Bassum. Eine wichtige Botschaft hatte CDU-Fraktionsvorsitzende Cathleen Schorling gleich zu Beginn für die Zuhörer im Bassumer Gasthaus Haake parat. "Die Einschulungen laufen genau wie im vergangenen Jahr", sprach sie am Mittwochabend während der Informationsveranstaltung von CDU und SPD zum Antrag beider Fraktionen, der eine Neuordnung der Grundschullandschaft, Kinderbetreuung, Vereinspolitik und Freizeitmöglichkeiten in Bassum vorsieht. "Kein Kind muss zum jetzigen Zeitpunkt die Schule wechseln", machte sie deutlich. Darüber herrschte im Vorfeld große Unsicherheit. Denn der Antrag sieht unter anderem eine schrittweise Zusammenlegung der beiden städtischen Grundschulen am Standort Mittelstraße vor, was mittelfristig eine Schließung der Grundschule Petermoor bedeuten würde.
Schorling und SPD-Fraktionschef Christoph Lanzendörfer machten außerdem deutlich, dass ihr Antrag lediglich eine Prüfung ihrer Vorstellungen, die beide Fraktionen "Vision für Bassum" nennen, bedeute. Und diese Vision stellte Moderator und CDU-Fraktionsmitglied Michael Gillner am Mittwochabend vor gut 200 Gästen plastisch anhand der fiktiven Familie Fröhlich vor: Bernd und Ute Fröhlich arbeiten und leben in Bassum. Sohn Dennis befindet sich im Grundschulalter, seine Mutter ist gerade wieder schwanger. Seine Schwester soll den Namen Marie tragen. Dennis besucht die Stadtschule in der Mittelstraße, die sich laut Vision durch ihre zentrale Lage, das "moderne Konzept" und durch "vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten" auszeichne. Gillner: "Das wäre ideal für den Dennis." Seine Schwester Marie könnte dann das sogenannte Vorschulzentrum im jetzigen Gebäude der Grundschule Petermoor besuchen. Das Vorschulzentrum besteht nach Vorstellungen von CDU und SPD aus einer Krippe und einem Kindergarten.
"Alles unter einem Dach von null bis sechs Jahre", lautet das Motto. Wenn Dennis etwas älter ist, könnte er seinen Spaß im Jugendhaus haben, dass sich dann im jetzigen Gebäude des Bramstedter Kindergartens befindet. "Wir haben hier ein größeres Platzangebot", sagte Gillner. Oder Dennis vergnügt sich auf dem Freizeitgelände nebenan, wo sich ein neuer Bolzplatz befindet und die Skaterbahn, die vom Parkplatz des Naturfreibads in unmittelbare Nähe der Sportflächen zieht. Und was passiert mit dem alten Jugendhaus? Da könnte man ein Café oder Restaurant für die Tierparkbesucher einrichten.
Soweit die Vision, die außerdem den Erhalt der Dorfschulen in Nordwohlde, Neubruchhausen und Bramstedt vorsieht. Beide Parteien wollen nicht ohne die Bürger agieren, bekräftigte Gillner. "Wir wollen Sie einbinden. Wir müssen Sie einbinden."
Dafür wurde der Weg bereits im Verwaltungsausschuss geebnet, der vorher nicht-öffentlich tagte. Dort wurde ein Kompromiss gefunden: Die notwendigen Daten, die der Antrag von CDU und SPD vorsieht, sollen von der Verwaltung erarbeitet werden, teilte Bürgermeister Wilhelm Bäker im Vorfeld der Infoveranstaltung mit. Untersucht werden sollen alle fünf Grundschulen in städtischer Trägerschaft. Unter anderem will die Verwaltung die Gebäude unter die Lupe nehmen. Wenn die Ergebnisse vorliegen - Bäker rechnet für April damit - sollen sich Politiker, Verwaltungsmitarbeiter sowie Vertreter aus Schulen und Kindergärten an einem Runden Tisch zusammenfinden, der dann an einem Ergebnis feilt, das wiederum in die politische Beratung geht. In den Runden Tisch sollen neben den jeweils gemeinsamen Anträgen von CDU und SPD sowie von Bürger-Block und den Grünen Inhalte des Antrags der Eltern der Grundschule Petermoor einfließen. Ein externer Moderator soll den Prozess, den der Bürgermeister als "bedingt
ergebnisoffen" bezeichnete, am Runden Tisch begleiten. Das machte viele der Anwesenden in der sachlichen Diskussion nach Gillners Ausführungen hellhörig. Klaus Nowak, Elternvertreter an der Grundschule Neubruchhausen, bekundete sein Interesse: "Wie kann man sich an dem Runden Tisch beteiligen?" Die Frage konnten Bäker und die Politiker noch nicht beantworten, da man sich erst in der Planungsphase befinde. Fakt sei aber, dass auch Elternvertreter mit dabei sein sollen. Schließlich kam auch die Frage auf, ob es nur einen Runden Tisch geben wird oder mehrere für die verschiedenen Bereiche wie Schule, Kinderbetreuung und Sport. Auch dazu konnten Politiker und Verwaltung abschließend noch keine Antwort gegen. Probleme hatten die Petermoor-Elternvertreter zudem mit dem Umgang ihres Antrags. Axel Wendt zeigte sich unzufrieden. "Der Antrag ist ein Zeichen, dass wir mitarbeiten wollen." Sein Mitstreiter Cord Petermann hätte sich gewünscht, dass dieser auf "die gleiche Spur gesetzt
werde" wie die beiden anderen Anträge. Bäker gab zu verstehen, dass das durchaus gewährleistet sei. Einen Antrag für die politische Beratung in den Gremien könne im Grunde aber nur ein gewählter Ratsvertreter stellen. Klaus Nowak bemängelte außerdem, "warum alles in einen Topf geworfen" wurde und sprach damit auf das Gesamtkonzept inklusive Krippe an. Für Petermoor-Grundschullehrerin Dörte Binder war die Krippenfrage eh "der ausschließliche Stein des Anstoßes". Auch die Frage, ob die Gebäude für ihre potenziellen neuen Nutzer überhaupt geeignet seien, kam während der Versammlung auf. Mechthild Strake vom Behindertenbeirat Bassum merkte außerdem an, dass ihr in dem Konzept die Belange der Senioren fehlen.
Im Vorfeld fühlten sich Elternvertreter der Dorf- und der Stadtschulen gegeneinander ausgespielt. Künftig wolle man im Stadtelternrat zusammenarbeiten, kam während der Veranstaltung heraus. Am Rande erklärte Axel Wendt, das der Antrag der Petermoor-Eltern sehr wohl alle Schulen einbeziehe.



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