Engineering. Ohne die beiden und die Uni Oldenburg hätte die AG wohl ein anderes Thema, vermutet Schulleiter Günter Moje. Denn Ferchau hat das Set mit zwei Robotern, der notwendigen Software und Steckteilen gesponsort.
Nicht ganz ohne Hintergedanken, erklärt Peters. "Wir sind darauf angewiesen, dass in Schulen früh der Grundstock für Technikaffinität und -begeisterung gelegt wird." Denn nur so könne man dem Fachkräftemangel begegnen, den inzwischen auch schon die Hochschulen und Unis bei den Fachbereichen Informatik und Elektrotechnik spüren, ergänzt Erkurt. Auf der Suche nach einem geeigneten Förderprojekt und durch Vermittlung der Uni in Oldenburg sei man auf die KGS in Tarmstedt gestoßen. "Robotik ist super geeignet, um das zu unterstützen", findet Erkurt.
Die dazugehörige Arbeitsgemeinschaft bietet Boris Heithecker im Rahmen der Hochbegabtenförderung an, sie steht aber allen offen, die Interesse haben - unabhängig vom Schulzweig. Hätte es das Set nicht gegeben, wäre die AG eine andere gewesen - schließlich kosten die Legoteile auf diesem Level viel Geld, das gesponsorte Set knapp 1000 Euro. Deswegen sind auch Simon, Jesko und Florian hier. Sie interessieren sich für die Roboter und lernen nun, dass für jede noch so kleine Aktion ein Programmierschritt notwendig ist. Sie besuchen die AG erst seit drei Wochen, sind sich aber sicher, dass sie sich das notwendige Know-How bis zum Regionalentscheid der Lego League aneignen können. Als nächstes, erklärt Jesko, möchten sie ein Auto bauen und programmieren.
Vor dem Wettbewerb haben sie und ihre Mitschüler dann acht Wochen Zeit, die Roboter für einen Parcours und bestimmte Aufgeben zu programmieren. Das Thema im vergangenen Jahr war Lebensmittelsicherheit, mit diesem Parcours wird derzeit geübt. Das Thema für den Herbst steht mit Lebensqualität von älteren Menschen auch schon fest. Bis dahin müssen sie aber noch konfigurieren, übertragen, testen. Dass die Kinder so bei der Sache sind, finden nicht nur die Pädagogen Moje, Heithecker und Eugen Kolodziej toll. Schließlich wird nicht nur am PC gesessen, sondern die Schüler müssen auch etwas bauen. Auch Erkurt freut sich: "Die Schüler lernen spielend."


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