Thedinghausen. Unter mehr als 500 Unternehmen in die Endrunde zu kommen, ist für Susanne Jahn allein schon ein großer Erfolg, auf den sie stolz ist. Preise hat das 1998 gegründete Unternehmen bereits eine Menge bekommen. 2008 und 2011 hat die Hertie-Stiftung den Musikspielplatz für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ausgezeichnet, 2009 hat ihn das niedersächsische Sozialministerium zum Best-Practice-Beispiel gekürt, ein Jahr später landete das Thedinghauser Unternehmen auf dem zweiten Platz des Wettbewerbs "Niedersächsischer Preis für familienfreundliche Unternehmen".
Nun soll die bundesweite Anerkennung folgen. "Über die große Beteiligung am Unternehmenswettbewerb freue ich mich sehr", sagt Bundesfamilienministererin Kristina Schröder. "Und auch darüber, dass die Qualität der Bewerbungen seit dem letzten Wettbewerb nochmals gestiegen ist. Dies zeigt, dass immer mehr Unternehmen in Deutschland ihre Beschäftigten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen."
"Es ist schwer, Mitarbeiter auf dem Land zu finden", erklärt Susanne Jahn, warum sie das familienfreundliche Modell umgesetzt hat: "Man muss den besten Arbeitsplatz der Welt bieten, damit sie bleiben." Die kleine Musikschule ist ein Verein, dessen Vorsitzende Susanne Jahn seit der Gründung ist. Beim Musikspielsplatz können sowohl Kinder als auch Erwachsene an diversen Orten im Landkreis das Musizieren erlernen.
Der Musikspielplatz kooperiert mit Kindertagesstätten und bietet in den Grundschulen Posthausen, Völkersen und Westen sowie in der Haupt- und Realschule Dörverden ehrenamtlich Musik-Arbeitsgemeinschaften an. Nachmittags kann die Musikschule die Räume für den bezahlten Unterricht nutzen. "Musiker sind Künstler", sagt Susanne Jahn, "und die denken anders." Sie möchten sich in ihrer Kreativität nicht einschränken lassen, sich frei entfalten. Das berücksichtigt die Geschäftsführung, und deshalb können sich die Dozenten ihre Arbeitszeiten selbst aussuchen und sind frei, was und wie sie unterrichten. Die meisten würden ein- bis zweimal in der Woche Unterricht geben.
Es gibt Arbeitsverträge und Honorarvereinbarungen, um die finanziellen Angelegenheiten kümmert sich der Verein. Wenn mal Eltern nicht zahlen, schaut Susanne Jahn bei der Familie rein und entscheidet dann, ob zeitweise auf Beiträge verzichtet werden kann. "Jedes Jahr ziehen wir so ein paar Kinder durch". Die Vereinsvorsitzende holt auch mal Schüler von zu Hause ab, wenn die Mutter anruft, dass sie an diesem Tag länger arbeiten muss. Auch den derzeit 17 Mitarbeitern steht dieser Fahrdienst zur Verfügung wie auch die betriebseigene Kinderbetreuung.
Bis zur ersten Zertifizierung 2008 "mussten wird unsere Leute noch suchen, jetzt kommen sie von sich aus zu uns", beschreibt Susanne Jahn den Erfolg ihres Modells. Bei der Ferienregelung ist der Musikspielplatz bereits flexibel, bei der vorübergehenden Pflege von Angehörigen möchte er es in Zukunft sein. "Ich finde, Arbeit hat auch was mit Menschlichkeit zu tun", formuliert Jahn einen Grundsatz ihres Konzeptes, das seit kurzem auch im Franchise-Verfahren verkauft wird.
460 Musikschüler hat der Musikspielplatz derzeit, vom Kindergartenkind bis zum 70-jährigen Senior. Musik spielt auch in ihrer Familie eine große Rolle. Sohn Eike ist in ihre beruflichen Fußstapfen getreten, zusammen mit ihrem Mann macht Susanne Jahn Musik: Sie mit dem Saxophon, er mit dem Kontrabass.


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