Doch wie kam es zu dieser in der Region wohl einmaligen Kooperation? 'Das ging plötzlich alles sehr schnell', erzählt Tierheimleiter Stefan Kirchhoff. Die Hundefriseurin habe kurz vor dem Tierheimfest im September erstmals Kontakt mit ihm aufgenommen und dann noch am Fest mitgewirkt. 'Das lief sehr gut, und schließlich hat sie bei uns wegen eines Raumes angefragt.' Kurzum wurde der Frühstücksraum fürs Personal verlegt, sodass Knublauch ihren Salon im Eingangsbereich beziehen konnte. 'Für uns ist es ein großer Vorteil, solch einen Service im Haus anbieten zu können', sagt Kirchhoff. 'Die Leute gucken öfters im Tierheim vorbei und behalten es in guter Erinnerung.'
Für Silvia Knublauch ist mit der Kooperation auch das Risiko des Schritts in die Selbstständigkeit ein wenig abgefedert. Denn vorerst wird sie keine Miete bezahlen, sondern dafür ehrenamtlich dem Tierheim zur Verfügung stehen. 'Manche Hunde kommen bei uns in einem katastrophalen Zustand an', erzählt Kirchhoff. Dann müssten sie erstmal fit gemacht werden. 'Bislang wurden sie dann meistens einfach geschoren - das war schon etwas radikal.' Künftig kümmert sich die Hundefriseurin um diese Härtefälle - und sie wird auch bei einigen bereits vermittelten Tieren noch mal Hand anlegen, damit sie ihr Übergangs-Domizil in einem ordentlichen Zustand verlassen. Tierheimleiter Kirchhoff betont aber auch: 'Das heißt nicht, dass ein Anspruch besteht, dass jeder Hund von uns absolut fein gemacht wird - mit lackierten Fingernägeln und so weiter...'
Ein Stichwort, auf das Silvia Knublauch gerne einsteigt: 'Natürlich sollen Tiere auch schön aussehen. Mir geht es aber vor allem darum, dass die Hunde gesund und gepflegt sind.' Übertriebene Vermenschlichung lehnt sie ab. 'Krallen bunt lackieren oder Herzchen einrasieren - so etwas würde ich nie machen.' Sie hofft, durch den Kontakt zur Tierheimkundschaft auch dauerhaft Kunden für sich zu gewinnen. Schließlich will und muss sie über kurz oder lang auch Geld verdienen mit ihrem Salon. Deshalb vergibt sie bei vermittelten Hunden Gutscheine für weitere Behandlungen.
Eigentlich kommt Silvia Knublauch aus einer ganz anderen beruflichen Richtung: Sie war fast 30 Jahre lang Berufskraftfahrerin, steuerte Reisebusse, Lastwagen und sogar Straßenbahnen durch die Gegend. 'Aber ich hatte immer schon Hunde, mit denen ich auch auf Ausbildung war. Da habe ich im Laufe der Jahre viele Erfahrungen gesammelt.' Schließlich arbeitete sie auch als Hundetrainerin. 'Da kamen natürlich auch viele Fragen auf, zum Beispiel wegen der Körpersprache.' Ihr Wissen darüber vertiefte Knublauch während ihrer Ausbildung zur Tierpsychologin und Verhaltenstherapeutin in Osnabrück. 'Anschließend habe ich ein Jahr lang bei der Tierhilfe in Rotenburg in diesem Bereich gearbeitet ', erzählt die gebürtige Bremerin.
Nach einer weiteren Ausbildung hat Silvia Knublauch mittlerweile auch ihr Diplom als Hundefriseurin - beziehungsweise 'Groomer', so der aus dem Englischen stammende Fachbegriff. Gebissen wurde sie bislang noch von keinem der tierischen Kunden. 'Die Hunde lassen sich die Behandlung meistens gerne gefallen', sagt Knublauch, 'manchmal muss ich mich aber schon behaupten.' Was der ausgebildeten Tierpsychologin aber nicht allzu schwer fallen dürfte. 'Die Tiere kommunizieren mit mir - und ich mache mir Gedanken, wie ich ihr Verhalten zu deuten habe.'
Geschoren werden die Hunde im Tierheim ab sofort nur noch, wenn es nicht anders geht. 'Wer den Hund schert, nimmt ihm sozusagen seinen Wintermantel', findet Silvia Knublauch. 'Abschneiden ist immer noch möglich. Aber ich versuche zum Beispiel lieber, die Unterwolle herauszuholen', erklärt die Hundefriseurin. 'Dann kommt Luft an die Haut. Und das Haar kann besser wachsen, auch das Deckhaar sieht nicht mehr so matt aus.' Golden Retriever sollte man beispielsweise überhaupt nicht scheren, rät sie. 'Dann sind nämlich auch die Farbpigmente weg und sie sehen weiß aus.' Das Argument, dass Hunde wegen der Hitze im Sommer ihr Fell lassen müssen, lässt Knublauch so nicht stehen: 'Hunde schwitzen durch ihre Pfoten, nicht durchs Fell.'
Die Preise für ein Styling bei Silvia Knublauch richten sich nicht direkt nach der Rasse, sondern nach der Größe und dem Zustand des Hundes. Und die können im Tierheim auch gebadet werden. Bislang ist die Hundefriseurin begeistert von der Zusammenarbeit mit dem Team der Arche Noah. 'Das macht irre Spaß, wir arbeiten Hand in Hand.'
Und auch Tierheimleiter Stefan Kirchhoff ist von der Zukunftsträchtigkeit der Kooperation überzeugt: 'Vielleicht findet bei der Gelegenheit ja auch der eine oder andere Kunde von ihr seinen Zweithund bei uns.'



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