Gerd Peschel kann sich vor Anfragen kaum retten. Vor zwei Wochen stellte der Vertriebspartner einer Herstellerfirma für künstliche DNA in der Beckedorfer Schule vor mehr als 100 Bürgern den Hoffnungsträger künstliche DNA vor. Inzwischen liegen Peschel nach eigenen Angaben 66 Bestellungen für Sets mit der Markierungsflüssigkeit vor. Einige hat er schon verteilt. "Das ist Gespräch im Dorf", sagt Ursula Sudholz. Die Beckedorferin initiierte den Infoabend in der Wiesenschule.
Einbrüche im eigenen Ort und jenseits der Landesgrenze im Bremer Norden haben viele Beckedorfer verunsichert. Auch Anwohner der Straße Am Rosenbusch. Mit Anliegern der Nachbarstraße Im Rosenbusch auf Bremer Gebiet haben sie sich zu einer Initiative zusammengeschlossen. 20 Bürger sind Ende 2011 aktiv geworden. Ein großes Schild in jeder Straße verkündet es: Hier schützen sich Bürger mit künstlicher DNA. "Alle haben mitgemacht", erzählt Initiatorin Susanne Körner. In ihrer Straße ist zwar nicht eingebrochen worden. "Aber wir hören von Einbrüchen in Blumenthal und im obereren Beckedorf. Das ist beängstigend." Die künstlichen DNA ist für sie "eine günstige Alternative zur Alarmanlage". Körner hofft auf die abschreckende Wirkung. "In Bremen-Nord sollen Anwohnerinitiativen gute Erfahrungen machen."
Ende des Jahres zog der Leiter der Polizeiinspektion Nord und Leiter des Nordbremer Modellprojektes, Uwe Schröter, eine erste vorsichtige Bilanz. Von "ersten Hinweisen" auf einen abschreckenden Effekt war die Rede. Ende 2011 gab es in Bremen-Nord 75 Initiativen, die mit künstlicher DNA ihr Eigentum sichern. Die Nachbarschaftsinitiative Lüssum war bremenweit die Erste. 20 Anwohner der Straße An der Lehmkuhle und der Mühlenstraße waren es Leid, Zielscheibe von Einbrechern zu sein. "An der Lehmkuhle war in jedes zweite Haus eingebrochen worden, in einigen mehrfach", erzählt Initiator Detlef Gorn. Die Anwohner machten Druck, holten den damaligen Polizeipräsidenten nach Lüssum. Mit der Polizei entwickelten sie ein Sicherheitskonzept: Die Polizei ließ sich oft vor Ort blicken, Beamte informierten Anwohner über sicherheitstechnische Maßnahmen am Haus, Anwohner alarmierten einander per Sammel-SMS. Die künstliche DNA war ein weiterer Baustein. Das Gesamtpaket hat gefruchtet: "Seit eineinhalb
Jahren haben wir totale Ruhe."
Die Polizeiinspektion (PI) Verden/Osterholz will laut Sprecher Jürgen Menzel die Resultate des Bremer Pilotprojektes abwarten. "Wir werden die Ergebnisse sehr genau betrachten." Auf markiertes Diebesgut sind die Osterholzer laut Menzel vorbereitet: "Alle Dienststellen im Landkreis sind mit UV-Lampen ausgestattet." Das spezielle UV-Licht macht die künstlichen DNA-Spuren sichtbar. Jeder Streifenwagen habe eine Lampe "für die erste Erkennung" an Bord. "Für weiterführende Untersuchungen gibt es einen Auswertungsplatz im Polizeigebäude in Osterholz." Neben verstärkten Streifen auf der Straße setze man in Niedersachsen "sehr stark auf technische Prävention".
Die PI Verden/Osterholz habe mit Jürgen Moje einen Beauftragten für Kriminalprävention. Er informiere in Vorträgen. Und: "Er kommt ins Haus und berät jeden Bürger individuell." Zu erreichen ist Jürgen Moje unter der Telefonnummer 04231/ 806108.



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