Seit Freitag muss sich der 58-Jährige wegen Mordes vor dem Landgericht Oldenburg verantworten - mehr als acht Jahre nach dem blutigen Verbrechen in Goldenstedt (Kreis Vechta). Denn der Verdächtige war danach sofort in sein Heimatland geflüchtet. Im August 2011 überstellten ihn die Behörden nach Deutschland. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist er der erste Verdächtige überhaupt, der von Pakistan nach Deutschland ausgeliefert wurde.
Heimtückisch habe er seine Tochter und seinen 32 Jahre alten Schwiegersohn ermordet, warf ihm Anklagevertreter Rasmus Langemann vor. Die 20-Jährige hatte Anfang Oktober 2003 ihren Vater angerufen und erzählt, dass sie geheiratet habe. "Der Angeklagte fühlte sich aufgrund seiner religiösen Überzeugung durch die Heirat seiner Tochter zutiefst in seiner Ehre verletzt und fasste den Beschluss, die beiden zu töten."
Dennoch habe er so getan, als habe er nichts gegen die Hochzeit, sagte Langemann. Er lud das Paar für mehrere Tage in seine Wohnung in Goldenstedt ein, wo die Familie lebte. Am Morgen des zweiten Tages stach er mit einem Küchenmesser auf seinen schlafenden Schwiegersohn ein und verletzte ihn schwer.
Als seine Tochter, die nebenan bei ihrer Schwester übernachtet hatte, das Zimmer betrat, griff er auch sie an. Sie sank tödlich getroffen zu Boden. Der Schwiegersohn versuchte noch, sich zur Tür zu schleppen. Doch der Verdächtige verhinderte seine Flucht, in dem er mehrmals mit dem Messer auf ihn einstach.
Am ersten Prozesstag sagte der Sohn des Verdächtigen als Zeuge aus, er konnte sich aber angeblich kaum noch an die Ereignisse erinnern. Bei der Polizei hatte er damals angegeben, dass seine jüngste Schwester ihn am Morgen geweckt habe. Seine Mutter habe geweint und gesagt: "Guck mal, was Dein Vater gemacht hat." Dann habe er die beiden Toten in dem Zimmer am Ende des Flurs liegen sehen.
Der 58-Jährige wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Auch seine Frau und seine älteste Tochter machten keine Angaben. Der Mann war in den 90er Jahre nach Deutschland gekommen, um als Bauarbeiter Geld zu verdienen. Seine Frau und die fünf Kinder kamen 2000 nach. (dpa)


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