"Beim Straßenboßeln rollt die Kugel, beim Klootschießen wird sie geflüchtet", also geworfen, erklärt Jan-Dirk Vogts, Vorsitzender des Friesischen Klootschießer-Verbandes, einen wesentlichen Unterschied zwischen den beiden norddeutschen Traditionssportarten. 40000 Mitglieder zählt der Friesische Klootschießer-Verband, in 262 Vereinen sind sie organisiert. Bereits im 16. Jahrhundert wurde der Begriff des Klootschießens in zahlreichen Urkunden erwähnt. "Beim Wettkampfspiel traten schon damals Dörfer und Gemeinden gegeneinander an", sagt Vogts.
Im Gegensatz zu den Boßelsportlern sind Klootschießer auf gefrorenen Boden angewiesen, da die schweren, mit Blei ausgegossenen Holzkugeln sonst beim Aufschlag in Acker oder Wiese versinken würden. Was für Außenstehende eher wie eine unterhaltsame Freizeitbeschäftigung aussieht, ist für Klootschießer ein ernster Sport. Beim Feldkampf wetteifern zwei Mannschaften um den Sieg. Ziel ist es, die Klootkugel mit möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Strecke zu bringen. Der Werfer nimmt dazu über eine Rampe Anlauf und schleudert die Klootkugel beim Absprung mit einer rasanten Körperdrehung ins Gelände. Für die komplizierte und anstrengende Sprungwurftechnik sei intensives Training unabdingbar, sagt der Verbandsvorsitzende Vogts. Gewonnen hat die Mannschaft, deren Kugel das Ziel zuerst erreicht oder die nach einer festgelegten Anzahl von Würfen am weitesten vorne liegt. Jedes Team hat sieben Werfer, jeder Wettbewerb vier Durchgänge. Der Länderwettbewerb verspricht spannende Partien:
"Die Gewinnchancen zwischen den Mannschaften sind ausgewogen", sagt Vogts. Ein Favorit lasse sich nicht ausmachen.
Austragungsort ist heute und morgen das kleine Bauerndorf Utgast, Geburtsort des Meisterwerfers Gerd Gerdes. 101,50 Meter weit schleuderte er am 18. März 1935 die 475 Gramm schwere Klootkugel. Mehr als 50 Jahre lang hielt er damit den Weltrekord im Klootschießen. In diesen Tagen hätte Gerdes seinen 100. Geburtstag feiern können. Zusammen mit seinem Bruder war er eine feste Größe bei den Klootschießerländerkämpfen gegen das benachbarte Oldenburg. Ihm zu Ehren haben die Friesensportler ihr Übungszentrum in Utgast benannt.


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