Die Biker wollen den Menschen (mit und ohne Behinderung) an diesem Abend die Möglichkeit geben, "sich zu trauen, das Leben zu leben, Verantwortung zu übernehmen und das Gute zu genießen", fasst Rotermund zusammen. Sie hatte vor neun Jahren den Anstoß zur Gründung des Vereins gegeben und ist auch dessen Vorsitzende. "Unsere Idee war damals, gemeinsam etwas mit behinderten Menschen zu tun." Dass behinderte Menschen ebenso fasziniert sein können von Motorrädern und damit Freiheit und Abenteuer verbinden, "damit können Normalos schlecht umgehen", ist eine Erfahrung der Vereinsvorsitzenden. Weil Wünsche und Bedürfnisse gleich sind, "brauchen wir eigentlich keine Extra-Geschichte", wirbt Rotermund für die Veranstaltung.
Die Erfahrungen vom vergangenen Jahr, wo die Motorrad-Disco im Kasch Premiere hatte, belegt diese Einschätzung. "Auf den ersten Blick geht das nicht zusammen, Behinderte und Motorradfahren", formuliert Heiko Bergmann, pädagogischer Leiter bei WaBe, die landläufige Meinung. Aber "das Überbehütete ist gar nicht so gut", so Bergmann. Besser sei: einfach machen. Die nach der kleinen Stadtrundfahrt Glück ausstrahlenden Gesichter der Beifahrer im vergangenen Jahr hätten gezeigt, dass WaBe mit dem Motorrad-Event die richtige Entscheidung getroffen habe.
Um 19 Uhr am kommenden Sonnabend trifft der Biker-Club mit etwa zehn Maschinen in Achim ein. Helme und Jacken bringen die Clubmitglieder mit. Zwei Stunden lang bieten sie dann Touren durch die Stadt an: entweder als Sozius auf dem Platz hinter dem Fahrer oder im Beiwagen. Erfahrungsgemäß bildet sich eine längere Warteschlange. Aber, auch das hätte sich im vergangenen Jahr gezeigt, das sei kein großes Problem. Wer mitfahren will muss eben auch Geduld mitbringen.
Für die Musik an diesem Abend sorgt DJ Maik Meyer ("Ich mach' hier die Musik"). Schon seit Tagen ist er dabei, die richtige Auswahl zu treffen und sich auf die möglichen Wünsche der Partygäste vorzubereiten. Nicht Volksmusik und Schlager werden an diesem Abend gefragt sein, sondern eher harter Gitarrenrock beispielsweise von AC/DC, den Ärzten und Bon Jovi.
Heiko Bergmann und sein Kollege Mirco Malke wollen sich weitgehend aus der Vorbereitung und Organisation des Abends raushalten. Dafür gibt es eine Gruppe von Helfern, die sich unter anderem um die Beleuchtung und die passende Saal-Dekoration kümmert, die Gardorobe betreut und leere Gläser einsammelt. Die Bewirtung der Party-Gäste liegt in Händen der Kasch-Gastronomie.
Wie im vergangenen Jahr wird auch Air-brush-Künstler Oliver Schröder ins Kasch kommen und Tattoos auf Beine, Arme und andere Körperteile sprühen.
Obwohl kein offizielles Ende der Party festgelegt wurde, werden gegen 23 Uhr vermutlich die ersten Gäste das Fest verlassen. Es sei für viele Behinderte, die in einer strengen Tagesstruktur lebten, schwer, sich auf die Freiheit eines offenen Abends einzulassen, vermutet Bergmann.
"Wir inkludieren, wir machen etwas gemeinsam", streicht Silke Rotermund den Charakter der Rockparty heraus. 90 Fahrer aus ganz Norddeutschland gehören ihrem Verein an. Ganz unterschiedliche Menschen mit ganz unterschiedlichen Motorrädern. Rotermund beispielsweise fährt eine 30 Jahre alte 1000er BMW mit Beiwagen.
"Wir wünschen uns", formulierte Heiko Bergmann das Ziel, "dass noch weitere Motorradfahrer kommen" und eventuell auch Mitfahrgelegenheiten bieten. Die Party, so hoffen die Macher von WaBe und Crazy Run, soll sich in ein paar Jahren zu einer bekannten Institution in Achim, zu einer Party für alle entwickelt haben.
Crazy Run bietet unterschiedliche Aktivitäten mit Menschen mit Behinderungen an. Mit WaBe möchten die Biker auch in Zukunft zusammenarbeiten. "Uns gefallen die unkonventionelle Art und die Zusammenarbeit auf Augenhöhe", lobt Malke.


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