Achim. "Tiere sind authentisch, sie sind ehrlich, sie schaffen Vertrauen." Das hat Katja Reinken schon oft erlebt. Beispielsweise bei einer Frau, die schlechte Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht hat und deshalb mit ihren Mitbewohnern im Heim nicht gut auskommt. Aber, sobald der Hund im Haus war, wurde sie freundlich und hörte auf zu schimpfen, beschreibt Katja Reinken die Reaktion der Seniorin. Und über den Hund habe auch sie, die Therapeutin, Zugang zu der Frau gefunden.
Die üblichen Schmerzen bei der Bewegungstherapie für den Arm sind vielleicht vergessen, wenn die Bewegung mit dem Streicheln eines Hundes oder einer Katze einhergeht. Hündin Angel half einer Frau, die nach einem Schlaganfall zeitweise Schwierigkeiten hatte, die richtigen Worte zu finden: Angel hört geduldig zu, lässt sich gerne ausgiebig streicheln und motiviert so zum Sprechen. "Ich habe auch schon eine Sterbebegleitung mit dem Hund gemacht", schildert Reinken den Fall eines Menschen, dem der Hund geholfen hat, seine Angst vor dem Loslassen zu überwinden.
Katja Reinken, die im Achimer Ortsteil Borstel ihren Betrieb Felicitas ("In tierischer Gesellschaft Zeit lebendig gestalten") betreibt, hat diverse vierbeinige Mitarbeiter. Mehrere Katzen und drei Hunde. Alicia, der Windhundmischling, ist in seinen Bewegungen langsam und ruhig, wirkt deshalb auch beruhigend auf Menschen. Angel hat ein schwarzes Fell und ist total verschmust. O'Neal, der Jüngste des Trios, ist eindeutig der Lebhafteste und hat noch nicht hundertprozentig gelernt, sich zurückzuhalten und sich geduldig streicheln zu lassen.
Für die Arbeits- und Beschäftigungstherapeutin Katja Reinken sind die Tiere auch Türöffner. Sie gewinnen schnell das Vertrauen von Menschen, wenn sie nicht zu laut und zu aufdringlich sind. Überwiegend arbeitet Reinken mit Senioren sowie mit Erwachsenen mit Handicap, die oft zurückgezogen leben und allein sind. Für sie ist der Kontakt zu Tieren ausgesprochen positiv, weil sich Hund, Katze oder Pferd kein differenziertes Bild von Menschen machen.
Derzeit ist die Borsteler Ergotherapeutin mit ihren Tieren regelmäßig in zwei Seniorenheimen in Syke und in Achim zu Gast, womit sie im Trend liegt. Ein paar Stunden reichen dann, sowohl für Reinken als auch für ihre Hunde. In Syke geht sie mit den Tieren drei Stunden lang durch die Zimmer und fügt noch eine Stunde im Gemeinschaftsraum an, in Achim ist sie 90 Minuten im Haus. Am vergangenen Mittwoch hatte Reinken neben den Hunden Alicia und Angel erstmals auch zwei Katzen mitgebracht, Jeanny und deren zwölf Wochen alten Sohn, genannt Bärchen.
Auch der Achimer Verein GmS (Gemeinsam mit Senioren) bietet Tierbesuche in Altenheimen an. Emil Gitz vom Vorstand des Vereins, der sich der freiwilligen Pflege von Senioren zu Hause, im Krankenhaus oder im Pflegeheim verschrieben hat, berichtet von ausgesprochen positiven Erlebnissen. Die Heimbewohner würden die Gäste mit ihren Hunden freudig begrüßen und könnten es kaum abwarten, die Tiere zu streicheln.
Tiere sorgen für Bewegung
Das Engagement des Vereins "finde ich gut", so Katja Reinken, die darin keinerlei Konkurrenz sieht. Dass die tiergestützte Therapie eine wertvolle Hilfe ist, sei nichts Neues, so der 35-jährige Patrick Seikert. Vor allem bei Demenzkranken, zu denen man vorrangig Kontakt über die Gefühlsschiene bekomme, seien Tiere gut einsetzbar. Vor allem bei bettlägrigen Menschen, die nur noch eingeschränkt mobil sind, "kann man wahnsinnig viel erreichen", so der Heimleiter, "der Hund ist dann das Highlight."
Je nachdem, welcher Hund eingesetzt wird, kann das Tier den Menschen beruhigen oder auch aktivieren. In Einrichtungen der Mediko-Gruppe, zu der neben der Paulsberg-Residenz eine Reihe weiterer Alten- und Pflegeheime gehört, seien Haustiere willkommen. Einzige Voraussetzung: Der Senior kann sich selbst um das Tier kümmern. Er habe längere Zeit in einem 105-Bettenhaus in Cuxhaven gearbeitet, erzählt Seikert, dort lebten auch vier Hunde. "Was sollte dagegen sprechen", so der kommissarische Heimleiter, der davon überzeugt ist, dass eine zwangsweise Trennung von Tier und Mensch beim Umzug in ein Heim lebensverkürzende Auswirkungen haben dürfte.
Die vier Hunde im Cuxhavener Haus hätten nicht nur ihren Herrchen und Frauchen gutgetan, sondern viele weitere Heimbewohner mobilisiert, die bisher eher antriebsschwach waren. War es den Tierbesitzern nicht möglich, hätten sich andere Senioren um die Hunde gekümmert.
Am Sonntag, 19. März, öffnet sich die Seniorenresidenz Am Paulsberg bei einem Tag der offenen Tür. Katja Reinken wird dann für ein paar Stunden mit ihren tierischen Mitarbeitern dabei sein.



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