Duranowitsch zeigte den früheren Betreiber des Bergwerks, das Helmholtz Zentrum München, an und beantragte bei der Berufsgenossenschaft, dass sein Krebs als Berufskrankheit anerkannt wird. Als auch andere Asse-Mitarbeiter ihre Krebserkrankungen öffentlich machten, reagierte das Bundesamt für Strahlenschutz (BFS). Die Behörde, seit Anfang 2009 Betreiber der Schachtanlage, startete das Gesundheitsmonitoring Asse - eine Ermittlung der Strahlenbelastung für Beschäftigte des Bergwerks. Gestern gab die Behörde die Ergebnisse der zweiten und letzten Phase bekannt. Fazit: Bei den Beschäftigten des Atommülllagers könnten keine Krebserkrankungen infolge von radioaktiver Strahlung bei der Arbeit nachgewiesen werden. "Ihre individuelle Strahlenbelastung durch ihre Tätigkeit in der Asse war zu gering, als dass nach dem Stand der Wissenschaft dadurch nachweisbar Krebserkrankungen ausgelöst werden konnten." Allerdings lasse sich nicht ausschließen, dass es bei Beschäftigten, die das Angebot einer
individuellen Auswertung nicht genutzt hätten, doch zu höheren Strahlenbelastungen gekommen sei.
Damit seien die Ergebnisse des ersten Teils des Monitorings bestätigt worden, sagte ein BFS-Sprecher. In diseer ersten Runde hatte das Bundesamt bis Anfang 2011 die Mess- und Beschäftigungsdaten des Helmholtz Zentrum München für knapp 700 von 1967 bis 2008 in der Asse beschäftigte Personen ausgewertet. Konkret wurde für diese Mitarbeiter die sogenannte effektive Dosis der Strahlung in Millisievert berechnet. In diesen Wert flossen die äußere Strahlung aus der Umgebung beziehungsweise durch Radionuklide auf der Haut sowie die innere Belastung durch Einatmen und Verschlucken ein. Die für die Beschäftigten anonymisiert ermittelte Belastung hat zwischen zwölf und 115 Millisievert gelegen. Bei sieben Personen, die entweder in der Anfangszeit oder über einen längeren Zeitraum im Bergwerk tätig waren, sei eine Belastung von mehr als 100 Millisievert festgestellt worden. Nach der Strahlenschutzverordnung sei eine "Berufslebensdosis" von 400 Millisievert zulässig.
Das BFS hat allerdings schon vor einem Jahr eingeräumt, dass es besonders in den ersten Jahren der Atommülleinlagerung "Datenlücken" gab. Die bestehenden Lücken seien von den BFS-Experten durch persönliche Befragungen und Festlegung von "Ersatzwerten" geschlossen worden.
In der nun beendeten zweiten Phase des Monitorings konnten die Mitarbeiter beim BFS ihre persönliche Strahlenbelastung abschätzen und ein mögliches Erkrankungsrisiko bewerten lassen. Dabei wurden - zusätzlich zu den Erkenntnissen aus dem ersten Teil - Angaben über den Umgang mit möglicherweise radioaktiv belasteten Laugen oder über eine Beteiligung an Versuchen mit radioaktiven Quellen erfragt. Allerdings nutzten nur 33 der 700 im Gesundheitsmonitoring berücksichtigten Mitarbeiter das Angebot. Und nur 22 füllten den vorgesehenen Fragebogen aus. Darunter waren nach BFS-Angaben auch Personen, die bereits in der Einlagerungsphase in der Asse gearbeitet hatten.
Das Thema ist aber noch nicht vom Tisch. Ende 2010 war in der Umgebung des Atommülllagers eine erhöhte Krebsrate bekannt geworden. Zwischen 2002 und 2009 erkrankten in der Samtgemeinde Asse 18 Menschen an Krebs, statistisch zu erwarten gewesen wären aber nur acht Fälle. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Wolfenbütteler Landrats Jörg Röhmann (SPD) will diese Häufung aufklären.


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