Die Vorwürfe der Tierschutzorganisation PETA, die Strafanzeige gegen Wiesenhof stellte, lauten: Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, Verstöße gegen die Tierschutz-, Schlacht- und Transportverordnung, gegen Seuchen- und Hygieneverordnungen sowie gegen Umweltschutzgesetze. Den Wirbel ausgelöst hatte Montagabend ein Bericht des ARD-Fernsehmagazins „Report Mainz“, in dem über die Tierquälerei berichtet wurde. Die Pächter der Farm, Kerstin Wessels und Steffen Pohl, hatten sich Ende Mai an PETA gewandt und die Organisation um Hilfe gebeten. Wessels und Pohl sahen sich nach eigenen Angaben dazu veranlasst, weil das größte deutsche Geflügelunternehmen auf die gemeldeten Missstände nie reagiert habe. PETA stellte daraufhin die Kameras zur Verfügung, die Wessels und Pohl auf ihrer Farm mit rund 26.000 Hühnern und Hähnen versteckt installiert hatten.
Auf den „Undercover-Aufnahmen“ ist zu sehen, wie die Tiere dicht gedrängt, ohne Tageslicht auf ihrem eigenen Kot gehalten werden. Täglich seien dort viele verendet, heißt es in einem eigenen Video-Bericht der Tierschutzorganisation. Die Aufnahmen zeigen, wie Angestellte des Wiesenhof-Konzerns, ein sogenannter „Impftrupp“, die Hähne, die nach fünfmonatiger Haltung auf der Mastelterntierfarm ausgemustert wurden, mit brutaler Gewalt in Transportkisten schleudern.
Wie soll das Ministerium auf die Zustände in Twistringen reagieren?
Der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, Hahne, der privat selber Hühner hält, sagte dazu: „So wie da die Hähne in die Transportbox gepfeffert wurden, da wurde mir ganz anders. So etwas darf man nicht dulden.“ Die PHW-Gruppe, zu der Wiesenhof gehört, dulde das auch nicht länger und habe inzwischen zwei Mitarbeitern des Impftrupps gekündigt, sagte Wiesenhof-Sprecher Frank Schroedter gestern. Weiterhin werde das Geflügelunternehmen nicht mehr mit dem für die Verladung zuständigen Fremdunternehmen zusammenarbeiten. Das sogenannte Räumkommando dieser externen Firma soll Hühner am Hals gepackt und mehrere Meter weit gegen Wände geworfen haben. Das Video zeigt, wie Mitarbeiter mit Hühnern beladene Transportkisten aus eineinhalb Metern auf einen Lastwagen werfen.
Das Vertragsverhältnis mit den Pächtern der Twistringer Elterntierfarm – dort werden Hühner gehalten, die Bruteier für die spätere Masthaltung legen – besteht laut Wiesenhof seit November nicht mehr. PETA gab jedoch bekannt, dass nicht etwa Wiesenhof, sondern die Pächter das Vertragsverhältnis gekündigt haben. Argwöhnisch sind Wessels und Pohl bereits geworden, als sie im Februar 2009, nach erst einmonatiger Pacht der Farm, ein Wiesenhof-Infoschreiben an alle Farmleiter bekamen. „Aus gegebenem Anlass (Tierschützer sind unterwegs)“ wurde gebeten, „bei Arbeiten des Impftrupps“ sowie „bei Aus- und Einstallungen möglichst die Türen geschlossen zu halten“. Weiter heißt es in dem Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, die Tierschutzanforderungen seien „so gut wie möglich“ einzuhalten.
Die Diepholzer Kreisveterinärin Anja Eisenack sagte zu den „zum Teil schon gruseligen“ Bildern: „Wir müssen das Material jetzt weiter auswerten, und wir werden mit der zuständigen Staatsanwaltschaft Kontakt aufnehmen.“ Mit der Ermittlungsbehörde hat inzwischen auch Wiesenhof Kontakt aufgenommen – und Strafanzeige gegen die Pächter und PETA gestellt. Der Vorwurf des Geflügelgiganten: „Die Pächter sind ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen, und PETA hat die Verstöße über Monate zugelassen.“


Regenwahrscheinlichkeit:
