RWE Dea lässt derzeit im Raum Völkersen sein komplettes Leitungsnetz für Lagerstättenwasser untersuchen. Die Flüssigkeit kommt bei der Erdgasförderung mit an die Erdoberfläche. Sie enthält unter anderem giftiges Quecksilber und das krebserregende Benzol. Im vergangenen Jahr waren in Völkersen an einer defekten Leitung 30 bis 40 Kubikmeter Lagerstättenwasser ausgelaufen und hatten Erdreich und zum Teil das Grundwasser verseucht. Während der Sanierung wurden entlang des 22 Kilometer langen Leitungsnetzes weitere Verunreinigungen im Boden entdeckt.
Als Ursache schließt das Unternehmen sogenannte Diffusion nicht aus. Dabei durchdringen Benzol-Moleküle in einem langwierigen physikalischen Prozess die Wand der Kunststoffrohre. Mit rund 800 Messungen habe man das Lagerstättenwasserleitungsnetz in Völkersen jetzt nahezu komplett untersucht, teilt RWE Dea mit. Rund zwei Drittel der Leitung seien unbelastet. In den anderen Abschnitten gebe es Werte unterschiedlich hoher Konzentration. Die höchste Belastung lag bislang bei 5700 Mikrogramm pro Liter. Die jetzt festgestellten 12000 Mikrogramm sind nach Angaben von RWE Dea der höchste je im Zusammenhang mit der hiesigen Erdgasförderung gemessene Wert. Die von RWE Dea eingerichtete Internetseite www.bürgerinformation-völkersen.de listet aktuell 16 Proben mit mehr als 1000 Mikrogramm Benzol-Belastung auf.
Anfang Februar seien zwei Spezialfirmen damit beauftragt worden, in Absprache mit den Behörden ein Sanierungskonzept zu entwickeln. Als erster Schritt würden zwei Leitungen komplett entfernt, nachdem das gesamte Netz bereits stillgelegt worden sei.
Der Verdener Kreistag hat das Unternehmen unterdessen aufgefordert, ab sofort auf die Verlegung von Lagerstättenwasserleitungen in Wasserschutzgebieten zu verzichten. Außerdem fordert er vom Gesetzgeber, für den Transport des Lagerstättenwassers nur noch Rohrmaterial zu genehmigen, das garantiert diffusionsdicht ist. Alle anderen Leitungen müssten sofort aus dem Boden entfernt werden.
Das Landesbergamt hat die Energieunternehmen aufgefordert, bis Ende Februar nachzuweisen, dass ihre Kunststoffrohre für den Transport von Lagerstättenwasser ausreichend diffusionsdicht sind. Anderenfalls müssen sie die Leitungen stilllegen und aus dem Boden entfernen. Allein in Niedersachsen liegen rund 700 Kilometer Lagerstättenwasserleitungen im Boden.
Am kommenden Freitag befasst sich der Landtag in Hannover mit den Störfällen in Völkersen. Die Grünen-Fraktion verlangt von der Landesregierung Auskunft über die Rolle des Bergamtes als Genehmigungsbehörde.


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