Die beste Zutat zum am Wochenende im Cine City servierten „Filmsalat 9“ hat Florian Krautkrämer beigetragen. Der Absolvent der Braunschweiger Hochschule für Bildende Künste gewann mit seinem experimentellen Spielfilm „Beine brechen“ den mit 1000 Euro dotierten Hauptpreis des Verdener Kurzfilmfestivals, das das Kommunalkino (Koki) zum neunten Mal seit 1987 organisiert hatte.
Besonders gefreut haben über den ersten Preisträger wird sich Jury-Mitglied Heike Klippel, Professorin an der Hochschule in Braunschweig. Dort ist Krautkrämer im Anschluss an sein Studium (Film- und Medienwissenschaften) als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig und schreibt gerade seine Doktorarbeit.
Gemeinsam mit ihren Mitjuroren Harald inHülsen und André Feldhaus begründete Klippel die Entscheidung bei der gestrigen Preisverleihung im Cine City so: „Beine brechen ist ein herausragender experimenteller Spielfilm, der das nach wie vor aktuelle Thema der politischen Unentschiedenheit mit ästhetischen Anleihen an die zwanziger Jahre darstellt.
Gescheitert zwischen den Fronten
In Schwarz-Weiß-Bildern mit integrierten Texten erzählt der Film die Geschichte eines Protagonisten, der zwischen die Fronten eines repressiven Systems und einer Widerstandsbewegung gerät und scheitert. Der Film zeichnet sich aus durch eine innovative Gestaltung und seine differenzierte, eindrucksvolle Musik“, verlas André Feldhaus vor einem mehrheitlich aus jungen Filmleuten bestehenden Publikum.
Großen Anteil am Gelingen des beeindruckenden Kurzfilms hatte der für die Produktion und den Schnitt verantwortliche Sebastian Neubauer, der Regisseur und Drehbuchautor Florian Krautkrämer vertrat und das Preisgeld sowie den vom Koki neu kreierten Erinnerungspreis – ein Flachrelief des Vitalienbruders Klaus Störtebeker – entgegennahm. Bei der Verteilung der anderen zur Verfügung stehenden 2000 Euro differenzierte die Jury nicht und vergab drei gleichwertige Förderpreise in Höhe von jeweils rund 666 Euro.
Einen davon erhielt der Thriller „Nur eine Nacht“ von Matthias Krumrey, Student an der Kunsthochschule Kassel. Auch dieser Gewinner war nicht persönlich anwesend, hatte aber den Produktionsassistenten Nico Sommer nach Verden geschickt.
Preisgeld einbehalten
Auf ihr Geld verzichten müssen dagegen die beiden anderen Preisträger: Ruben Kempter (Satire „Backstage“) und Dave Lojek (Komödie „Flussaufwärts“) waren weder selbst erschienen noch wurden sie vertreten. „Die Anwesenheit eines Teammitglieds war von uns verpflichtend vorausgesetzt worden. Das Geld werden wir nun für einen guten Zweck spenden“, sagte Jutta Behning vom Festivalkomitee des Koki.
Gern in die Kamera strahlten dafür Philipp Scholz (27) und Florian Gregor (26) aus Hamburg, ein seit Teenagerzeiten unzertrennliches Team. Die beiden produzieren seit über zehn Jahren Kurzfilme und hatten ihre witzige Anti-Raucher-Komödie „Clint“ beim Verdener Wettbewerb eingereicht. Der knapp fünfminütige Streifen war Zuschauers Liebling und erhielt den Publikumspreis von 500 Euro. „Das ist bereits der 27. Preis, den wir für diesen Film erhalten“, verrieten Scholz und Gregor im Anschluss, freuten sich aber besonders, dass die Wahl dieses Mal vom Publikum getroffen wurde.
"Unglaublich viel Arbeit für wenig Resonanz"
Letzteres war allerdings während des gesamten Festivals überschaubar geblieben. Nur knapp 100 Liebhaber guter Leinwandproduktionen haben nach Auskunft des Koki die als Auftaktfilm am Freitag zweimal gezeigte Dokumentation „Faust II reloaded ´– Den lieb ich, der Unmögliches begehrt“ gesehen.
Nicht nur dem anwesenden Regisseur Eike Besuden, auch seinem hervorragenden Film über ein Theaterprojekt mit 400 Schülern der Bremer Gesamtschule in Osterholz-Tenever in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen wäre ein voller Kinosaal zu wünschen gewesen.
Die Zahl der zahlenden Gäste blieb während des Kurzfilm-Marathons am Sonnabend ebenfalls klein. „Unglaublich viel Aufwand und Arbeit für wenig Resonanz“, resümierte Jürgen Menzel, Pressesprecher des Koki gestern. Eine kleine Besucherschar sind die Cineasten bei den Filmsalaten allerdings gewohnt, da es zum einen für das spezielle Genre in der Region zu wenig Interessierte gibt und es zum anderen für eine größere, überregionale Bewerbung an finanziellen Mitteln mangelt. Juror Harald inHülsen aus Hannover, der als künstlerischer Direktor des internationalen Nachwuchswettbewerbes „up-and-coming“ ganz andere Dimensionen gewohnt ist, sprach allerdings ein großes Lob aus. „Diese Wettbewerbe sind für die jungen Filmer ungeheuer wichtig. Verden kann wirklich stolz darauf sein, dass es ein Kommunalkino hat und sich Filmfreunde hier ehrenamtlich derart engagieren“, sagte er.
Dazu gehörte zum Abschluss nach fast einjähriger Vorbereitung und dreitägigem Festival dann auch das Aufräumen des Koki-Büros, in dem in der Nacht zuvor bis weit nach Mitternacht nach den Preisträgern des „Filmsalat 9“ gesucht worden war.





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