"Hoffentlich wissen Sie nach der Podiumsdiskussion, wen Sie wählen sollen", wünschte sich Pemüller für die über 100 anwesenden Behinderten. Ihnen solle die Politik auf verständlichem Wege nahegebracht werden. Zwei Dolmetscherinnen übersetzten alles Gesprochene in Gebärdensprache, und eine Zeichnerin malte zusätzlich auf einem Beamer Bilder zu den aktuellen Themen.
Organisiert wurde die Diskussion von der Stiftung Waldheim Cluvenhagen, der Stiftung Leben und Arbeiten Parzival-Hof, der Tragenden Gemeinschaft Schafwinkel, der Lebenshilfe Rotenburg/Verden und der Offenen Hilfen der Lebenshilfe im Landkreis Verden und der Kreisverwaltung. Die Moderation des Abends übernahmen Kathleen Olböter und Anja Kracke von der Lebenshilfe.
Viele Fragen zur Umweltpolitik
Wegen der anstehenden Kommunalwahlen sollten die Behinderten sich mit den Politikern auseinandersetzen. "Sie müssen Ihre Interessen vertreten", sagte Doris Pemüller, bevor sich die fünf Diskussionsteilnehmer vorstellten. Name, Wohnort, Alter, Familienstand und Kinderanzahl verrieten sie den Anwesenden. Auch wovor sie Angst haben, wollten die Behinderten wissen. Peter Bohlmann fürchtet sich, dass einem Familienmitglied etwas zustoßen könnte - das konnte das Publikum wohl nachfühlen, denn es applaudierte laut. Bei Antworten wie 62 Jahre von Hogrefe und fünf Kinder von Baumgartner hörte man oft ein erstauntes "Boah".
"Wie können wir weniger Energie verbrauchen?", war die erste Frage, als Kathleen Olböter mit einem Mikrofon durch das Publikum ging. Alle Vertreter der Parteien antworteten mit alltäglichen Tipps: Licht ausmachen, Standby-Modus ausschalten, Wärmedämmung für Häuser. Wilhelm Hogrefe schlug den Wohnheimen vor, vielleicht auch mit der endlichen Ressource Holz zu heizen. Für Energie, Ökostrom, Umweltschutz und Müllentsorgung interessierten sich die Behinderten besonders. Ihnen sei es wichtig, die Wälder zu erhalten und Querungshilfen an Autobahnen zu errichten. "Das Kreishaus versorgt sich nur mit Ökostrom", sagte Bohlmann. Im ganzen Landkreis Verden werde schon sehr viel Strom über Wind- und Solarenergie hergestellt.
Ein weiteres wichtiges Thema: Das Budget, das den Behinderten zur Verfügung steht. "Ich habe zu wenig Geld, um Ausflüge zu machen", beklagten sich viele. Wegen der vielen Ausgaben für Medikamente bliebe für Freizeitangebote zu wenig übrig.
Bei diesem Thema mussten die Politiker auf die Bundesregierung verweisen, denn sie haben auf Kreisebene keinen Einfluss auf die Gelder für Behinderte. Das enttäuschte das Publikum. Wilhelm Hogrefe hatte aber einen Vorschlag für einen Ausflug: Wenn Behindertengruppen sich an Bundestagabgeordnete wenden, können sie kostenlos nach Berlin reisen. Die Idee gefiel den Anwesenden gut.
"Warum kann ich keinen Führerschein machen?", fragte ein Jugendlicher. Die Politiker entgegneten, dass erstmal geklärt werden müsse, welcher Grad von Behinderung besteht. Hogrefe: "Ich bin auch behindert - ich habe Wirbelsäulenprobleme." Aber er dürfe Auto fahren, deshalb müsse man das an individuellen Beispielen klären.
"Die Politik sollte für die Behinderten greifbar werden", erklärte Moderatorin Anja Kracke. In Heimen und schulischen Einrichtungen bereiteten sie auf die Kommunalwahlen vor und wünschten sich eine hohe Beteiligung.


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