Was sich dem Besucher nicht auf den ersten Blick erschließt. Eine schmale Tür ganz links an dem Klinkerbau "Am Rathauspark 36" ist der Eingang zur Kunstschule. Dahinter geht es eine steile Treppe runter in den Keller. Ein großer Pfeil und der Schriftzug "Kunstverein" weist die Richtung, unten an der Stirnwand hängt ein fröhlich-buntes Bild mit einer Aufschrift, die verrät, dass Malen schon prima funktioniert, wenn es mit der Rechtschreibung noch hapert. "Kunst est schön Macht aber Arbait."
"Schreiben Sie nicht Keller, das klingt irgendwie dunkel und feucht", sagt der Vermieter Diamantis Psilitelis. "Schreiben Sie lieber Untergeschoss. Oder noch besser: Souterrain." Womit der Mann durchaus recht hat. Denn mit dunkel oder gar feucht haben die neuen Räumlichkeiten der Kunstschule wahrlich nichts gemein: Zwei große, helle Mal- und Werkräume bieten reichlich Platz für Malkurse und die anderen Angebote des Vereins. Im Eingangsbereich steht ein weiterer Gruppentisch, dazu kommen mehrere kleine Räume für Materialien, Abstellmöglichkeiten, um Bilder trocknen zu lassen, eine kleine Büroecke und sogar eine kleine Küche. Insgesamt 200 Quadratmeter stehen dem Kunstverein hier zur Verfügung.
"Wir hatten auch Angebote für eine riesige Halle", berichtet Volker Wutschik von der Suche nach geeigneten Räumen für die Kunstschule. "Aber wir brauchen eher mehrere Räume, mit Eckchen, wo man was hinstellen kann."
Am Ende wurde es eine Punktlandung für den Kunstverein. Bis zum 31. Januar mussten sie ihr langjähriges Domizil im Haus der Projekte in der Magdeburger Straße räumen. Das Gebäude wird abgerissen, um Platz für die Erweiterung des Bürgerzentrums zu haben. Doch die Suche nach geeignetem Ersatz erwies sich als knifflige Angelegenheit. Galt es doch, verschiedene Eckdaten unter einen Hut zu bekommen, betont Wutschik: Zentral gelegen sollte die Schule sein, aber möglichst auch wieder nicht an einer vielbefahrenen Straße liegen, damit Kinder die Einrichtung gut und sicher mit dem Fahrrad erreichen können. Dann sollte sie natürlich groß genug sein, um alles unterzubringen. Aber auch wieder nicht so groß, "dass uns die Nebenkosten auffressen". Apropos Kosten: Bezahlbar musste das Ganze bleiben, schließlich zahlt der Kunstverein erstmals Miete. Im Haus der Projekte musste er lediglich für die Nebenkosten aufkommen.
Fündig wurde der Verein schließlich "Am Rathauspark 36". Im Untergeschoss des Einfamilienhauses befand sich zuvor 30 Jahre lang eine Praxis für Physiotherapie, die nun leer stand. Räume, wie geschaffen für die Kunstschule. Weihnachten wurde man sich einig, im Januar war das große Um- und Einräumen angesagt, pünktlich zum Beginn des neuen Semesters am 1. Februar konnte der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden.
Möglichst unabhängig von der Stadt
"Mit den beiden Räume und dem großen Vorraum haben wir völlig neue Möglichkeiten", erklärt Volker Wutschik. "Wir können mehrere Sachen parallel anbieten und auch größere Kurse bilden." Nicht unwichtig für einen Verein, der sich langfristig zum Ziel gesteckt hat, sich möglichst unabhängig von der Haushaltssituation der Stadt zu machen. "Wir wollen mehr erwirtschaften als vorher", gibt der Vereinsvorsitzende ein Ziel aus, das mit einem ausgeweiteten, attraktiveren Kursangebot und neuen Dozenten angestrebt werden soll. "Aber das ist eine langfristige Strategie", betont Wutschik. "Mittelfristig schaffen wir es nicht ohne Zuschüsse der Stadt."


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