"Das ist ein großer Erfolg für den Naturschutz", sagt Helmut Blohm, Vorsitzender des Fischereivereins Fischerhude. Die Angler, die den fünf Zentimeter großen Junglachs gefangen hatten, fotografierten den seltenen Fund anschließend in einem Aquarium, ehe sie ihn wieder in die Freiheit entließen, damit der Fisch in der Wümme weiter wachsen und gedeihen kann.
"Dieser Nachweis ist nicht nur eine kleine Sensation, sondern auch ein Erfolg für den langen Atem, den die Angelsportler, der Wümmewasserverband, der Landkreis und das Niedersächsische Ministerium für Umwelt und Klimaschutz in der Gewässerrenaturierung und beim Fischbesatz an den Tag gelegt haben", bestätigt Heiner Harting vom Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Verden.
Seit 1982 hatten die Angelvereine an der Wümme versucht, Lachs und Meerforelle wieder im Fluss anzusiedeln. Flankiert wurde dieser sogenannte Initialbesatz durch Maßnahmen, die eine Durchgängigkeit des Gewässers für diese Wanderfische und andere Lebewesen gewährleisten: "So wurden unter anderem hohe Wehranlagen durch naturnahe Sohlgleiten aus Stein-Kies-Schüttungen ersetzt, die nicht nur die Wanderungen der Fische erlauben, sondern auch äußerst vielfältige Lebensräume und wertvolle Kinderstuben für zahlreiche Fischarten bilden", ergänzt Ralf Gerken, der sich besonders stark für die Wiederansiedlung dieser Fischarten einsetzte und dem auch der Nachweis des Lachses gelang.
Vor allem an der oberen Wümme und ihren Nebenflüssen errichteten die Beteiligten zahlreiche Kiesschwellen, von denen insbesondere die Meerforellen bei der Eiablage profitierten, sodass die Bestände dieses Fisches sich bald positiv entwickelten. Beim Lachs schienen die Bemühungen erfolglos zu bleiben, sodass die Angler den Besatz im Jahr 2005 einstellten.
"Vermutet wurde, dass hohe Sandeinträge die auf kiesigem Grund abgelegten Eier überdecken und zum Absterben bringen würden. Umso größer war die Überraschung der Beteiligten nach der Kontrollbefischung, dass sich offenbar doch ein kleiner Lachsstamm in der Wümme etabliert haben musste", beschreibt Kurt Brammer, Gewässerwart des Fischereivereins Fischerhude, den Fund des jungen Lachses. Als dritte gefährdete Fischart profitiert auch das bis zu einem Meter lange Meerneunauge von den Renaturierungmaßnahmen an der Wümme. Im Wümme-Nord- und Mittelarm haben sie sich inzwischen wieder in solcher Zahl angesiedelt, dass das Dezernat für Binnenfischerei in Hannover diesem Gewässer eine herausragende Bedeutung beim Schutz dieser Art bescheinigte.
Die Renaturierung im Bereich der Fischerhuder Wümmewiesen läuft seit knapp 20 Jahren und ist im Sinne des Naturschutzes offensichtlich erfolgreich. Neben dem Lachs wurde in diesem Jahr auch der Biber wieder gesichtet, der etliche Baumstämme am Wümmeufer angenagt hatte. Weiter fanden Naturschützer verstärkt Spuren des scheuen Otters, der hier, wie berichtet, wieder heimisch zu werden scheint.
Durch das Naturschutzgebiet wurde der negative Entwicklungstrend für Pflanzen- und Tierarten in den Wümmewiesen nicht nur gestoppt, sondern hier konnten sich auch bestimmte Artengruppen deutlich positiv entwickeln. Das betont die Naturschutzbehörde in Verden, die das Projekt federführend im Auftrage des Bundesumweltministeriums begleitet hat. Darüber hinaus sei auch für die Bevölkerung ein Naherholungsziel entstanden, das von Fahrradtouristen, Reitern und Kanuten auf naturverträgliche Weise genutzt werden könne.
Alle vorher festgesetzten Projektziele, wie beispielsweise die Wiederherstellung eines naturnahen Wasserhaushalts, die Ausdehnung der Überschwemmungen, die Entwicklung von Erlenbrüchen oder Röhrichten seien erreicht worden, teilt die Kreisverwaltung mit. Insgesamt sind seit 1994 mit Hilfe von Bundesmitteln mehr als 40 biotopschaffende und biotoplenkende Vorhaben umgesetzt worden.


Regenwahrscheinlichkeit: