Nur einer wollte da nicht mitspielen. Harald Koch ergriff in der Bürgerfragestunde das Wort und lederte was das Zeug hält gegen die Gremien der Aller-Weser-Klinik. Dort hinein gehörten unabhängige Experten. Dass der Aufsichtsrat Millionenschulden anhäufe und das noch dazu hinter verschlossenen Türen, sei ein Skandal. Die Bevölkerung habe ein Recht darauf, zu erfahren, was mit ihrem (Steuer-)Geld gemacht werde. Und niemand solle auf Unterstützung aus Verden hoffen. "In Verden wird in erster Linie an Verden gedacht", sah Koch die Gefahr, dass der Krankenhausstandort Achim "unter die Räder kommt".
Seine Klage beendete er mit zwei konkreten Fragen: "Ist der Stadtrat bereit für die Berufung unabhängiger Experten in die Gremien der Aller-Weser-Klinik?" und "Kann sich der Stadtrat vorstellen, die Weiterführung der Klinik in Achim in private Hände zu geben?"
Die Antwort auf diese Fragen gab nicht der Stadtrat, sondern dessen Vorsitzender, Hans-Jürgen Wächter, der zusammen mit Bürgermeister Uwe Kellner als Vertreter der Stadt Achim Sitz und Stimme im Aufsichtsrat der Aller-Weser-Klinik hat. Im Stadtrat seien sich alle einig, sich für den Erhalt der Klinik in Achim einzusetzen, erklärte Wächter. Mit der Aufnahme externer Experten habe man sich noch nicht befasst, weil es hierzu keinen offiziellen Antrag gäbe. Gleiches gelte für die Frage, die Klinik in private Hände zu geben. "Bisher haben wir aber alles getan, um genau das zu vermeiden." Es sei wichtig für die Stadt, auch weiterhin Einflussmöglichkeiten zu behalten.
Den Vorwurf der Geheimniskrämerei wies Wächter zurück. "Geheim gehalten wird hier gar nichts!" Mindestens der Stadtrat werde regelmäßig darüber informiert, wie es um die Klinik gestellt ist. Auch die von Koch angedeutete fehlende Kompetenz im Aufsichtsrat wollte er nicht gelten lassen. Mit Wirtschaftsfachleuten, Ärzten sowie Vertretern aus Politik und Verwaltung gäbe es ein breites Spektrum an Kompetenz in dem Gremium, betonte Wächter und deutete an, dass aus Koch weniger der engagierte Bürger als vielmehr der FDP-Politiker spreche.
Koch fand diese Antwort unbefriedigend. Hier sei keinerlei Bereitschaft erkennbar, wenigstens darüber nachzudenken, ob es nicht auch anders ginge. Dabei seien neue Denkweisen gefordert. Und dies ginge nur mit neuen Köpfen. "Wenn wir so weiterwurschteln, fahren wie den Karren vor die Wand."
Was wiederum Michael Schröter als unfair bezeichnete. Koch solle sich lieber an die eigene Partei wenden, empfahl der Ratsherr der Grünen mit Blick auf die Gesundheitspolitik in Berlin und darauf, dass es die FDP sei, die "ein gewaltiges Interesse an mehr privaten als öffentlichen Krankenhäusern hat".


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