Weyhe-Leeste. Der Weg vom Fernsehen zum Buch bedarf schon mal eines kraftvollen Sprunges über den eigenen Schweinehund, lohnt sich aber in der Regel - nicht nur für den Nutzer, wie Conny Hiller findet, sondern auch für den Autor selbst. Die Kirchweyherin ist gesprungen. Gemeinsam mit den vier Literaten Dieter Frankenberg, Karin Gundel, Bernd Kühn und Hiltrud Schuch aus Göttingen hat Hiller das Buch "glitzerträume / blau" herausgegeben. Kostproben daraus gibt es am Freitag, 17. Februar,ab 19 Uhr in der Gemeindebibliothek Leeste, Schulstraße 40, bei ihrer kostenlosen Lesung "Der Hase in der Hängematte".
Zwar lebt Hiller schon seit 1974 nicht mehr in Kirchweyhe, doch die 56-Jährige kommt immer wieder gerne in ihre Heimat. "Wenn ich früher zu Oma und Opa gegangen bin, kam immer Zuckerkuchen auf den Tisch. Den gibt es immer noch, wenn ich bei meiner Familie zu Besuch bin", erzählt sie. "Im Winter kaufe ich hier immer bergeweise Pinkel und Knipp und schleppe alles im Rucksack nach Göttingen. Darauf warten meine Freunde schon."
Ihre ersten Erfahrungen als Autorin machte Hiller in der dritten Klasse. "Wir mussten eine Geschichte übers Einkaufen schreiben. Schon damals habe ich mit vergessenen Zitronen einen dramaturgischen Bogen gespannt", sagt sie und schmunzelt. Trotz ihres Talents war "Autorin" lange kein Berufswunsch - auch nicht, als sie schon älter war und täglich zum Gymnasium in Syke radelte, während ihr der Vater aus dem Führerhaus seiner Lok zuwinkte. "Damals hat man erst einmal etwas Anständiges gelernt und sich dann in der Freizeit der Kunst zugewendet." Und so zog sie nach ihrem Abitur nach Göttingen, um Französisch zu studieren.
Doch dann wurde doch das Schreiben zu Hillers Beruf. Sie gewann einen Drehbuchwettbewerb. Anschließend absolvierte sie ein Volontariat beim ZDF und schrieb fortan Drehbücher für das Kinderprogramm, Seifenopern und Serienfolgen. "Inzwischen mache ich aber hauptsächlich dramaturgische Beratung", sagt sie. "Mit dem, was jetzt so im Fernseher läuft, bin ich selbst nicht mehr glücklich." Und auch das Selbstverständnis der Fernsehschaffenden hätte auf Dauer nicht ihrem entsprochen: "In Konferenzen fielen schon mal Sätze wie ,Sie wissen doch, dass wir für die Verkäuferin an der Fleischtheke schreiben'."
So fiel Hiller der Sprung zum Buch nicht schwer. Bereits vor zehn Jahren hatte sie sich besagter Autorengruppe in Göttingen angeschlossen. "Das Schreiben macht soviel Spaß, weil da kein Redakteur ist, der einem sagt, dass der Text nicht ins Programm passt." Irgendwann hatte sie das Gefühl, dass die vielen Texte der Gruppe einmal aus den Schubladen heraus gekramt werden und in einem Buch verpackt werden müssten. "Das war anfangs aber nur eine Art Hobby", sagt sie. "Wir wollten das Buch gar nicht an einen Verleger geben, der dann womöglich einige Texte rausschmeißt. So etwas kann eine Gruppe kaputt machen." Soweit kam es aber gar nicht. Insgesamt 34 Geschichten haben ihren Weg in das Werk gefunden. Die Auswahl von Humoresken bis zu klassischen Kurzgeschichten handelt von Traurigem, Rührendem, Ungutem, Niederträchtigem - aber auch Witzigem. Die Texte erzählen von einer Spanferkel-Orgie, bei der sich jemand weigert Fleisch zu essen, von der Liebe und dem Morgen danach, von einer
folgenreichen Laufmasche am Sonnabendnachmittag, von einer Taufe ohne Pfarrer oder von einem Hasen in der Hängematte, mit dessen Hilfe eine Autorin mit Schreibblockade über einen verliebten Weihnachtsmann schreibt.
Einen Fernseher hat Hiller übrigens immer noch. "Ich schaue immer die Sportschau. Immerhin bin ich immer noch Werder-Fan."



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