Eine Sondersteuer in Höhe von 300 Euro pro Jahr und Waffe, das befürwortet der Bremer SPD-Fraktionsvorsitzende Björn Tschöpe. Er verspricht sich davon, dass dann weniger Waffen in Privatbesitz seien. Außerdem soll mit dem Geld das städtische Geldsäckel gefüllt werden. Bei Vertretern von Schützenvereinen löst er damit nur Kopfschütteln aus - nicht nur in Bremen, auch in Niedersachsen.
Tobias Köhler, Vorsitzender des Schützenvereins Ristedt, hat zum Vorschlag einer Waffensteuer eine klare Meinung. "Bescheuert", kommt es wie aus der Pistole geschossen. Er könne es nicht verstehen, dass auf die Schützenvereine eingeschlagen werde. "Schießen ist schließlich auch eine olympische Disziplin", sagt Köhler. Wenn so eine Waffenbesitzsteuer auch in Niedersachsen käme, "können wir dichtmachen", so Köhler. "Oder aber wir müssten die Mitgliedsbeiträge stark erhöhen", überlegt er. 188 Mitglieder habe sein Verein, 60 Euro sei der Jahresbeitrag. Dass eine Steuer auf Waffen dazu führen würde, dass auch weniger weniger Waffen im Umlauf sind, glaubt Köhler nicht. "Wer eine Waffe haben will, bekommt auch eine. Die Steuer würde den Menschen schaden, die verantwortungsvoll mit Waffen umgehen."
Doch nicht nur die Vereine würden von einer Waffensteuer betroffen sein, auch die Mitglieder könne es ganz direkt treffen, merkt Rolf Schünhoff, Sportleiter und Waffenwart beim Syker Schützenverein von 1853, an. "Viele Schützen wollen bei Wettkämpfen ihre eigenen Waffen statt der Vereinswaffen benutzen", so Schünhoff. Die Vereine wären darüber hinaus natürlich auch betroffen. "Sie würden kaputt gemacht, denn die Zahlungen kann sich kein Verein leisten", schimpft er.
In die gleiche Kerbe schlägt Christian Sievers, der dem Fahrenhorster Schützenverein vorsteht, und flugs eine Rechnung vorstellt: "Wie haben rund 200 Mitglieder und einen Jahresbeitrag von 50 Euro. Das ergibt rund 10000 Euro pro Jahr. Wenn wir für unsere zwölf Waffen die Steuer zahlen müssten, kämen rund 3000 Euro zusammen. Also würden 30 Prozent der Einnahmen an den Staat gehen. Das ist Wahnsinn", schimpft der Fahrenhorster. "Ich zahle mich ja dumm und dämlich", so Sievers weiter. Das ganze Vorhaben sei eine reine Abzocke. Doch Sievers stellt nicht nur den finanziellen Aspekt heraus, auch das Vereins - und somit das Dorfleben sieht er durch die Steuer gefährdet. "Die Hälfte der Mitglieder sind bei uns im Schützenverein, weil er zum Dorfleben dazu gehört", erklärt er. Wenn die Vereine die Waffensteuer nicht stemmen können oder Mitglieder deswegen aus Vereinen austreten, habe das auch auf das Dorfleben Einfluss. Auch das ehrenamtliche Engagement würde dann leiden. "Das Ehrenamt
wird von Politikern oft hochgehalten - und dann wird den Leuten in die Tasche gegriffen", so Sievers.
Den Fortbestand der Vereine sieht auch Dieter Apmann, zweiter Vorsitzender beim Schützenverein Germania in Leeste, gefährdet, sollte eine Waffensteuer eingeführt werden. "Das trifft die Vereine, die sowieso schon herumkrebsen. Wo soll ein kleiner Verein das Geld hernehmen?", fragt Apmann.
Tradition in Gefahr
Zweimal hat Walter Huntemann, Vorsitzender des Schützenkreises Niedersachsen Weyhe, nach eigenen Angaben mit dem Bremer Sozialdemokraten Tschöpe über das neue Gesetzesvorhaben gesprochen. Tschöpe sei nicht gut über den Schießsport informiert, sagt Huntemann. "Ich habe zum Beispiel deutlich gemacht, dass ein Sportschütze mehrere Waffen braucht", erklärt Huntemann, und er nimmt gleich ein paar andere Waffen ins Visier. "Eine Waffe ist ein Sportgerät - genauso wie ein Florett oder ein Degen. Werden Florett und Degen dann zukünftig auch besteuert?", fragt er.
Wenn eine Waffensteuer eingeführt würde, werde der Schießsport zunächst "vor sich hindümpeln, bevor dann viele aufgeben werden", ist sich Huntemann sicher. Damit würde auch eine Tradition verschwinden, und die soziale Arbeit der Vereine sei auch nicht mehr möglich. Gleichwohl räumt er dem Vorhaben der Bremer keine allzu großen Chancen ein. In Stuttgart habe man ebenfalls eine Waffensteuer einführen wollen, doch nach einem Gutachten sei klar geworden, dass es rechtlich nicht umsetzbar gewesen sei.
Der zweite Vorsitzende vom Schützenverein Stuhr von 1912, Dieter Engelhardt, sieht in dem Vorhaben eine reine "Geldmacherei. Eine Steuer sollte zweckgebunden sein", findet Engelhardt. Die Steuer würde die Vereine empfindlich treffen. Andreas Viebrock, Geschäftsführer des Norddeutschen Schützenbundes, will nicht so richtig laut schimpfen, sondern eher mit Schalldämpfer: "Wir sind nicht erbaut von der Steuer. Die Vereine würden dann Mitglieder einbüßen", sagt er.



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