Bassum-Nienstedt. Geruchsbelästigung, Lärm, Verkehrszunahme: Das befürchten zahlreiche Bewohner in Nienstedt, wenn die Pläne einer Hähnchenmastanlage in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Rund 40 Einwendungen sind beim Landkreis Diepholz gegen die geplanten zwei Hähnchenmastställe eingegangen, erklärte Joachim Homburg, stellvertretender Kreisbauamtsleiter. Homburg: "Es wäre eine der größten Hähnchenmastanlagen im Landkreis." Der Investor, bei dem es sich um einen Nienstedter handelt, will dort im Osten der Gemarkung in freier Natur laut Homburg zwei Ställe mit jeweils 58000 Tieren errichten. Selbst wollte sich der Investor im Moment noch nicht öffentlich äußern.
Der Landkreis ist Genehmigungsbehörde. Die erforderliche Umweltverträglichkeitsstudie sei nach Homburg "unproblematisch" verlaufen, "auch die Emissionsrichtwerte wurden eingehalten." Aber er schließt nicht aus, dass sich aus den Einwendungen noch weitere "Arbeitsaufträge" für Verwaltung und Investor ergeben könnten. Die Einwendungen werden am 16. Februar während eines öffentlichen Erörterungstermins im großen Sitzungssaal des Diepholzer Kreishauses behandelt. Beginn ist um 16 Uhr.
Die Stadt Bassum konnte nur eine planungsbaurechtliche Stellungnahme zu dem Projekt abgegeben, wie Bürgermeister Wilhelm Bäker mitteilte. Und die fiel positiv aus: "Man kann zu Massentierhaltung stehen, wie man will. Sie ist in Deutschland aber nicht verboten." Allerdings wünscht sich die Stadt, dass die Straßen entsprechend ausgearbeitet werden und dass sich der Investor um die Unterhaltung der Zuwegung kümmert.
SPD, Die Linke und Grüne in Bassum sind allerdings strikt gegen das Vorhaben. Die Sozialdemokraten führen unter anderem baurechtliche Bedenken an. Die Zuwegung müsse mindestens 3,50 Meter breit sein. Das sei nicht gegeben. "Auch inhaltlich lehnen wir das Vorhaben ab", sagte SPD-Fraktionschef Christoph Lanzendörfer. Die Linke, im Bassumer Stadtrat durch Peter Faßbinder vertreten, hat Einwendungen gegen das Vorhaben formuliert. "Es gibt viele ethisch-moralische Gründe gegen die Massentierhaltung und gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft", teilt die Partei in einer Pressemitteilung mit. "Durch die Industrialisierung wird vielen kleinen landwirtschaftlichen Betrieben das Wasser abgegraben, mit der Folge, dass diese das Handtuch werfen und sich ins soziale Aus begeben." Rainer Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen, unterstützt Faßbinder in dieser Angelegenheit: "Er macht hier urgrüne Politik." Massentierhaltung sei leider nicht ungesetzlich. Sich dagegen zu positionieren,
aber ein legitimes Mittel.
Bassums CDU-Fraktions- und Stadtverbandsvorsitzende Cathleen Schorling dagegen hält fest, dass man "generell die heimische Landwirtschaft unterstützen" solle. Schorling: "Aber es muss alles vorher ordnungsgemäß geprüft werden." Wenn eine Anlage dieser Art genehmigungsfähig sei, spreche nichts dagegen, findet Christian Porsch, Frakionschef des Bürger-Blocks. "Auch Landwirte müssen die Möglichkeit haben, sich entwickeln zu können." Generell seien solche Anlagen mittlerweile Standard. Die "romantische Landwirtschaft" gebe es nicht mehr. Nienstedt Ortsvorsteherin Dörte Binder heißt es "grundsätzlich gut, wenn in Nienstedt investiert wird." Sie könne die Bedenken der Dorfbewohner in puncto Lärm, zusätzlichen Verkehr und eventueller Geruchsbelästigung aber sehr gut nachvollziehen. Die Ortsvorsteherin wünscht sich, dass die Ställe zumindest komplett eingegrünt würden.



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