Syke-Okel·Landkreis Diepholz. "Eine gute Gästeführung bleibt lange in Erinnerung - eine schlechte auch." Friedrich Reuter, Regionalleiter Weser-Ems bei der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) Niedersachsen, sprach diese Worte am späten Dienstagnachmittag im Schützen- und Reiterhof Okel als Kompliment aus. Denn gerade hatte er die Auszeichnung "Gästeführen mit Stern" überreicht. Ingrid Kavanagh, Eva Wolf und Alexandre Peruzzo aus Stuhr, Sigrid Reinhard, Kerstin Wecky und Ingrid Schierenbeck aus Weyhe sowie Annette Arndt und Ute Bier aus Syke bekamen ihre persönliche Visitenkarte mit Foto und die kleine Anstecknadel mit dem Sternchen und dem großen "G" für Guide - oder eben Gästeführerin.
Was hatten sie getan? Sie hatten schlicht gut gearbeitet. Länger als sechs Jahre ist keiner von ihnen Gästeführer, einige sogar erst vier Jahre. Von einem Jubiläum und großen Erfahrungswerten sind sie also noch weit entfernt. Doch sie haben sich reingehängt, sich über die Maßen engagiert. "Sie sind Fachkräfte für Fremdenverkehr", lobte Benita Schütte von der LEB, die die Auszeichnungen gemeinsam mit Friedrich Reuter vornahm. "Wobei wir für die Nutzung des Sterns noch eine kleine Gemeinheit eingebaut haben: Sie ist auf fünf Jahre befristet", ergänzte Reuter.
Zum großen Teil hatten die besternten Gästeführerinnen trotz ihrer erst kurzen Dienstzeit ihre Führungen selbst geplant und organisiert, zudem regelmäßig an Fortbildungen und Arbeitskreisen teilgenommen. Doch es ging in Einzelfällen noch darüber hinaus. So war Ingrid Kavanagh mitverantwortlich für die Programmplanung in Stuhr, Eva Wolf hatte ihre Verdienste um Messestandsbetreuungen und Kerstin Wecky um die Museumspädagogik im Syker Kreismuseum. Alexandre Peruzzo wurde mit seiner Hobeltour fester Bestandteil des Stuhrer Jahresprogramms, mit Sigrid Reinhard konnten Interessierte im wahrsten Wortsinn Denkmale erfahren - per Pedal. Ingrid Schierenbeck beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit Kirchenarchitektur, Annette Arndt spezialisierte sich auf gekoppelte Fahrrad- und Kutschentouren und Ute Bier auf kombinierte Bahn-Fahrrad-Fahrten zum Strohmuseum nach Twistringen.
"Es ist ihr gemeinsames Interesse, den Tourismus in unserer Region zu beleben", fasste die Syker Gästeführerin Traute Dittmann die Motivation der Geehrten zusammen. Friedrich Reuter wies darauf hin, dass Fachwissen allein nicht ausreiche. "Man muss sich mit der Methodik beschäftigen", erklärte der LEB-Regionalleiter. "Sie müssen sich die Fragen stellen, wie sie wirken, wie sie auf die Leute zugehen, wie sie in einen Dialog kommen. Dazu müssen sie für sich selber ein Fachgebiet finden und dafür selber recherchieren." Zudem gelte es, Recht- und Haftungsfragen nicht außer Acht zu lassen.
Friedrich Reuter bildet seit 20 Jahren Gästeführer aus - damals war es noch eine Tätigkeit, um Frauen nach einer beruflichen Pause wieder einzugliedern. "Es ist eine interessante und spannende Tätigkeit, die man mit Herz machen muss", findet Reuter. Die neuen Sterne am Gästeführerhimmel haben das ganz offensichtlich verinnerlicht. Denn sie sind mit guten Gästeführungen im Gedächtnis geblieben. "Und das ist eine gute Werbung für ihren Ort."



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