Dabei weiß sie, nicht erst seitdem ich ihr von unserem Redaktionsschwein erzählt habe, dass das Schnitzel einmal vier Beine hatte. Der Schlachter in unserer Nachbarschaft hat ihr schon früh den Beweis geliefert. Immer montags kommen die Bauern und Viehhändler mit ihren Kühen, Schweinen und Schafen, vormittags, wenn die Kinder im Kindergarten oder in der Schule sind.
Irgendwann an einem Ferientag hat die Kinder aus der Straße die Neugier gepackt. Gemeinsam sind sie zum Nachbarn und haben die Schweinehälften an den Haken hängen sehen. Abends hat mir meine Tochter dann erzählt, was sie erlebt hatte. Sie war keineswegs schockiert, sondern stolz darauf zu wissen, dass die Wurst nicht in Plastikfolie geboren wurde - genauso wenig wie die Kuh lila ist. Das wusste sie schon länger, angesichts der Schwarzbunten auf den Weiden entlang der Weser.
Irgendwie hat mich das an den Spruch meiner Nichte erinnert, als die noch im Kindergartenalter war. Da stand sie vor der Fischpfanne und guckte andächtig zu, wie sich die noch frische Ware in der Hitze krümmte und ihren Duft in der Küche verbreitete. Sie schnupperte, freute sich aufs Mittagessen und sagte zu den Fischen in der Pfanne: "Ihr seid so lecker, da musste Opa euch eben schlachten. Das geht einfach nicht anders, wenn man Fisch essen will." Die Selbstverständlichkeit, mit der die Kleine die Schlachtung damals betrachtete, war verblüffend natürlich.
Wer Fleisch essen will, muss wissen, dass dafür ein Tier gestorben ist. Wer das nicht will, sollte dann doch besser Vegetarier sein - und bleiben. Was Kinder betrifft, bin ich mit Ernährungsexpertin Ulrike Gonder der Meinung, dass eine ausgewogene Ernährung für sie noch wichtiger ist als für Erwachsene, um sich gesund zu entwickeln. Da darf Fleisch in Maßen nicht fehlen. Dabei kommt es auf die Qualität an. Fischstäbchen sind schließlich auch kein Fisch und Ausnahmemittage etwas ganz Besonderes.


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