Osterholz-Scharmbeck. "Mit einem Investitionsvolumen von rund 30 Millionen Euro ist dieses Bauprojekt buchstäblich das größte, das in der Stadt jemals angeschoben wurde", sagte gestern Wolfgang Röll, Geschäftsfüher des Möbelhauses. Wie berichtet, gab es die ersten Pläne zum Meyerhoff-Center Ende der Neunzigerjahre; Anfang 2000 begann das Familienunternehmen unter Leitung von Chefin Inge Küster, das Konzept zu entwickeln. Das große Ziel ist es, den Standort in Buschhausen zu stärken, mit dem Möbelhaus als Teil eines großen Ganzen.
Nach mehr als zehnjähriger Planung, langen Debatten im Ratsausschuss für Stadtentwicklung sowie Rückschlägen hinsichtlich früherer potentieller Investoren kann man jetzt zugucken, wie das Einkaufscenter wächst. Hagebau will "im Oktober/November" eröffnen; Famila machte am vergangenen Wochenende mit einer großen Zeitungsanzeige ernst. In ihr wurden die Gewerke ausgeschrieben. Zu ihnen zählen die Räumlichkeiten für weitere Dienstleister und Einzelhändler - unter anderem eine Apotheke, ein Blumenfachgeschäft und ein Friseursalon.
Insgesamt erschließt Meyerhoff mit den Vertragspartnern beider Unternehmen am Hördorfer Weg und an der L149 zirka 80000 Quadratmeter Fläche. "Wir selbst nehmen fünf Millionen Euro in die Hand", informierte Wolfgang Röll. Das Möbelhaus will zunächst in eine neuen Fassade und einen neuen Eingangsbereich investieren; zudem wird der Parkplatz umgebaut. "Ab Ende des Jahres geht es innen weiter."
Die Grundlagen für das Großprojekt schafft ein Oldenburger Tiefbauunternehmen. Man ist das als Osterholz-Scharmbecker nicht gewohnt: Die örtliche Baufirma Gottfried Stehnke, überregional aufgestellt und prädestiniert für den Auftrag, scheiterte in der Ausschreibung an den kalkulierten Preisen. Dass ein vor Ort ansässiges Unternehmen, mit 300 Mitarbeitern einer der bedeutendsten Arbeitgeber in der heimischen Wirtschaft, am Ende leer ausging, "ist bedauerlich", quittierte Geschäftsführer Cord Schnibben gestern den Sachverhalt. Die Ausschreibung der einzelnen Gewerke sei eine Chance für die heimische Bauwirtschaft und das Handwerk, hatte die Meyerhoff-Geschäftsführung vor der Ausschreibung betont. Bei gleichem Preis-Leistungsverhältnis der Angebote bleibe die Arbeit in der Region.
Lange Planungsphase
Stichwort scheitern: Eine Zeitlang sah es so aus, als ob das ganze Meyerhoff-Projekt zum Scheitern verurteilt wäre. Federführend für die Stiftung Meyerhoff hatte Fritz Bokelmann, der frühere Volksbankchef, zusammen mit Wolfgang Röll und der Hildesheimer Bauträgergesellschaft Hanseatic Group nach Investoren gesucht. Die Dinge gerieten ins Stocken, nachdem die angesprochenen Expansionsfachleute großer Handelshäuser abwinkten: Ihnen schien der Standort Osterholz-Scharmbeck zu unsicher. Dann griff Hagebau zu beziehungsweise die "Baustoff Zentrale Nord", ein Gesellschafterverbund mit Sitz in Aurich, der als Franchise-Nehmer acht der bundesweit 300 Hagebaumärkte betreibt. Für Meyerhoff war der Vertrag mit dem ostfriesischen Unternehmen eine Überlebensversicherung; es generiert bundesweit Milliardenumsätze. Als schließlich auch Familia ins Projekt einstieg - der Lebensmittler unterhält 80 Einkaufsmärkte in Deutschland und wird von der Kieler Unternehmensgruppe Bartels-Langness
gemanagt - war die Welt wieder in Ordnung.
Mit den beiden Großinvestoren sind Röll und Bokelmann am Ziel. Der Famila-Betreiber hat 45000 Quadratmeter Fläche am Hördorfer Weg gekauft. 3000 Quadratmeter sind für den Lebensmittelmarkt verplant, 500 Quadratmeter für die kleineren Geschäfte. Hagebau erschließt an der Landesstraße (Betonstraße) ein rund 35000 Quadratmeter großes Areal. Die Kunden sollen ab Jahresende auf 12500 Quadratmeter Verkaufsfläche für Baumarkt und Gartencenter auf ihre Kosten kommen. Ebenfalls geplant: eine eigene Zufahrt sowie neue Zuwegungen aus Richtung Möbelhaus. "Und es gibt Jobs", so Röll. "Wir rechnen mit 180 neuen Arbeitsplätzen."
Verwaltung und Rat ebneten den Weg fürs Meyerhoff-Center während der Planungsphase. Es ging dabei auch um die "Kaufkraftverteilung" im Stadt- und Kreisgebiet. Die Grünen lehnten das Projekt ab, weil sie es in Sachen Handel und Wandel für schädlich halten. Die Stadt entwickelte einen "Masterplan" zur Steigerung der Innenstadt-Attraktivität. Für die Meyerhoff-Macher steht fest: Der "Einkaufspark" werte den Standort Buschhausen auf, ohne die Stadtmitte abzuwerten.



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