Die Autoscheiben sind schmutzig, das Einschalten der Waschanlage bleibt jedoch erfolglos. Bei frostigen Temperaturen in der Nacht frieren die Leitungen schnell ein. Schlimmer ist es, wenn der Motor gar nicht mehr anspringt, weil die Batterie streikt. Gärtner, Maurer und Dachdecker müssen ihren Betrieb zurzeit ganz einstellen.
"Wir hängen alle Stalltüren mit Folie ab und beheizen unsere Stallungen mit einem Warmluftbrenner", sagt Gisela Einhaus vom Eschenhof in Clues. "Alles dauert viel länger. Abends sind wir manchmal bis 10 Uhr draußen." Die Ackerwirtschaft ruhe zurzeit vollkommen. Das Getreide brauche eigentlich eine schützende Schneedecke. "Was aus unserem Anbau wird, sehen wir erst im Nachhinein." Nicht nur die Arbeit der Landwirte verzögert sich. Viele Gärtnereien müssen ihre Arbeit ganz niederlegen, weil niemand anpflanzt und der harte Boden jegliche Arbeit verhindert. Auch Lothar Kattner von der Gärtnerei Manfred Lehmann in Syke hat geschlossen. "Den Februar können wir eigentlich komplett abhacken. Seit elf Jahren mussten wir noch nie wegen so einer Kälte in diesem Monat schließen", sagt Kattner. Eine Menge Strom verbrauche er zum Beheizen seiner Gewächshäuser. Teilweise laufe dort 24 Stunden lang die Heizung. "Schnee wäre für uns aber noch schlechter. Da kann es leicht passieren, dass das Dach unter der Last zusammenbricht."
Dachdeckerunternehmen und Baufirmen machen ebenfalls eine Kälte-Pause. "Es ist alles eingefroren, selbst unsere Steine sind Eisklötze", so Helene Niedrich vom Bauunternehmen Johann Hollmann aus Stuhr. "Wenn die Temperaturen nur wenig unter Null lägen, könnte man wenigstens bei den Baustellen aufräumen. Aber jetzt kann man niemanden draußen arbeiten lassen", führt sie weiter aus.
Ganz andere Vorkehrungen treffen in diesen Tagen Seniorenresidenzen. "Bei demenzkranken Menschen nehmen wir im Moment alle Sommersachen aus dem Schrank, damit sie gar nicht erst zur falschen Kleidung greifen", sagt Peggy Haberzettl, Einrichtungsleiterin vom Haus am Richtweg sowie vom Haus am Geestfeld in Kirchweyhe. Außerdem habe man Streusalz gebunkert, das schon frühzeitig vom Haustechniker verteilt wurde. Angehörige und Pfleger würden mit den Bewohnern schon am Tag zuvor Kleidung auswählen, die sie am darauffolgenden anziehen. "Wir achten auch verstärkt auf das Schuhwerk, damit niemand ausrutscht."
Zurück zu den Autos. "Gerade ältere Batterien verlieren bei Kälte ihre Spannung, und das Auto springt nicht mehr an", so Helmut Nöllenburg, Leiter der TÜV-Station Syke. Da helfe meistens nur, die alte Batterie gegen eine neue auszutauschen. Der ADAC habe momentan fünf bis sechs Mal mehr Einsätze am Tag. "Außerdem sollten verschiedene Frostschutzmittel für Motor und Scheibenwischanlage verwendet werden", sagt Nöllenburg Bei einem Dieselmotor sei es ratsam, nie für längere Zeit auf Reserve zu fahren. "Diesel flockt bei Kälte aus und verstopft die Filter. Man sollte sein Auto auch möglichst in der Garage und nicht im kalten Wind stehen lassen." Kalter Wind kann auch Heizungsrohre einfrieren lassen. Torsten Waßmann von der Firma Waßmann in Brinkum ist Versorgungstechniker und weiß, wie man dem vorbeugen kann. "Ist der Raum, in dem die Leitungen entlanglaufen, nicht richtig isoliert, kommt es schnell zu Frost. Damit die Leitungen nicht platzen, kann man zum Beispiel seinen Wasserhahn stetig tropfen lassen." Außerdem rät Waßmann, die Heizungsanlage vor jeder Winterperiode warten zu lassen. "In Räumen, die wenig benötigt werden, sollten Heizungen etwas runter gedreht werden. Das verhindert eine Überlastung."
Auch Tiere leiden unter der Kälte. Im Brinkumer Tierheim Arche Noah wird zum Beispiel gerade eine Krähe aufgepäppelt. "Ein Bürger hat sie gefunden und hergebracht", berichtet Tierpfleger Sascha Diephaus. Der Vogel sei noch recht jung und deshalb wohl mit dem strengen Winter überfordert. "Er war geschwächt und unterkühlt", so Diephaus, der die Krähe aber bald wieder in die Natur entlassen will.



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