Wäre nicht das Diakonissenkrankenhaus Rotenburg Anfang des Jahres vierter Gesellschafter geworden, hätte die Aller-Weser-Klinik (AWK) mit ihren beiden Krankenhäusern in Verden und Achim dicht machen müssen, sagte am Mittwoch Landrat Peter Bohlmann in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Aufsichtsrates. Die Rotenburger brachten nicht nur Geld mit, sondern aus einem ehemaligen Konkurrenten, der sich ebenfalls im Einzugsbereich von Bremen behaupten muss, wurde ein Partner.
Im vergangenen Jahr summierte sich der Verlust der Aller-Weser-Klinik auf rund vier Millionen Euro. Anfang des Jahres stand deshalb eine sogenannte Planinsolvenz zur Debatte. Die Klinik habe zu wenig Patienten, stellte Rudolf Hartwig, Sprecher der Geschäftsführung der proDIAKO gGmbH, zu der das Diakonissenkrankenhaus Rotenburg gehört, Ende März fest. Zur genaueren Diagnose der Schieflage des Unternehmens sollten Gutachter eingeschaltet werden. Die haben ihre Arbeit inzwischen erledigt. Ihr Fazit: Die beiden Krankenhäuser in Verden und Achim mit je 150 Betten seien aus betriebswirtschaftlicher Sicht zu klein. Ideal sei ein Neubau an zentraler Stelle des Landkreises.
Damit sei das Problem mittelfristig aber nicht zu lösen, so Peter Bohlmann gestern. Ganz abgesehen von der Investition für einen Neubau von 60 bis 100 Millionen Euro. Außerdem beeinflusse ein zentrales Krankenhaus auch die Notfallversorgung und das Rettungswesen im Landkreis, begründete Bohlmann, warum der Vorschlag der Berater nicht realisiert werden könne. Stattdessen gehe es künftig darum, mehr Patienten zu gewinnen und gleichzeitig die Kosten zu senken.
In Verden könnte der Ausbau der Geburtshilfestation forciert werden, schlug AWK-Geschäftsführerin Marianne Baehr vor, in Achim die Urologie-Abteilung ausgebaut werden. Die beiden AWK-Krankenhäuser sollten sich in Abstimmung mit dem Diako in Rotenburg spezialisieren. Auch eine engere personelle Zusammenarbeit sei anzustreben. Mit deren Hilfe könnte Rotenburg beispielsweise lange Wartelisten für Operationstermine abbauen, sagt Diako-Geschäftsführer Heinz Kölking.
Arbeiten an beiden Standorten
"Um das Konzept durchzusetzen brauchen wir personelle Flexibilität", hob Kölking hervor. Was für das Pflegepersonal nach Angaben von Peter Bohlmann schon gilt, der Einsatz sowohl in Achim als auch in Verden, müsse dann auch für das ärztliche Personal gelten.
Außerdem soll die Geschäftsleitung mit der Gewerkschaft, dem Marburger Bund und den außertariflichen Mitarbeitern über einen sogenannten Notlagentarifvertrag sowie über neue Arbeitszeitmodelle verhandeln.
Wenngleich das Problembewusstsein bei allen vorhanden sei, wie der Aufsichtsratsvorsitzende sagte, begegnen die Mitarbeiter Lohnkürzungen mit großer Skepsis. Denn im Rahmen eines Zukunftssicherungsvertrages haben sie bereits zweieinhalb Jahre lang auf bis zu sechs Prozent Gehalt verzichtet. Erst seit wenigen Monaten bekommen sie wieder ihren vollen Lohn. Im Rahmen der Aufsichtsratssitzung Anfang des Monats hatten Mitarbeiter noch still gegen die Pläne zur Gehaltskürzung protestiert. "Wir wollen keine dauerhafte Tarifflucht", besänftigt Peter Bohlmann.
Sachkosten sollen ebenfalls reduziert werden und der Aufsichtsrat beschloss, mit den Gesellschaftern über die Zinsen für ihre Darlehen zu sprechen. "Vor dem Hintergrund dieser Beschlusslage", heißt es in einer Mitteilung der Geschäftsleitung, "wird derzeit von einer Planinsolvenz abgesehen."


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