Der Wattenrat Ostfriesland protestiert. Die Naturschützer sprechen von „verbogenem Recht“. Die Genehmigung weiterer Kitesurf-Gebiete geschieht auf Antrag der Kommunen durch die Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven. Aktuell ist die Ausweisung von Flächen vor Norddeich, den Inseln Baltrum und Norderney (Kreis Aurich) und Wremen (Kreis Cuxhaven) beantragt. Wattenratsprecher Manfred Knake geht davon aus, dass sich Nationalparkleiter Peter Südbeck „derzeit ohne ausreichende Rechtsgrundlage“ ein ums andere Mal „dem Druck der Freizeitlobby beugen“ werde. Wie im friesischen Hooksiel. Und wie in Upleward im Kreis Aurich, wo im Mai an einer Muschelschillbank ein weiteres Kitesurf-Revier genehmigt wurde. Obwohl dies ein anerkannt wichtiges Rastgebiet für Zugvögel ist.
Nationalparkverwaltung setzt auf Kompromiss
Theodor Schröder, Justitiar der Nationalparkverwaltung, räumt ein, dass von einem „grundsätzlichen Verbot“ auszugehen sei. Schließlich sei auch das Drachensteigenlassen in Ruhe- und Zwischenzonen untersagt. „Auf dieser Basis haben wir gesagt: Es kann nicht sein, dass Kindern, die dagegen verstoßen, ordnungswidriges Verhalten vorgeworfen wird“ – während mit hoher Geschwindigkeit fahrende Kitesurfer unbehelligt blieben. Die Kontrolle ist ein Problem. Die Szene der Kitesurfer schätzt Schröder als „nicht organisiert, hoch mobil und damit schwer zu beeinflussen“ ein. „Das hat dazu geführt, dass die sich bis in die schönsten Nationalparkecken bewegt und dort gestört haben. Denn das Drachensegel signalisiert den Vögeln Gefahr und sie flüchten.“ Dennoch setzt die Nationalparkverwaltung auf einen „Kompromiss“: Die Ausweisung von Kite-Revieren sei grundsätzlich eine Ausnahme – wird bisher aber regelmäßig betrieben. „Vorausgesetzt, sie bedeutet keine Beeinträchtigung“, sagt Schröder. „Damit versuchen wir die Kanalisierung in weniger oder unsensible Bereiche. Das ist ein schwieriger Prozess, der aber dieses Jahr Erfolge gezeigt hat: Die Surfer ziehen mit.“
Was aber sind die weniger empfindlichen Zonen innerhalb eines Nationalparks? Der Auricher Erste Kreisrat Frank Puchert ist verärgert über das Kitesurf-Areal bei Upleward: „Uns ist nicht begreiflich, warum es dort eine Genehmigung des Antrags der Gemeinde Krummhörn gegeben hat. Das ist nur 600 Meter von der Schillbank entfernt, dort rasten bedrohte Vogelarten“, sagt er. Die Vogelschutzrichtlinie außer Acht zu lassen, sei nur möglich, wenn etwa „Gefahr für Leib und Leben besteht oder hoch wichtige Infrastrukturprojekte betroffen wären. Das ist eine Kategorie, die das Kitesurfen nicht erlangt“, sagt Puchert.
Theodor Schröder argumentiert anders: „Als Nationalparkverwaltung haben wir zum Beispiel auch die Aufgabe, die regionale Wirtschaft zu fördern, wenn es nicht den Bestimmungen zuwiderläuft.“ Damit sei man „fast gezwungen“ gewesen, die Ausnahmegenehmigung zu erteilen – um nicht die Küstengemeinden gegen sich aufzubringen, die Interesse an Sporttouristen haben. „Einerseits wächst der Druck auf diese Gebiete“, weiß Schröder, „andererseits ist es doch so: Je weniger die Leute reinkönnen, desto weniger können sie auch die Schutzbedürftigkeit der Bereiche nachvollziehen. Zwischen diesen Polen versuchen wir uns zu bewegen.“ Für Frank Puchert ist die Herangehensweise der Nationalparkverwaltung „grundsätzlich okay, aber der erste Kitesurfer gestaltet nun mal die Situation: Die Vögel sind weg“. Unterdessen hat gestern die Uplewarder Kitesurf-Schule ihren für das Wochenende angekündigten Wettbewerb mit Saisonabschlussfeier abgesagt. „Wir möchten diesen konservativen und engstirnigen Menschen keine Angriffsfläche bieten“, teilte der Betreiber mit.






Regenwahrscheinlichkeit: