Oyten. Autofahrern, die vom Oyterdamm in die Straße Am Moor abbiegen, kann es schon mal blümerant werden. Nachdem der Wagen auf der gut asphaltierten Landesstraße 168 förmlich dahingeglitten ist, beginnt es bereits kurz nach dem Einlenken mächtig zu rumpeln. Die einspurige Betonpiste mit ihren Schlaglöchern, Bodenwellen und holprigen Seitenräumen wird zum Härtetest für die Stoßdämpfer.
Ähnliche Herausforderungen wie Am Moor erwarten motorisierte Verkehrsteilnehmer in der Gemeinde Oyten auch auf den Straßen Thünen und Köbens. Während Thünen zum Teil noch aus Kopfsteinpflaster besteht, sind die Seitenstreifen von Köbens den heutigen Belastungen nicht mehr gewachsen. "Das muss alles irgendwann gemacht werden", sagt Oytens stellvertretender Verwaltungschef Axel Junge. "Aber wann und wie ist vollkommen offen." Sobald der Haushalt genehmigt ist, wird eine Kommission, bestehend aus Ratsmitgliedern und Verwaltungsmitarbeitern, das Wegenetz der Gemeinde abfahren und eine Prioritätenliste erstellen.
Tiefbauingenieur Guido Kahle muss eine Strecke von 212 Kilometern instandhalten, bestehend aus 110 Kilometern Gemeindestraße, 41 Kilometern Wirtschaftsweg und 61 Kilometern Rad- und Fußweg. "Natürlich könnte der Zustand besser sein, aber wir haben in den vergangenen Jahren auch einiges ausgebaut", sagt Michael Rath. "Aus Gesprächen mit anderen Bauämtern habe ich den Eindruck gewonnen, dass wir mehr für den Unterhalt unserer Straßen ausgeben als vergleichbare Gemeinden", ergänzt Axel Junge.
Durchschnittlich hat Oyten zuletzt 150000 Euro jährlich in die Unterhaltung seiner Straßen investiert. Diese Summe war auch im Haushalt 2011 eingeplant. Doch das reichte hinten und vorne nicht - der Gemeinderat gewährte einen satten Nachschlag in Höhe von 250000 Euro. "Die Politiker hatten eingesehen, dass die beiden vergangenen harten Winter erhebliche Frostschäden hinterlassen haben", erläutert Axel Junge.
Sparsam mit Streusalz
Die aktuelle Frostperiode setzt den Straßen indes nicht so schwer zu. Weil es relativ trocken ist, dringt in die Risse im Fahrbahnbelag kaum Feuchtigkeit ein, die dann gefriert und die Straßendecke regelrecht aufsprengt. Auch mit dem Einsatz von Streusalz waren die Oytener in diesem Winter bislang sparsam. "Gravierende Schäden sind bislang nicht festzustellen, aber wir sind auch noch nicht alles abgefahren", berichtet Guido Kahle. Dafür nagt an vielen Oytener Straßen der Zahn der Zeit. Ein Großteil der Wege wurde in den 50er- und 60er-Jahren angelegt. "Damals wog ein landwirtschaftliches Fahrzeug fünf Tonnen, heute ist es das Achtfache - das ist der Genickbruch für jede Straße", argumentiert Bauamtsleiter Michael Rath.
Für 2012 sind im Oytener Etat zunächst wieder 150000 Euro für Straßenunterhaltung angesetzt. Hinzu kommen etwa 50000 Euro, die im Vorjahr übrig geblieben sind. "Mit diesem Geld kann man schon arbeiten. Aber man kriegt längst nicht alles weg, was man sich vorstellt - mir persönlich ist das zu wenig", sagt Guido Kahle. Dabei dienen alle Reparaturen ausschließlich der Verkehrssicherheit. Allein aus kosmetischen Gründen greifen die Mitarbeiter des Bauhofes nicht zu Schaufel und Splitt. "Wir machen keine Schönheitsoperationen - es muss schon verkehrswirksam sein", betont Bauingenieur Kahle.
Nicht aus dem Sanierungstopf bezahlt werden indes Erschließungsmaßnahmen wie die anstehende Verbreiterung von Dorf- und Wächterstraße von 4,70 auf sechs Meter. Hinzu kommen Rad- und Fußweg. Das Großprojekt kostet rund 1,9 Millionen Euro und soll 2013 abgeschlossen sein.


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