Begrüßt wurden sie schon auf dem Flett mit einem Getränk, gereicht von phantasievoll verkleideten Akteuren der Kirchlintler Theatergruppe. "Im kommenden Herbst wird im Krug Theater wieder gespielt", versprach Initiator und Gründer Bernd Maas. Dieser moderierte die Feier auch: Als Jan-Kurt Binterkies kam er mit Schiebkarre, Schaufel und Harke in den Saal und stellte sich als Leiter der Arbeitsorganisation bei der Krugrenovierung vor. Wortgewaltig rief er Namen in die Runde und sagte auch gleich, was die Genannten zu machen hätten: Rodewald - baut das Haus! Böttner - plant die Verpflegung! Beitzel - steht am Förderband! Hogrefe - fährt den Trecker! Lindhorst - pflanzt die Blumen! Karweik - macht die Kohle klar! Haase - sagt, wo alles hin soll! Göbber - gibt den Segen dazu! Jacobs - passt auf, dass keiner aus der Reihe tanzt!
Die Rednerliste war lang, und so achtete Binterkies peinlich genau darauf, dass die Sprechzeiten eingehalten wurden. Mit einer Glocke wie im Parlament wies er die Zeitüberzieher an, möglichst bald zum Ende zu kommen.
"Mit der Eröffnung des Lintler Krugs wollen wir den Startschuss für eine Begegnungsstätte in der Mitte unserer Gemeinde geben", sagte Bürgermeister Wolfgang Rodewald. Er solle ein Ort sein und werden, an dem Menschen mit unterschiedlichsten Interessen und Erwartungen zusammenkommen. "Es sollen Kunst und Kultur, Musik und Theater, Bildung und Information, Feiern und Fröhlichsein in dieses Haus zurückkehren, so wie es vor dem Umbau war." Ganz im Sinne des Projektes "Gestaltung der historischen Ortsmitte" müssten Alt und Jung, Bewährtes und Neues zusammenkommen und zusammenfinden.
Den Dank an das Organisationsteam um Alexandra Heller schloss er mit der Nennung von zwei Personen, die sich durch unzählige Einsatzstunden besonders verdient gemacht hätten: Helga Storch und Hartmut Beimes.
Bisher sind rund 1,5 Millionen Euro in das Projekt geflossen, mehr als 640000 Euro davon als Fördergelder. Für insgesamt knapp 30 Unternehmen sei das eine gute Wirtschaftsförderung, von der überwiegend Firmen der Region profitierten. Gleichwohl habe das Projekt "insgesamt ein zu großes Loch in den Gemeindehaushalt gerissen", sagte Rodewald. Zwar sei kein Geld verpulvert worden, aber es sei deutlich mehr ausgegeben worden als geplant. Künftig müsse sich der Lintler Krug überwiegend selbst finanzieren.
Denker und Macher
Dorferneuerungsplaner Georg Böttner hielt in Absprache mit Bernd-Rüdiger Beitzel und Klaus Karweik von der Fördergeld gebenden Landesbehörde für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen einen Rückblick. Nach und nach sei in den Arbeitskreissitzungen Unmögliches vom Machbarem getrennt worden. "Denker und Macher, alle machten mit", so Böttner. Ihm sei nicht bange, was die Zukunft des Lintler Krugs angehe. Durch das Bürgerengagement seien die Verkehrsinitiative, die Aktion "Kirchlinteln blüht auf" sowie Kunst-Kultur-Kirchlinteln entstanden.
Kirchlintelns Ortsvorsteherin Sigrid Lindhorst hatte sich schon mal Gedanken darüber gemacht, wie ein Tag im Krug aussehen könnte: "Morgens treffen sich dort Seniorinnen und Senioren zu einer Malgruppe; mittags könnte es ein gemeinsames Essen generationsübergreifend geben; nachmittags unterstützen Schüler und Jugendliche interessierte Erwachsene bei der Handhabung des Computers, umgekehrt könnten die Erwachsenen den Schülern bei den Hausaufgaben behilflich sein oder ihnen handwerkliche Fähigkeiten beibringen; und am Abend schließlich findet ein Spieleabend der unterschiedlichen Generationen statt. Es liegt nun an uns allen, die Chancen zu nutzen, die uns dieses Gebäude für die Dorfgemeinschaft bietet."
Anke Göbber vom Kirchenvorstand der St.-Petri-Gemeinde wünschte sich, dass der Lintler Krug wieder das Herzstück des Dorfes werden möge. Ratsvorsitzender Arne Jacobs verglich die momentane Situation mit der Tour de France: "Wir feiern noch nicht das Finale, wir haben erst ein Etappenziel erreicht." Die kurzweilige Einweihungsfeier wurde stimmungsvoll umrahmt vom Gitarrenensemble unter der Leitung von Margitta Ludwigs, dem Chor der Lintler-Geest-Schule und von JazziK unter der Leitung von Stephan Ludwigs.
Adolf Rademacher, Vorsitzender des Bürgerbusvereins Kirchlinteln, verteilte Freifahrtscheine an die Kommunalpolitiker. Und damit sie auch wüssten, wann sie den Bürgerbus mal testen können, legte er gleich den Fahrplan bei.
"Friends for Friends" heizten am Abend den Besuchern mit Beatmusik aus den 60er bis 80er Jahren ein. Der neu verlegte Parkettboden aus Eichenholz bestand seine erste Bewährungsprobe. Bis nach Mitternacht wurde gefeiert in der Kulturdiele des Lintler Krugs. Ältester Teilnehmer war der 81-jährige Keidan Boht. Er und seine Frau Brigitte hatten extra einen Kohlball deswegen ausfallen lassen.


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