In Niedersachsen nutzen inzwischen knapp 40 Prozent der 17-Jährigen das Begleitete Fahren. Nach Angaben des Verkehrsministeriums in Hannover fahren die 17-jährigen mit Begleitperson viel sicherer als ältere Führerscheinneulinge ohne Begleitperson. 'Sie verursachen 28 Prozent weniger Unfälle und begehen 23 Prozent weniger Verkehrsverstöße', sagt Ministeriumssprecherin Silke Schaar.
Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat das Verhalten der 17-Jährigen am Steuer untersucht. Demnach haben 380000 Jugendliche das Angebot seit Einführung des Modellversuchs 2004 bundesweit genutzt. Durchschnittlich fuhren sie acht Monate lang in Begleitung, legten in dieser Zeit etwa 2400 Kilometer zurück, verursachten 22 Prozent weniger Unfälle und 20 Prozent weniger Verkehrsverstöße als ältere Fahranfänger ohne Begleitperson. Inzwischen nutzt jeder vierte Fahranfänger in Deutschland den Führerschein mit 17.
'Davon profitieren alle Autofahrer', sagt Bundesverkehrsminister Ramsauer. Bei den beiden älteren seiner vier Töchter habe er mehrfach selbst auf dem Beifahrersitz gesessen und positive Eindrücke gewonnen. Sein Heimatland Bayern ist übrigens Spitzenreiter bei der Führerschein-Teilnahmequote. 42 Prozent der 17-Jährigen in Bayern nutzen das Angebot.
'Wir begrüßen die bundesweite Einführung des Führerscheins ab 17', sagt der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Niedersachsen, Dieter Quentin. 'Es gibt nichts besseres für junge Leute als viel Fahrpraxis unter Aufsicht.' Der Führerschein mit 17 ersetze aber die Fahrschule nicht. Quentin: 'Eltern sind keine Hilfsfahrlehrer. Diese jungen Leute haben ihre Fahrprüfung bereits bestanden.' Die Begleitpersonen seien Ansprechpartner in brenzligen Situationen und vermittelten durch ihre Erfahrung ein Gefühl der Sicherheit.
'Unsere Erfahrungen werden wir natürlich auch bei der Umsetzung auf Bundesebene gerne miteinbringen', sagt Niedersachsens Verkehrsminister Jörg Bode (FDP). Niedersachsen hatte zunächst nur Erziehungsberechtigten zugestanden, die 17-Jährigen Fahranfänger zu begleiten, sich dann aber den Regelungen der anderen Bundesländer angepasst.
Begleitpersonen müssen heute mindestens 30 Jahre alt sein und mindestens fünf Jahre im Besitz des Führerscheins. Sie dürfen nicht mehr als drei Strafpunkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei und während der Fahrt nicht mehr als 0,5 Promille Alkohol im Blut haben.
Die Teilnehmer am Noch-Modellversuch dürfen frühestens mit 16,5 Jahren zur Fahrschule gehen. Die Fahrprüfung kann erst mit Vollendung des 17. Lebensjahres absolviert werden. Danach beginnt die übliche zweijährige Probezeit. Wer gegen die Auflagen des Modellversuchs verstößt, ist seine Fahrerlaubnis los, zahlt 50 Euro Bußgeld und bekommt einen Punkt im Verkehrszentralregister
Der Führerschein mit 17 ruft inzwischen auch Autoversicherungen und Automobilclubs auf den Plan. So belohnt der ADAC die niedrigen Unfallzahlen beim Begleiteten Fahren mit einer beitragsfreien Mitgliedschaft. Autoversicherungen locken mit Rabatten für 17-jährige Fahranfänger, weil sie statistisch gesehen ein geringes Unfallrisiko haben als andere Fahranfänger.
Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums werden die Untersuchungen zum Führerschein mit 17 nun mit den Ländern, der Bundesanstalt für Straßenwesen, den Fahrlehrerverbänden, dem TÜV, dem ADAC und dem Verkehrssicherheitsrat erörtert. Der Verkehrsgerichtstag in Goslar hatte sich bereits im Januar für eine bundesweite Einführung ausgesprochen.









Regenwahrscheinlichkeit: