Verden. Sturmtief "Andrea" bescherte der Anlage, an der bis zum Jahresende und selbst an den Feiertagen mit Hochdruck gearbeitet worden war, gleich einen "Stresstest"(Fehling). Rund 20 Feuerwehren im Landkreis waren gerade zu etwa 50 Einsätzen gerufen worden, als Landrat Peter Bohlmann in der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle den ersten digitalen Funkspruch an den ebenfalls neuen Einsatzleitwagen 2 der Kreisfeuerwehr absetzte.
Nicht nur zahlreiche Vertreter der Feuerwehren verfolgten den Übergang vom analogen ins digitale Zeitalter. Unter den Gästen auch Erster Polizeihauptkommissar Günter Voß, der die Projektgruppe Digitalfunk Niedersachsen leitet, Regierungsdirektor Jürgen Grüll von der Polizeidirektion Oldenburg und Regierungsbrandmeister Hans Graulich aus Cuxhaven.
Die Verdener Rettungsleitstelle besteht seit dem 2. Januar 1979. In diesen 33 Jahren sind über sie 381000 Einsätze ausgelöst worden. Im zurückliegenden Jahr waren es 25000, davon 956 für die Feuerwehren.
Die analoge Verständigung, die für eine Weile noch parallel weiterlaufen wird, birgt viele Tücken. Weil Harburg, Delmenhorst und die Region auf derselben Frequenz unterwegs sind wie Verden, "haben die bei einsatzträchtigen Wetterlagen immer mal wieder in unseren Funk reingehauen", so Fehling. Mitunter habe er dann das Gefühl gehabt, der Harburger Einsatzleiter sitze direkt neben ihm im Fahrzeug, während die eigenen Leute nur schwer zu verstehen waren. Diese Überschneidungen hätten mitunter für Irritationen gesorgt. "Damit ist es endlich vorbei", freut sich der Kreisbrandmeister. Weil digitale Signale zudem viel effizienter übertragen würden, gewinne man Zeit für die Übermittlung anderer Daten - zum Beispiel Informationen über Gefahrstoffe bei laufenden Einsätzen. Auch könnten Rettungswagen künftig bereits während des Transports Patientendaten an das Krankenhaus schicken. "Die wissen dann schon, was auf sie zukommt und verlieren keine wertvolle Zeit", erklärt Fehling die neuen
Möglichkeiten.
Noch läuft allerdings die Testphase. "Das Nötigste funktioniert", sagt der Kreisbrandmeister. Der Probebetrieb zeige, dass "ein paar mehr features wünschenswert wären". Da gebe es von einigen Stellen augenblicklich noch Sicherheitsbedenken. In die Kommunikation per Digitalfunk sind neben Feuerwehr und Rettungsdienst auch Polizei, Katastrophenschutz sowie andere Behörden und Organisationen eingebunden, die für die Sicherheit zu sorgen haben. Die behördenübergreifende Kommunikation ermögliche neue Formen der Zusammenarbeit und biete erhebliche Vorteile bei der Einsatzorganisation und -steuerung, erklärte Landrat Bohlmann.
Bis zum Abschluss des Digitalfunk-Projekts nimmt die Verdener Rettungsleitstelle am erweiterten Probebetrieb in Niedersachsen teil. Die gesamte Umrüstung aller Einsatzfahrzeuge von Rettungsdienst, DRK, Johanniter Unfall-Hilfe, DLRG und Feuerwehr soll bis Ende dieses Jahres erfolgt sein. Das bedeutet dann das endgültige Aus für den Analogfunk, der eine Vernetzung nicht erlaubt. Weil jedes digitale Gerät über eine individuelle Adresse verfügt, können auch Einzelgespräche geführt werden, ohne dass andere mithören. Außerdem ist es möglich, bei einer Überlastung des Netzes in Untergruppen zu kommunizieren.
In die Leitstellentechnik sind insgesamt 560000 Euro investiert worden.




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