Eine Tatsache, die auch Branchenvertreter zu würdigen wissen. Angelika Busch, Geschäftsführerin des Bezirks Niedersachsen-Bremen innerhalb des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, war anlässlich der offiziellen Festveranstaltung in den Buthmanns Hof gekommen. Sie brauchte nur wenige treffende Worte, um den Charakter des Verlages einfühlsam zu beschreiben, wie überhaupt alle Gäste und Künstler dieser stimmigen Veranstaltung einen Ton fanden, der Offizielles mit dem Geist einer intimen, von Verbundenheit getragenen Geburtstagsfeier verband. Der Ziehvater des Geburtstagskindes Atelier im Bauernhaus, Wolf-Dietmar Stock, hatte zudem die Gratulanten mit einem Redezeitkorsett von fünf Minuten versehen.
Komprimierte, konzentrierte Worte
Eine Maßnahme, die Schule machen sollte. Selten hat man so konzentrierte Worte gehört, die komprimiert den jeweiligen Kern des Glückwunschgedankens trafen und dem Publikum Gelegenheit gaben, sie im Gedächtnis festzuhalten: "Es gibt ältere Verlage, aber darunter ist wohl kaum ein weiteres Biotop wie dieses hier zu finden, das so sehr ohne öffentliche Oberflächenpflege auskommt," formulierte Angelika Busch und an Wolf-Dietmar Stock gewandt: "Es gibt keine Altersbegrenzung für Verleger, machen Sie weiter so. Nicht der Zeitgeist, sondern der Geist ist gefragt."Den hohen abendlichen Unterhaltungswert förderte auch der Geschäftsführer der IHK Stade, Jochen Werwath: "Maxim Gorki hat einmal gesagt, die Schriftsteller bauen die Traumschlösser, die Leser wohnen darin und die Verleger kassieren die Miete." Das ist lustig und im Prinzip auch wahr. Aber natürlich weiß auch Jochen Werwath, wie schwierig es ist, in Buchhandelszeiten, in denen selbst die Thalia-Kette nur ein
Puzzlestückchen innerhalb der Douglas-Holding ist, als Kleinverleger die nötige Miete fürs wirtschaftliche Überleben einzufahren. Handfestes hatte neben den besten Wünschen denn auch Bürgermeister Horst Hofmann als Geschenk zu überbringen. Mit den Umbauarbeiten der Stiftung Heimathaus Irmintraut im Buthmanns Hof wird ein Raum als Büro für den Kunstverein Fischerhude hergerichtet. Bisher hatte dessen Vorsitzender Wolf-Dietmar Stock einen Raum innerhalb des Verlagsgebäudes dafür zur Verfügung gestellt. Auch das eine Anerkennung für Stock, ohne dessen jahrzehntelanges Engagement für die Fischerhuder Künstler Namen wie die Bertha Schillings, Emma Eiblers und etlicher anderer heute womöglich nicht mehr bedeuteten als private Erinnerungen einiger weniger.
Jochen Bölsche, Vorsitzender der Osteland AG, überbrachte Glückwünsche von Fluss zu Fluss. Wolf-Dietmar Stock, ein Fan von Wümme und Oste gleichermaßen, habe, so Bölsche, mit seinen Buchprojekten über Land und Leute enorm viel für die Osteregion geleistet. Neben Christian Rüthing am Klavier sorgte insbesondere das kabarettistische Damen-Duo "Hin und Weg" aus dem Gnarrenburger Moor für bleibende Eindrücke. Hin und weg war denn wohl nicht nur der Verlagsgründer vom Charme, der Musikalität und dem Wortwitz von Mackie Zint und Brigitte Borchers, die den gesamten ersten Teil ihres Auftritts mit geradezu anrührender Anteilnahme auf den Anlass der Feier zugeschnitten hatten. Natürlich kam die Kuh Bertha darin vor, genauso wie der erste Buchtitel des Verlages über Butjadingen. Gedankenspiele über allerlei Getier wie Bücherwurm und Leseratte bis hin zur planmäßig kabarettistischen Feststellung: "Frauen verlegen Handtaschen und Männer Bücher."
Reminiszenzen und Eindrücke aus der Verlagsgeschichte des Atelier im Bauernhaus vermittelt bis zum 15. Juli eine Ausstellung in den Räumen der Fischerhuder Galerie und Dorfbuchhandlung.


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