"Alle haben gesagt: "Strüver, du hast einen an der Waffel!?", berichtet Heiko Strüver von den Reaktionen, als er auf einer DFB-Tagung über seine Idee von einer Handicap-EM philosophierte. Doch der Vorsitzende des TSV Achim ließ nicht locker. Das Resultat: Vom 11. bis zum 13. Mai dieses Jahres spielen 24 Mannschaften auf der Sportanlage Am Freibad bei der Special Euro Championship den ersten Vereinseuropameister der Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen aus. "Das Korsett steht, jetzt geht es an die Feinheiten", sagt Heiko Strüver mit Blick auf die laufenden Planungen.
Rückblende: Alles fing damit an, dass sich Peter Kathmann mit einem besonderen Anliegen an den TSV Achim wandte. Kathmanns fußballbegeisterter Sohn Morten wollte gern in einem Verein kicken, doch beide "Kathmänner" merkten schnell, dass es für Morten mit seinem Handicap in "normalen" Fußballmannschaften keine Zukunft geben würde. Nach langen Gesprächen waren sich Heiko Strüver und Kai Tietjen, der Fußballabteilungsleiter des TSV Achim, einig: "Da müssen wir was machen!" Seit März 2009 kickt eine Handicap-Jugendmannschaft, der inzwischen 26 Spieler zwischen sieben und 18 Jahren angehören, immer freitagsnachmittags in der Sporthalle der Paulsbergschule. "Da geht's immer richtig rund", sagt Heiko Strüver und lacht. Im Sommer 2010 kam dann auch noch ein Handicap-Erwachsenenteam hinzu. Der älteste der 21 Akteure ist 50.
Die Handicap-Kicker kämpfen mühsam um Anerkennung bei Presse und Sponsoren. Außerdem gibt es für sie kaum Wettkämpfe, geschweige denn einen geregelten Punktspielbetrieb. Deshalb bestreiten die Trainer Peter Kathmann und Zeljko Milosavljevic mit ihren Schützlingen hauptsächlich Freundschaftsspiele. Das Hallenturnier um den Soiltec-Cup organisierte der TSV Achim erstmals im Jahr 2010 - und nun also die EM. 24 Teams werden dann wie bei einem großen internationalen Turnier in Gruppen- und Finalspielen auf dem Kleinfeld ihren Besten ermitteln. Eine Mannschaft besteht aus sechs Feldspielern und einem Torwart. Alle Partien dauern ein Mal 15 Minuten.
Am Start sind neben Werder Bremen auch Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt und der 1. FC Kaiserslautern. "Selbst große Vereine haben erkannt, wie wichtig es ist, behinderten Kindern ein fußballerisches Zuhause zu bieten", sagt Heiko Strüver. Allein die Tatsache, einem richtigen Sportverein anzugehören, bedeute den Handicap-Kickern unheimlich viel. Selbst namhafte internationale Clubs wie der FC Liverpool, Tottenham Hotspur und der FC Barcelona haben für die EM zugesagt. "Dadurch werden unsere Kids merken, dass es auch in anderen Ländern Menschen mit Handicap gibt", erläutert Heiko Strüver. Allein aus Dankbarkeit, weil er selbst gesund ist, betrachtet der TSV-Vorsitzende sein ehrenamtliches Engagement als "Herzensangelegenheit".
Um die geschätzten EM-Kosten von 15.000 Euro zu decken, hat Strüver bereits mehrere namhafte Sponsoren ins Boot geholt. "Auch die Stadt Achim hat sich ganz toll verhalten", lobt Strüver. So sollen die Astrid-Lindgren-Schule und die Paulsbergschule als Quartiere hergerichtet werden.
Obwohl die Kids der Anne-Frank-Schule aus Bremerhaven am Sonnabend ihren Vorjahrestitel beim Soiltec-Cup verteidigten und die beiden Teams des TSV Achim "nur" auf den Plätzen drei und sieben landeten, sieht Trainer Peter Kathmann seine Mannschaft für die EM gut gerüstet: "Es ist schwer zu sagen, wie wir im Vergleich stehen, weil es das erste Turnier ist. Aber wenn keine Leistungsträger ausfallen, rechne ich mir durchaus einen Mittelfeldplatz aus."


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