Verden. Geld ist wichtig, bei einer Existenzgründung kommt es aber erst ziemlich am Ende ins Spiel. "Der erste Schritt ist, dass Sie sich das zutrauen und fachlich qualifiziert sind", betonte Dieter Sander, Wirtschaftsförderer des Landkreises, vor recht gut besetzten Stuhlreihen im BBS-Forum. Dann müsse ein Gründungskonzept als Grundlage für den folgenden Businessplan ausgearbeitet werden. "Da wird der Wunsch den realen Möglichkeiten angepasst", so Sander. Erst, wenn auch die Risiken bewertet seien, lohne sich der Gang zur Bank. "Gehen Sie da mit einem gut vorbereiteten Konzept hin, das ist ganz wichtig", legte er den aufmerksam lauschenden Frauen und Männern ans Herz.
Jens Benthien ist 56 Jahre alt, in Bremen geboren und aufgewachsen und hat sich "danach in der Welt herumgetrieben". Der gelernte Industriedesigner - "Ich mache alles außer Autos" - war unter anderem in den USA, in Kanada, Hongkong und Spanien, hat als Angestellter und Freiberufler gearbeitet, war auch Koch und Fotograf. "Jetzt will mich niemand mehr haben, weil meine Haarfarbe falsch ist", flüchtet sich Benthien in Sarkasmus.
Seit einem Jahr wieder in Deutschland, ist er bei seinem Bruder in Bremen untergekommen. Es will ihm einfach nicht gelingen, eine eigene Wohnung anzumieten. "Wenn man da nicht mindestens die Gehaltsabrechnungen der letzten drei Monate vorlegt, hat man schon verloren." Jetzt steht Benthien in den BBS vor Tania Breyer und will wissen, wie er sich selbstständig machen kann. Breyer führt das Regionalbüro Niedersachsen/Bremen des Kompetenzzentrums Kultur- & Kreativwirtschaft des Bundes. Benthien beschreibt mit dem Arm einen weiten Bogen über die Info-Stände und sagt: "Die Leute hier strampeln sich ab, aber in dem Moment, in dem sie rausgehen, laufen sie gegen eine Wand, weil ihnen keine Bank was gibt."
Das ist der falsche Ansatz. "Eine Finanzierung gibt's bei mir nicht", erklärt Breyer. Dafür jede Menge Informationen und erst einmal die: "Wo ist ein Bedarf, was wird gebraucht, wie geht man da ran und wo drückt der Schuh?" Freiberufler, sagt die Fachfrau, seien immer Einzelkämpfer, würden sich gegenseitig als Konkurrenten sehen. Das sei einerseits eine gesunde Haltung, andererseits könne eine Vernetzung weiterhelfen. Denn fachliche Rückmeldungen seien wichtig. Breyer erwähnt das Förderprogramm "Ideenlotsen Metropole Nordwest", das kreative Menschen bei der Planung einer geschäftlichen Existenz unterstützt. "Wir reden hier über Wirtschaftsaktivitäten, nicht über ein bisschen Kunst machen", so die Expertin und weist Benthien über Möglichkeiten hin, wie und wo er weitere solide Ansprechpartner findet.
Reiner Cordes hat seinen sicheren Job als Geschäftsführer der Lebenshilfe Verden vor rund anderthalb Jahren aufgegeben, um Coach und Organisationsberater zu werden. Vorher hat er sich auf einem der Existenzgründungstage erkundigt. Mit seinem Geschäftsmodell hat er Erfolg. An sein früheres Gehalt reicht er noch nicht heran, "aber das wird immer besser". Cordes berät unter anderem Teams bei Konflikten und Einzelpersonen, die sich gemobbt fühlen oder ausgebrannt sind. Die Ausbildung zum Coach war hilfreich, "ich schöpfe aber vor allem aus dem reichen Fundes meiner früheren Erfahrungen." Vor dem Schritt in die Selbstständigkeit hatte Cordes die Risiken sorgfältig abgewogen, jetzt kann er selbst Tipps geben, wie's funktioniert.
Weil der Arbeitsmarkt inzwischen viele freie Stellen meldet, ist der Gründungszuschuss erheblich gesenkt worden - gegenüber 2011 um 50 Prozent, wie eine Mitarbeiterin am Stand der Arbeitsagentur berichtete. Vielleicht lag es daran, dass der Existenzgründungstag weniger gut als sonst besucht war. "Oder auch am Fachkräftemangel - aber das ist reine Spekulation", so Wirtschaftsförderer Sander.


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