Nach Hauenschilds Angaben wird der Heisenhof in der Dörverdener Ortschaft Barme nicht an Riegers Kinder fallen. Eigentümerin ist die im britischen Handelsregister eingetragene Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation Limited, als deren Direktor Rieger das weitläufige Gelände einschließlich mehrerer Gebäude ersteigert hatte. Die Firma gründete er noch zu Lebzeiten des Namensgebers. Nach dem Tod des Bremer Altnazis im Jahr 2002 war er dessen Testamentsvollstrecker. Tietjen hinterließ sein Vermögen und damit auch die Stiftung nicht Rieger, sondern der 'Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung'.
Dieser eingetragene Verein wolle nun versuchen, den Heisenhof zu verkaufen, sagt Hauenschild. Das wisse er von Riegers Erben und diese wiederum hätten es von der Gesellschaft erfahren. Noch aber ist sie nicht im Besitz der Londoner Stiftung. Hauenschild muss Riegers verzwickte Vermögensverhältnisse für die Erben auseinanderklamüsern. 'Weil es hier um englisches Recht geht, ist das erheblich komplizierter als bei einer deutschen GmbH', sagt er.
Unabhängig davon, sei die Gesellschaft auf der Suche nach einem Käufer für den Heisenhof. 'Sie will sich davon entlasten', sagt Hauenschild und spricht von den Problemen, für das 'politisch belastete' Anwesen Interessenten zu finden.
Politisch belastet ist auch die 'Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung.' Ihre größtenteils akademischen Mitglieder sorgen sich um die 'biologische Substanz' der Deutschen, die durch 'Masseneinwanderung von Ausländern' gefährdet sei. Jürgen Rieger, bekannt geworden auch als Neonazi-Anwalt, war lange Zeit Vorsitzender des Vereins. Dieser wiederum ist personell und ideell eng mit der 'Artgemeinschaft' verbandelt, die ebenfalls von Rieger geführt wurde. Ihre Mitglieder waren häufiger auf dem Heisenhof.
Tauziehen mit Behörden
In Barme hatte Rieger Fruchtbarkeitsforschung betreiben wollen, was die aufgeschreckten Behörden zu verhindern wussten. Es begann ein juristisches Tauziehen, das mit dem Tod Riegers im vergangenen Oktober nicht beendet war. Im Februar 2009 bestätigte das Verwaltungsgericht Stade Verfügungen des Landkreises, wonach die Gebäude auf dem idyllischen Gelände zwischen Bundesstraße 215 und Weser abzureißen seien. Rieger beantragte beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg die Zulassung der Berufung gegen das Urteil. OVG-Sprecher Jürgen Rettberg sagt, eine Entscheidung sei 'gegenwärtig nicht absehbar'.
Seit Kurzem liegt dem Gericht eine neue Vollmacht vor: Danach hat die Wilhelm-Tietjen-Stiftung den Rechtsanwalt Frithjof Arndt aus Radebeul (Sachsen) damit beauftragt, sie juristisch zu vertreten. Arndt sagte gestern auf Anfrage: 'Ich gehe davon aus, dass es mit dem Verfahren im Herbst weitergeht.' Welche Pläne die Stiftung mit dem Heisenhof habe, könne er nicht sagen.
Seltsam, denn Arndt ist selbst Mitglied der rechtsextremen Szene. Nach dem Tod Riegers wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden der heidnischen 'Artgemeinschaft' gewählt, die sich an der Rassenideologie der Nationalsozialisten orientiert. Auch Rieger-Intimus Thomas 'Steiner' Wulff hat Arndt schon gekannt, bevor der neue Geschäftsführer der Tietjen-Stiftung ihn zum Rechtsbeistand in Sachen Heisenhof gemacht hat.
Für Verdens Landrat Peter Bohlmann war es gestern neu, dass sich die Erbin des rund 26000 Quadratmeter großen Geländes mit Verkaufsabsichten trägt. 'Mit den darauf liegenden Abrissverfügungen kann das ja nur einen negativen Preis bringen', sagte er. Das glaubt auch Wolf-Dieter Hauenschild. Die Gemeinde Dörverden sei jedenfalls nicht interessiert, so der Rechtsanwalt. Die Wilhelm-Tietjen-Stiftung hatte für den Heisenhof im April 2004 rund 255000 Euro auf den Tisch gelegt.



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