Treffpunkt am Mittwoch ist um 18.50 Uhr an der Kreuzung Kabelweg/In den Fuhren. Nach und nach trudeln die Läufer ein, fast alle stecken in atmungsaktiver Funktionskleidung und natürlich in Joggingschuhen. Insgesamt 36 Starter sind heute dabei, sie bilden einen Halbkreis. Das Aufwärmprogramm folgt. Reineke macht jede Übung vor, die Gruppe wiederholt sie. Nur links in der Ecke, da wird auf die Dehnübungen verzichtet. "Ein paar hat man immer dabei, die haben einfach keine Lust darauf. Oder sie machen es eben nach dem Laufen", erklärt Reineke. Dann geht es los.
Seit 1978 gibt es den Lauftreff in Weyhe mittlerweile, doch Reineke ist eigentlich schon immer gelaufen, sagt er. Früher, als Leichtathlet, lag sein Schwerpunkt auf der Mittelstrecke, doch er hat alle Distanzen von 100 Meter bis Marathon absolviert. Seinen letzten Marathon ist er 1996 gelaufen - in New York City natürlich. Aber heute geht es nicht über die Brooklyn Bridge, sondern über den Barrier Berg.
"Fuchsi" richtet sein Augenmerk heute besonders auf die Anfänger. "Sind wir zu schnell?", fragt er ein ums andere Mal und dreht sich vorsorglich nach hinten um. Aber es scheint noch alles in Ordnung zu sein. Gleich neben ihm traben Sabine und Margrit, Nachbarinnen aus Kirchweyhe, über den Waldweg. Sabine ist gerade wieder ins Training eingestiegen, nachdem sie im vergangenen Herbst schon ein paar Mal beim Lauftreff gestartet ist. Die Grundkondition ist auf alle Fälle noch da. "Ich habe im Winter Aerobic gemacht", verrät sie. Ihr Ziel: die Zehn-Kilometer-Marke. Aus der Zeitung hat sie vom Lauftreff erfahren, erzählt sie, ohne dabei aus der Puste zu kommen.
Nicht zu schnell, kleine Schritte
Darauf legt Reineke großen Wert: Nicht zu schnell, kleine Schritte. "Dann erkennt man auch schneller die Fortschritte." Wie viele Weyher er mittlerweile schon ins Laufen gebracht hat, das kann Reineke noch nicht mal selbst ungefähr sagen. Die meisten glauben ihm nicht, wenn er ihnen versichert, dass sie bald eine Stunde am Stück laufen könnten. Nach dem dritten, vierten Termin peilt er eine Viertelstunde am Stück mit den Neuen an, bald darauf dann schon eine halbe Stunde. "Und dann ist es bis zur vollen Stunde nicht mehr weit", erklärt er.
Es geht weiter über Stock und Stein durch den Wald und über Feldwege. Die Mücken sirren - und das sind längst nicht die einzigen Tiere, mit denen sich die Weyher Läufer hier schon herumgeschlagen haben. "Vor ein paar Jahren wurden einige Läufer von einem Bussard attackiert", erinnert sich Reineke. Zum Glück ist das Ganze ohne größere Blessuren über die Bühne gegangen. Überhaupt, richtig verletzt habe sich eigentlich noch nie jemand, sagt "Fuchsi". Vielleicht auch eine Folge des Aufwärmtrainings.
Auf der linken Seite taucht jetzt der Golfplatz Syke auf, einige Spieler tummeln sich auf dem Grün. Die Laufgruppe aus Weyhe hat sich mittlerweile auseinandergezogen wie bei einer Bergetappe der Tour de France. Jeder läuft in der Gruppe, in der das für ihn optimale Tempo herrscht. Sabine hält weiterhin eisern an Reinekes Seite durch. Sie sagt: "Es ist für mich einfach motivierender, in einer Gruppe zu laufen." Und beim Schnacken unterwegs vergisst man auch die Strapazen der Strecke ein bisschen leichter.
Mit dem Rad aus Fischerhude
Der Lauftreff Weyhe hat heute etwa 80 bis 100 Mitglieder - und ist kein Verein. Das ist Reineke ganz wichtig. Das heißt, es sind keine Beiträge zu bezahlen, sondern es geht nur um die Freude an Bewegung. "Wir haben Mitglieder aus Syke und Stuhr, natürlich viele aus Weyhe. Einer kommt sogar jedes Mal aus Fischerhude. Und zwar mit dem Fahrrad", betont Reineke. Insgesamt vier Termine gibt es pro Woche für das Training, nachzulesen auf der (sehr guten) Seite www.weyher-lauftreff.de im Internet. Doch die Läufer beschränken ihren Kontakt nicht auf das Training im Wald. "Es gibt jedes Jahr eine große Gartenparty, dazu machen wir viele Ausflüge zum Wandern oder auch Radtouren", verrät "Fuchsi".
Langsam geht es auf die Zielgerade. "Da vorne rechts ab", kommandiert Reineke Sabine und Margrit, die schon geradeaus laufen wollten. "Das ist eine meiner bekannten Schleifen", erklärt Reineke schmunzelnd, "wir liegen ja noch gut in der Zeit." Auch er ist nach dem Muskelfaserriss gerade wieder dabei, mehr Kondition aufzubauen. "Ich habe sechs Wochen pausieren müssen", sagt er. Nach der Rückkehr sammeln sich die Läufer wieder an der Kreuzung, von der aus gestartet wurde. Die ersten Getränke werden geöffnet. Handtücher stehen bei dem schwülen Wetter hoch im Kurs. Es wird geschnackt und gefachsimpelt. "Es macht mir einfach Spaß, Leuten das Laufen beizubringen", erklärt Reineke. Das Ergebnis ist zu sehen - viermal pro Woche im Wald von Jeebel.



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