Landesverbandschef Rainer Balke verteidigte die seit dem 1. Januar von 19 auf sieben Prozent verminderte Mehrwertsteuer für das Gewerbe: 'Das ist kein Steuergeschenk, sondern eine Gleichbehandlung.' Balke bezog sich darauf, dass bereits in 21 anderen von 27 EU-Mitgliedsstaaten reduzierte Mehrwertsteuersätze gelten. Mit Ausnahme Dänemarks würden sogar in allen Anrainerstaaten Deutschlands ermäßigte Sätze zwischen drei und zehn Prozent gelten. Die Hoteliers hätten die Mehrwertsteuersenkung bereits seit 1961 gefordert.
Balke führte weiter aus: 'Aus den Daten auf der Online-Plattform ?www.erfolg7prozent.de?, die ein Nürnberger Hotelier eingerichtet hat, geht hervor, dass viele die Mehreinnahmen für schon lange fällige Investitionen nutzen werden.' Balke teilte mit, dass die 53 niedersächsischen von den bundesweit insgesamt 550 Hoteliers, die sich auf der Website eingetragen hätten, 34 Millionen Euro an Investitionen angekündigt hätten.
Bei einer Dehoga-Pressekonferenz in Hannover erklärten vier Hoteliers aus der Region, dass sie dem massiven Druck der Firmenkunden nachgegeben und fünf bis zehn Prozent von der zwölfprozentigen Mehrwertsteuersenkung weitergegeben hätten. Privatkunden bekämen Preisnachlässe von zirka fünf Prozent.
Auch nach einer Erhebung des auf Hotelvergleiche spezialisierten Unternehmens STR Global ist der Hotelzimmerpreis im Januar im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich rund fünf Prozent gesunken. Der Umfrage zugrunde liegen Zimmerpreise von rund 800 deutschen Hotels. Während der durchschnittliche Zimmerpreis ohne Frühstück im Januar 2009 bei 98,54 Euro gelegen habe, sei er im Januar 2010 auf 93,74 Euro gesunken. Der Vorsitzende des Hotelverbandes Deutschland, Fritz Dreesen, sagte, dass die Branche damit Wort gehalten und die Mehrwertsteuersenkung für ein attraktiveres Preis-Leistungsverhältnis genutzt habe.
Die Verbraucherzentrale war im Januar nach einer bundesweiten Stichprobe von rund 600 Übernachtungsangeboten noch auf ein anderes Ergebnis gekommen: 'Hotelübernachtungen eher teurer als günstiger' lautete das Fazit der Erhebung. Diese war jedoch nicht repräsentativ und hatte lediglich die Übernachtungspreise von Mitte Dezember 2009 bis Mitte Januar 2010 verglichen. 7,4 Prozent der untersuchten Angebote hatten ihre Preise gesenkt und 13,9 Prozent der Hotels hatten diese erhöht. In der Summe seien die Kosten um 1,9 Prozent gestiegen. Christian Fronczak, der an der Erhebung mitgewirkt hatte, sagte gestern: 'Bis Mitte Januar ist der erhoffte Preiseffekt für den Hotelkunden nicht eingetreten, obwohl die Dehoga angekündigt hatte, rund 20 Prozent des Mehrwertsteuervorteils direkt an die Kunden weiterzugeben.'


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