Karl-Heinz Gerhold (SPD) hätte über den Antrag der Grünen am liebsten noch vor der Präsentation der beiden Architektenentwürfe abgestimmt. Weitere Geschäftsgrundlage sei schließlich, "dass dieser Antrag erstmal vom Tisch kommt".
Bei den anderen Fraktionen fand er damit aber kein Gehör. "Erstmal alles anhören, nicht sofort entscheiden", bekundeten Wolfgang Heckel (WGA/FDP) und Isabel Gottschewski (CDU). Der Ausschussvorsitzende Rüdiger Dürr bezeichnete dieses Vorgehen sogar als Gebot der Fairness. Wie es um seine inhaltliche Bewertung des Umzugsvorschlages gestellt ist, entschlüpfte dem CDU-Mann allerdings mit folgender Bemerkung: "Den Antrag der Grünen können wir auch noch in zwei Wochen abbügeln."
Zwei Architekturbüros sind noch im Rennen um die Erweiterung der Bibliothek. Beide waren von der Stadt beauftragt worden, ihre Entwürfe noch einmal zu überarbeiten. Dabei sollten sie insbesondere bei der Sanierung des derzeitigen Gebäudes eine Aufgabenliste abarbeiten, die Gregor Dreischoff, ein ebenfalls von der Stadt beauftragter Planer, aufgestellt hatte.
Architekt Bernd Lange vom Büro Landwehr präsentierte ein Bibliotheksgebäude, das im oberen Stock auf der Ostseite symmetrisch zur bereits vorhandenen Westseite erweitert wird und zugleich unten als Anbau ein rundes Lese-Cafe erhält. Das bisherige Gebäude enthalte so viele Schwachpunkte, dass es günstiger sei, es komplett zu entkernen und wieder neu aufzubauen, erläuterte Lange - inklusive neuer Treppe, neuen Sanitäranlagen und einem behindertengerechten Aufzug. Für die Sanierung veranschlagt Lange 545000 Euro, womit bei der Gesamtobergrenze von 900000 für die Anbauten noch 355000 Euro zur Verfügung stünden. An zusätzlicher reiner Nutzfläche für die Bibliothek wären damit laut Lange gute 200 Quadratmeter möglich.
Zweifel an vorgelegten Zahlen
Der Fachausschuss und auch Gutachter Dreischoff zeigten sich von dem Entwurf angetan, insbesondere, weil er alle Vorgaben erfüllt. Allein Peter Bartram fand ein dickes Haar in der Suppe: Welchen Unsicherheitsfaktor beim Altbau das Architekturbüro einberechnet habe, wollte Bartram wissen, der als externes Mitglied für die Grünen im Fachausschuss sitzt. "Was ist, wenn sie anfangen zu bauen und dann...?"
"Dieses Risiko ist nahe Null", antwortete Lange. Man habe alles genau untersucht. "Ich verbürge mich für diese Zahlen." Nach "menschlichem Ermessen" werde die Sanierung nicht teurer. Bartram bezweifelte dies. Bei einer Altbausanierung würden üblicherweise 20 Prozent Mehrkosten gerechnet. Und die würden dann ebenfalls üblicherweise nicht einmal reichen. "Wenn wir anfangen zu bauen, brauchen wir Reserven", erklärte Bartram und unterstellte dem Architekten außerdem, bei den Nebenkosten rund 50000 Euro "weggelogen" zu haben.
Architekt Dirk Landwehr vom Büro Trapez machte kein Hehl daraus, dass mit den vorgegebenen 900000 Euro kaum etwas über die Sanierung hinaus zu machen sei. Er präsentierte deshalb auch gleich eine Version, bei der funktionale Mängel im Bereich Fahrstuhl, Treppe und WC beibehalten würden. Man müsse sich einfach fragen, ob man damit nicht doch leben könne.
Bei der geforderten Innendämmung setzt Trapez auf eine "Mütze" - das Dach wird umfassend gedämmt, die Wände bleiben wie sie sind. Gregor Dreischoff bezeichnete die Lösungsansätze in Sachen Dämmung später als "schizophren".
Trotzdem wäre die Sanierung bei Trapez noch deutlich teurer als bei seinem Mitbewerber, womit weniger Geld für den geplanten einstöckigen Anbau in Richtung Rathaus bliebe. "Das Wunder ist ausgeblieben", räumte Dirk Landwehr ein. Und alle Risiken bei der Altbausanierung habe man damit auch nicht "weggeplant".
Welche Variante den Zuschlag erhält, wollen die Parteien jetzt fraktionsintern beraten. Die Entscheidung soll in der Sitzung des Fachausschusses am 28. Februar fallen. Dass es die Trapez-Variante, die es mit den DIN-Vorgaben im Altbau nicht ganz so genau nimmt, nicht einfach haben wird, deutete Karl-Heinz Gerhold an. "Wenn einer die Normen ernst nehmen muss, dann ja wohl wir in öffentlichen Gebäuden."


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