'Die erste Sendung war etwas stockend, aber man muss ja die Zähne auseinander bekommen, die Leute wollen schließlich auch unterhalten werden', erinnert sich Ruske, der sein Geld im Außendienst verdient. Zuvor hatte er noch nie mit Radioarbeit zu tun. Zwei bis drei Mal in der Woche setzt sich der 45-Jährige vor das Mikrofon und aktiviert seine Festplatte, denn die gespielte Musik findet selbstredend nur den digitalen Weg zum Hörer. 'Natürlich wird nur abends gesendet, denn tagsüber arbeiten ja die meisten Menschen.' Musikalisch geht es querbeet. 'Wir spielen Rock, Hardrock, aber auch Schlager und Techno. Auf jeden Fall kann man bei uns Sachen hören, die bei den normalen Radiosendern kaum zu hören sind.'
Was genau abends gespielt wird, darauf haben auch die Hörer Einfluss, denn über einen angeschlossenen Chat können sie ihre Wünsche äußern. Allzu viele Hörer darf Ruske dabei jedoch nicht begrüßen, lediglich 15 bis 20 finden den Weg vor die Computerlautsprecher. 'Aber die sitzen überall verstreut, von der Nordsee bis nach Bayern, und sogar in Österreich haben wir Hörer.' Einmal schaffte es das Radio-Nightflight jedoch knapp 700 Hörer vor den Lautsprechern zu versammeln. Damals berichtete ein Chatter live von einem Eishockey-Spiel in Essen.
Damit auch alles legal zugeht, achtet Ruske streng darauf, dass die monatlichen Gebühren an die Gema sowie an die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsrechten gezahlt werden. 'Das sind zusammen 80 Euro.' Und illegal aus dem Netz heruntergeladene Musik kommt ihm schon gar nicht auf die Festplatte. Am liebsten hört Reske Hardrock. 'Ich bin ja im Aladin in Bremen groß geworden.' Und so zählen zum Beispiel auch Bands wie Axxis und Gotthard zu seinen Favoriten.
Begonnen hatte alles mit Langeweile. Im Jahr 2001 wühlte sich Ruske aus Jux und Dollerei durch verschiedene Chaträume - und war enttäuscht: 'Viele waren schlecht betreut und teeniehaft, es wurde viel gelabert.' Also hob er ein paar Wochen später einen neuen Chat aus der Taufe: Der Chat ab 30. Kurze Zeit später folgten weitere Chats. Dazu bildeten sich Diskussionsforen zu allen möglichen Themen. Heute sind viele Chatter Stammgäste. Im März des vergangenen Jahres gründete Ruske mit Gleichgesinnten einen Verein, der auf den Namen Der Chat ab 30 hört. 'Wahrscheinlich sind wir der einzige Chatterverein in Deutschland', vermutet Ruske. Bereits im Mai 2004 war Radio-Nightflight auf Sendung gegangen - unter der Leitung von Ruske. Zwar musst er zwischenzeitlich aus beruflichen Gründen eine Auszeit nehmen, doch seit Januar 2007 ist er wieder regelmäßig auf Sendung.
Natürlich muss er nicht alleine alle Sendungen gestalten, auch andere Moderatoren sind noch an Bord - gleichwohl suchen die Radio-Macher noch Verstärkung. Viel Vorwissen ist nicht vonnöten, jede Menge Musik sollten die Aspiranten aber auf ihren Festplatten vorweisen können. Den Rest bringen Ruske und Co. den angehenden Moderatoren schon bei. Wer sich bewerben möchte, findet hier weitere Informationen. Dort gibt es natürlich auch einen Link zum Radio-Nightflight.



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