Rajkovic geht indes davon aus, dass das Duell der punktgleichen Spitzenteams letzlich doch mit einem Achimer Erfolg endet. "Sie haben das bessere Torverhältnis, und sie werden keine weiteren Fehler mehr begehen", so die Überzeugung des in der vergangenen Saison noch für den Frauen-Zweitligisten TV Oyten tätigen Trainers serbischer Herkunft.
Er sagt dies alles gewiss nicht, um den Rivalen in Sicherheit zu wiegen. Das besorgten die Achimer in den vergangenen Wochen schon selber, indem sie nur noch von der dritten Liga schwadronierten und dabei geflissentlich übersahen, dass der ehedem komfortable Vorsprung auf nur zwei Punkte zusammengeschmolzen war.
Nach der 36:41-Niederlage in Nordhorn sind es null Punkte und nur noch 40 Tore, die Achim/Baden vor den Bremervördern liegt. Dabei hatte der Spitzenreiter schon darauf spekuliert, in Nordhorn sein Meisterstück machen zu können. Bei einem Sieg in der Grafschaft Bentheim und einer gleichzeitigen Niederlage des TSV bei der schweren Aufgabe in Neerstedt wäre der Titelkampf entschieden gewesen.
Doch es kam alles anders als erwartet. Bremervörde gewann mit 28:25. "Der Neerstedter Torwart hat nach der Pause ganz stark gehalten und unsere größten Chancen vereitelt, doch ansonsten haben wir eine unserer besten Abwehrleistungen geboten. Ich hatte nie das Gefühl, dass wir die Partie verlieren könnten", stellte Rajkovic zufrieden fest.
Bei Achim/Baden ist der Hochmut vor den abschließenden Spielen bei der SV Grambke-Oslebshausen und gegen die HSG Varel II einer gesteigerten Nervosität gewichen. "Wir müssen jetzt die Ruhe bewahren und in dieser Woche konzentriert auf die beiden letzten Spiele hinarbeiten", mahnte der Achimer Rückraumspieler Tobias Freese an. Er pflichtete seinem Trainer Irek Faciejew bei, der nach der Schlappe in Nordhorn von einer der schlechtesten Saisonleistungen gesprochen hatte. Freese: "Vor allem in der Abwehr war das in jeder Hinsicht zu wenig." Die Gründe fürs kollektive Versagen sah er in der mehrwöchigen Spielpause, die der Reise ins Emsland vorausging und die Mannschaft aus dem Rhythmus gebracht habe, ferner in der langen Anfahrt, aber auch in dem eigenen Anspruchsdenken. Man hat den zweiten Schritt vor dem ersten gehen wollen und nach Neerstedt geschaut, in der Erwartung vorzeitig Meister werden zu können.
Der derzeit in Nienburg studierende angehende Polizist ist dem Nordhorner Missgeschick zum Trotz fest vom Achimer Titelgewinn überzeugt. Die Frage, ob er in der kommenden Saison auch in der Oberliga für die SG antreten würde, ist für ihn daher eine rein hypothetische. "Ich bin sicher, dass wir das noch irgendwie gedeichselt kriegen", gibt sich Freese zuversichtlich, wobei er auf Nachrichten aus Bremervörde, der TSV würde als Meister auf den Aufstieg verzichten, wenig zu geben bereit ist. "Wir sollten uns jetzt wirklich ganz auf uns und unsere Aufgaben konzentrieren."
Mit 180 Treffern zweitbester Shooter
Der aus Weitzmühlen stammende und inzwischen in Daverden wohnende Freese hat am vergangenen Wochenende in Nordhorn das Kunststück fertig gebracht, 19 Tore zu werfen (fünf davon durch Siebenmeter). Besonders freuen konnte er sich darüber allerdings nicht. "Ich hätte lieber nur fünf geworfen, wenn wir dann wenigstens gewonnen hätten."
Außerdem war er mit seiner eigenen Abwehrleistung nicht zufrieden und mit seiner Siebenmeter-Ausbeute auch nicht. "Ich habe noch zwei Strafwürfe vergeben, einen davon leider in der entscheidenden Phase!"
Freese liegt mit nun 180 Treffern auf Platz zwei in der Oberliga-Torschützenliste, deutlich zurück hinter dem Bremervörder Adnan Salkic (222) und knapp vor dem Cloppenburger Jürgen Erdmann (171). "Handballer, und da besonders wir Rückraumspieler werden natürlich an Toren gemessen, und man will sich ja auch verbessern", verrät Freese, dass er schon hin und wieder einen Blick in die Statistiken wirft. Doch Ambitionen, die Torjäger-Kanone zu gewinnen, habe er nie ersthaft gehegt.
Für ihn steht der Erfolg der Mannschaft klar über den Einzelinteressen der Spieler. Und Erfolg möchte er auch in der kommenden Saison haben, trotz deutlich höherer Anforderungen, denen sich die SG in der 3. Liga stellen müsste. "Wir müssen dieses Experiment mit Vorsicht angehen, um nicht von vornherein gegen den Abstieg zu kämpfen", warnt Freese. Und auch Sascha Rajkovic, der mit Bremervörde in dieser Saison beide Spiele gegen die SG gewinnen konnte, empfiehlt dem alten Rivalen, sich noch mit "mindestens einem Spieler, besser aber mit gleich zwei guten Leuten" zu verstärken.


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