Twistringen. 160 feierlustige Frauen haben sich im Twistringer Pfarrzentrum am Dienstagabend eingefunden, um es richtig krachen zu lassen. Am morgigen Freitag wird die zweite Runde eingeläutet. "Dafür haben wir 174 Karten verkauft", erzählt Ute Hammann, Mitorganisatorin der Veranstaltung.
Während es in der Umkleidekabine der Akteure hektisch hergeht - die einen werden geschminkt, die anderen arbeiten an dem letzten Feinschliff ihrer Kostüme - herrscht im großen Saal ausgelassene Stimmung. Rocker, Blumenmädchen, bunte Perücken, Federboas und Piraten, wohin das Auge reicht. Zwischendurch rauscht eine Biene Maja vorbei, und der ein oder andere Schnaps macht an den Tischen die Runde. Bis auf die Musiker und den Tontechniker sowie den ein oder anderen männlichen Darsteller, darunter auch Pfarrer Rainer von Carnap, sind weit und breit keine Männer in Sicht. Was den Männern ihr Schützenfest in Twistringen, ist den Frauen eben ihr Karneval. Und das ist bereits seit einigen Jahrzehnten Tradition. Dass die Damen den Herren im Feiern in nichts nachstehen, wird dabei schnell deutlich.
Mit Roswitha Schütte "kommt eine etwas Dickere zu uns rein", heißt es in der Ankündigung der anstehenden Vorstellung. Es folgt ein Paradeeinmarsch Roswithas, die von den Clowns Barbara Striethorst und Susanne Schütte ans Rednerpult auf der Bühne begleitet wird. Mit lockerer Zunge und flotten Sprüchen löst Roswitha lautes Gelächter aus. Sie schwelgt in Erinnerungen: "Früher reichte bei mir der Stoff einer Krawatte für ein Abendkleid, bis ich auseinanderging wie ein Hefeteig", nimmt sie sich selbst aufs Korn. Und während sie einst für ihren Ehemann das Häschen war, ist sie heute sein Elefantenbaby. Sie besucht eine Kur, will abspecken, doch geheime Fressorgien lassen den Plan kläglich scheitern. Ihr Mann entdeckt dafür aber seine Liebe zu ihr wieder, während sie in Kur ist. Das stimmt alle anwesenden Frauen milde. Kamen doch zuvor aus der ein oder anderen Ecke leise Buh-Rufe, als Roswitha die Beziehung zu ihrem Gatten vor ihrem Kuraufenthalt beschrieb.
Nach dem Auftritt stimmen die Musiker Erwin und Walter "Die Hände zum Himmel" von den Kolibris an. Und spätestens an der Stelle reißt es auch die letzten Närrinnen von den Stühlen. Er wird geklatscht, geschunkelt und mitgesungen, was die Stimme hergibt.
Männer entdecken weibliche Seite
Da schleicht sich Rainer von Carnap durch die Reihen. Er, als einer der wenigen Männer auf der Veranstaltung, entdeckt bei so viel geballter Weiblichkeit seine "eigene weibliche Seite", wie er schmunzelnd zugibt. Auch er sorgt auf dem Karneval der Frauen für viel Gelächter, denn er verrät, wie es auf der Herrentoilette so zugeht. Dabei sei verraten, dass er das Pinkelbecken ganz links in einer Reihe bevorzugt.
Doch nicht nur Solisten sorgen für Unterhaltung und gute Laune, auch die Abba-Coverband bringt einige ihrer weltweit bekannten Hits zum Besten. Mit "Waterloo" und "Mama Mia" entlocken sie in ihren originalgetreuen Kostümen dem Publikum rhythmische Bewegungen.
Noch zahlreiche weitere Vorstellungen strapazieren die Lachmuskeln der Karnevalisten an diesem Abend. Und wie bereits erwähnt, geht es morgen auf in eine neue Runde. Beginn ist um 19 Uhr. Jedes Jahr gibt es die doppelte Ausführung des Frauenkarnevals, der immer wieder eine gern genutzte Abwechslung darstellt - nicht nur für die Twistringer. "Auch von außerhalb kommen mittlerweile viele Frauen zum Mitfeiern zu uns", weiß Ute Hammann aus Erfahrung.



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